Mittwoch, 18.07.2018
Streaming als Lebensleistung

Bleib zuhause im Sommer: 10 Highlights auf Netflix

Draußen scheint die Sonne. Alle Trottel gehen grillen oder machen sonstwas “an der frischen Luft”. Für uns Sensible ist der Auftrag allerdings ein anderer: Endlich in Ruhe fernsehen. Diese Liste hier sei daher allen Netflix-Abonnenten eine Hilfe. Dort steht viel Kram rum, aber am Ende bleibt man doch wieder nur an denselben drei Serien und paar halbguten Filmen hängen. Von dieser Reihung hier hatten wir bereits zwei Listen angefertigt – hier folgt nun unsere Sommer-2018-Edition. Denn das Angebot ist im Wandel und die meisten Filme und Serien, auf die im letzten Jahr verwiesen wurde, sind aktuell nicht mehr verfügbar. Versucht es daher mit diesen, es wird euer Schade nicht sein. Schattige Tage! Von Linus Volkmann

„Santa Clarita Diet“
Wisst ihr noch „The Orville“? Seth MacFarlane, Schöpfer von „Family Guy“, stellte einem diese sehr detailverliebte Comedy-Version mit Star-Trek-Background vors Haus? Leider war nach kurzer Anfangshysterie, mit der sicher nicht nur ich den Start auf Pro7 begleitet hatte, klar: Funktioniert halt nicht. Geile Ideen, ertrunken in unerträglichen Längen.
All den Enttäuschten breitet diese aktuelle Entdeckung der Medienexpertin Katharina Schmidt nun aber die Arme aus. Seht einfach die Vorstadt-Zombie-Serie „Santa Clarita Diet“, Drew Barrymoore als zauberhafte untote Maklerin und ihr rühriger Ehemann haben plötzlich mehr Sex, doch die fehlende Triebkontrolle von ihr, bringt sie auch zum Fressen unliebsamer Nachbarn. Für mich die perfekte Dosis aus Wahnsinn und sehr trockner wie warmherziger Sitcom. Das Figuren-Ensemble ungefähr das beste und un-stereotypste, das mir seit langer Zeit begegnet ist. Zum Verlieben!

„Hungrig“
Der Hype um das Genre des Zombiefilms ist ja jetzt auch über ein Jahrzehnt her – und hat seitdem viel Tolles und Originelles in die Kinos gespült. Die letzten Jahre war das Thema aber fast schon wieder durch – und konnte nur im Serienformat mit dem (mittlerweile aber auch überstrapazierten) „The Walking Dead“ noch mal einen Peak erreichen. „Hungrig“ gibt dem auserzählten Untoten hier nun ein wenig Poesie, elegische Bilder, ganz anderer Erzählrhythmus – sicherlich ein Kritikerfilm, aber auch abseits aller Distinktion erreicht einen die Story. Die Landschaft – „Hungrig“ spielt im Land um Toronto, Kanada – trägt ihren Teil dazu bei.

 

„Warm Bodies“
So, der dritte Zombie-Tipp, wenn das Truffaut wüsste, was ich hier wieder zusammengieße.
Der Hauptdarsteller der frühen „Skins“-Staffeln (als die Serie noch richtig geil statt entsetzlich moralisch war) spielt einen Zombie, der mit einer Schar Untoter auf einem mittlerweile verlassenen Flughafen vegetiert. Mehrwert: Er ist sich irgendwie seiner Existenz bewusst und verliebt sich in eine Lebende. Der Film ist zwar speziell aber auch nicht einzigartig, das Genre dazu heißt ZomCom, das hier ist sein Höhepunkt. Einfach sehr unterhaltsam und romantisch. Wer sich gern paaren möchte mit jemand anderem, kann “Warm Bodies” zur Anbahnung nutzen, halt noch paar Kerzen daneben anzünden, fertig.

 

„Avicii – True Stories“
Zum überraschenden Tode des schwedischen EDM-Wunderkinds hatte ich auf der Facebook-Seite von kaput meinen Lieblings-Clip von ihm gepostet. Viel Widerhall erzeugte dies nicht, kein Wunder, letztlich galt Aviciis Musik zu Lebzeiten als nicht wirklich satisfaktionsfähig. Zu groß die Stadien, zu einfach die Beats, zu furchtbar die Leute, die dazu abgingen.
Der Tod nun hat die Distanz verringert. Als tragische Figur interessiert er dann doch auch über den egalen Dancefloor hinaus (abseits von kaput zumindest). So realistisch sollte man das sehen. „Richtig sympathisch bist du den Leuten erst in der Niederlage“ – und es fällt eben schwer, den plötzlichen Tod eines so erfolgreichen Künstlers nicht als ultimative Niederlage zu verstehen. Die Doku über ihn, die noch nichts von seinem Ende ahnt, aber dennoch bereits viel Düsteres in sich trägt, taugt sicher nicht, um irgendeine morbide Sensationslust zu befriedigen. Viel eher macht sie sich die Mühe, sich ihrem Protagonisten und dessen irrsinnigem Leben wirklich auszuliefern.
Viel wird hier sicher eingeschaltet wegen der Tragödie – aber dass letztlich drangeblieben wird, das hängt dann doch an dem Menschen, den man kennenlernt.

 

“The Babysitter”
Splatter-Entertainment im Rahmen einer hübschen Coming-Of-Age-Story, die sich vor der Kulisse der amerikanischen Vorstadt entfaltet. Auffällig ist die Zeit, die sich der Film nimmt, bevor er sich in die eigene Achterbahn hin zum großen und natürlich blutigen Finale setzt. Ohne Hektik wiegt er erstmal in Sicherheit und erzählt auch dabei schon eine hübsche Geschichte – nur um eben darauf umso wilder zu liefern. Wer „Scream“ mochte, muss das hier lieben. Es geht gar nicht anders.

 

„Star Trek – Discovery“
Der „Star Trek“-Franchise lebt… Naja, Kult mag das schon sein, aber man muss wirklich Nerd oder Nostalgiker sein, um ernsthaft die ebenfalls auf Netflix befindlichen Klassiker wie „Voyager“ „The Next Generation“ oder „Deep Space Nine“ auch heute noch ertragen zu können. Das war ja damals eher schon grenzwertig. Der Neustart nun bewegt sich souverän im alten Universum: Die Oberste Direktive, die Anzüge, die Multi-Kulti-Truppe auf der Brücke mit vielen extraterristrischen Stylern, das ewige Gehubere mit den Klingonen. Soweit, so vertraut. Doch die komplexe Story, die wirklich überraschende Wendungen in sich birgt, die Spannung und die dynamischere Inszenierung, machen klar, dass man hier nicht zum Weltbürger erzogen werden soll von E.T.s, die exemplarisch für diverse Weltanschauungen stehen – wie man es von Gene Roddenberrys Klassikern gewohnt ist. Alles ist düster, krass und natürlich weiterhin divers. Ein schwules Pärchen, das sich küsst, erinnert natürlich daran, wie die „Star Trak Original Series“ einst Amerika provozierten durch den Kuss zwischen Lieutenant Uhura und Captain Kirk. Erste Staffel jedenfalls Instant-Gold für Sci-Fi-Interessierte jeder Religion.

 

„Date Night“
Tina Fey und Steve Carell als spießiges Pärchen, das beim Ausgehen in ein Restaurant einen Deal reingerät, plötzlich unter Feuer einflussreicher Gangster wie korrupter Cops steht und selbst agieren muss, als seien sie Geheimagenten. Plot könnte ein Remake von irgendwas aus den 80ern darstellen, ist aber (gesichert) ein kurzweiliger Spaß. Witzige Eltern-RomCom mit Knarren. Wer’s guckt, hat’s gut.

„Hot Tub – Der Whirlpool ist eine verdammte Zeitmaschine“
Was soll man sagen, was nicht schon der Untertitel verrät? Eine übergeschnappte Bro-Comedy, die sehr souverän alle nötigen Motive abklappert und von ihrer kruden Idee lebt. Für Freunde von Seth-Rogen-artigem Humor ein guter Tipp, denn viele Komödien dieser Machart sind am Ende ja dann doch eher nervig. Die hier aber nicht.

 

„Paris is burning“
Eine Doku aus den späten 80er Jahren über die Drag Szene in New York. Die Zeiten waren andere damals, gesellschaftliche Akzeptanz stand hier noch gar nicht so im Fokus, wie erstmal eine Selbstfindung beziehungsweise eine Konstituierung untereinander. AIDS ist natürlich allgegenwärtig, aber dennoch wird alles überstrahlt von der schwitzigen Ekstase des Moments und dem teilweise rührigen Hoffen, dass sich alles (Gesellschaft, Medizin) zum Guten wendet – und zwar noch zu Lebzeiten der Protagonisten. Wem der emotionale Kick hier noch nicht reicht, der sei darauf verwiesen, dass die grellen Looks und unglaublichen Tanzeinlangen allein schon den Film tragen.

 

„The End of the f***ing world“
Nihilistische Mini-Serie mit Roadmovie-Anmutung. War Anfang des Jahres schon sehr präsent, als es auf die Plattform gestellt wurde. Hatte also vermutlich jeder auf dem Schirm, den es angehen könnte. Falls jemand gezögert hat: Lohnt auf jeden Fall. Leben und Untergehen an der britischen Küste.

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