Samstag, 18.11.2017
Listenwesen

Hitparade 2016 – Die großen Kaput-Charts

Listen, überall nur Listen. Und meistens dann auch noch die immer gleichen mit Alben und Songs – natürlich mit Radiohead, Beyoncé, Solange, Frank Ocean, you name them, we gähn! Nicht dass unsere kleine Popwelt nicht auf von diesen Künstler_innen reagieren würde, aber ein bisschen mehr Vielfalt darf doch bitte sein. In diesem Sinne: keine Charts mit starren Grenzen, hier geht alles. Wir führen das 2016 unserer Mitarbeiter_innen vor – und sagen allen noch mal Danke für ihre tollen Beiträge dieses Jahr. Die Zukunft ist kaput.

Katja Ruge

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Pudel Brennt
Der Anruf an einem Sonntagmorgen im Februar um 8 Uhr von Booty Carell bleibt unvergessen. Ebenso dass ich im Pyjama los gefahren bin, um Fotos zu machen. Was alles dazu und danach folgte: Purer Wahnsinn. Hier eines der letzten Bilder im Pudel, die ich gemacht habe: 50Weapons und Pudel Crew.
Bitte spenden: www.pudel.com – denn ich möchte mein Wohnzimmer wieder.

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Der sehr besondere Tag in Köln mit Madeleine Girke
Ich habe mit der Tochter des verstorbenen Malers Raimund Girke sein altes Atelier in Köln fotografiert.

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“Ladyflash”
Meine Fotoasstellung mit vielen unfassbar tollen Musikerinnen. Kann man sich bis zum 12.Januar 2017 inoch in Hamburg in der Galerie Kulturreich anschauen. Auf dem Bild sieht man übrigens nur eine Wand!

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Gottwood Festival / Nord Wales
Ein langer gehegter Wunsch von mir dahin zu fahren, im Gepäck meine Synthesizer-Fotoausstellung und Musik. Ich habe dort mit Andrew W. Pommes gegessen – davon gibt es kein Bild, aber dafür eins mit Ihm und Grinsekatze Move D. Schön war`s!

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Yello
100 gefühlte Jahre nach unserem letzten Treffen endlich ein weiteres. Yello, die echten und wahren Gentlemen. Nur der Bentley fehlte diemal. Foto by Boris.

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Helena Hauff
Nur Fliegen ist schöner. Toller Tag mit der EB-TV_Crew auf dem Flugplatz in Holm.

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Mila Stern
Ein Tag der Entdeckungen: nicht nur Mila, sondern auch die wunderschöne Stadt Halle/Saale, wo wir den ganzen Tag rum gelaufen sind und Fotos gemacht haben für`s Libertine Magazin.

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Kann denn Liebe Synthie sein?
Meine Partyreihe mit anhängigen Blog und Ausstellung und so vielem mehr macht mich immer wieder glücklich. Gemeinsam mit Frank Husemann vom Synthesizerstudio Hamburg habe ich dieses Jahr einen Remix fertiggestellt – für Ruede Hagelstein und das Watergate Label. Nächstes Jahr kommt der erste eigene Track raus bei Bordello A Parigi.

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Tatort
Guck`ich zwar nicht, aber die Musik ist toll. Deswegen das Foto mit Klaus Doldinger.

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Telephones “Vibe Telemetry”
So ein tolles “Mega-Retro-Anfang-90s-Glücklich-mach”-Album. Das Bild ist im Raimund Girke Atelier in Köln entstanden.

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Die Maske vom Altern 8 Album
Nach 25 Jahren habe ich herausgefunden, dass ich die legendäre Maske, die das Cover des Altern 8 Albums zierte, in den Händen gehalten habe. Voll irre. Manchmal ist die Gesichtsfratze echt für was gut.

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Auflegen auf einer Party in Hamburg bei meinen Freunden Oliver, Annika und Marcus.
Ich war die einzige in Baumwolle ;)

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Neuer Status
Seit Anfang des Jahres bin ich Professional beim BFF (Bund freischaffender Fotografen und Filmemacher). Sehr gute Sache, toller Austausch mit den Kollegen und ebenso tolle Ausstellungen. Hier mein Bild von F.C. Gundlach (Fotograf und Sammler) in einer Fotozeitschrift zu seinem 90igsten Geburtstag. Da hat der BFF ein wunderschönes Buch für Ihn gemacht,
da er Ehrenmitglied ist.

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Mama
Der wichtigste und schönste Moment des Jahres. Mit meiner Mama in meiner Ausstellung “Ladyflash”.

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Papa
Und danach folgt sofort der Abend mit meinem Papa neulich bei einem Hamburger Musikpreis.

 

Christina Mohr

Nachdem ich mehrfach zu epischen „Jahresrückblicken“ in Wort, Bild und Ton ausgeholt habe und dann doch nicht damit weiterkam, hier zwei einfache Listen:

15 Lieblingsalben
Oum Shatt „Oum Shatt“
Kate Tempest „Let Them Eat Chaos“
Half Girl „All Tomorrow’s Monsters“
Roisin Murphy „Take Her Up to Monto“
Masha Qrella „Keys“
Jenny Hval „Blood Bitch“
Die Heiterkeit „Pop & Tod, Teil I & II“
JaKönigJa „Emanzipation im Wald“
A Tribe Called Quest „We Got It From Here…“
Iggy Pop „Post Pop Depression“
Dinosaur Jr „Give A Glimpse of What Yer Not“
Anna Meredith „Varmints“
The Julie Ruin „Hit Reset“
Solange „A Seat at the Table“
Mykki Blanco „Mykki“

15 Lieblingssongs
Mykki Blanco „Like Highschool Never ends“
Half Girl „Girl in a Band“
Christiane Rösinger „Eigentumswohnung“
Oum Shatt „Hot Hot Cold Cold“
Iggy Pop „Gardenia“
Pet Shop Boys „The Pop Kids“
Dinosaur Jr. „I Told Everyone“
Die Heiterkeit „Die Kälte“
Masha Qrella „DJ“
Jacques Palminger „Spanky“
Nouvelle Vague „Love Comes in Spurts“
JaKönigJa „Woher kommst du?“
The Julie Ruin „I Decide“
Warpaint „New Song“
Wild Beasts „Big Cat“

Bonustrack als Video 

So, und wenn wir uns demnächst mal treffen, können wir uns gerne über die
2016er-Pop-Themen unterhalten, zum Beispiel:
Über tote Popstars als Event, und warum ich mir weder „Blackstar“ noch „Skeleton Tree“ angehört habe.
Oder über Interviews mit Popmusiker_innen, die einem wichtig sind/waren (in meinem speziellen Fall waren das 2016 zum Beispiel Kevin Rowland, Masha Qrella, Hinds, Julie Miess, Vivian Goldman, Viv Albertine, Roisin Murphy, Kathleen Hanna) – und wie uncool ich jedes Mal wieder bin.
Über meine Vorliebe für Compilations wie „C87“, „PUNK 45“, „Too Slow to Disco“ oder „Falscher Ort, falsche Zeit“.
Oder auch darüber, dass ich 2016 eine ganze Menge ROCK gehört habe und eine ganze Menge Platten verblüffend gut fand, zum Beispiel die von Dinosaur Jr., Iggy Pop, Deap Vally, Half Girl, The Julie Ruin (aber nicht: Metallica).
Und darüber, warum Anohni und Beyoncé es nicht in meine Top 15 geschafft haben.
Und auch darüber, dass mir ausgerechnet Konzerte alter Lieblingsbands VOLL BOCK GEBRACHT haben: The Cure, Pet Shop Boys, The Julie Ruin.
Darüber, wie sehr ich mich über die große Aufmerksamkeit für „Damaged Goods“ aus dem Ventil Verlag freue, nicht NUR, weil auch zwei Texte von mir drin sind.
Oder darüber, dass ich zum ersten Mal ein Album von PJ Harvey nicht mochte.
Undsoweiter. Stay kaput in 2017!

Thomas Venker

Köln ist Kaput, Gold + Beton, Köln
Vier Abende, die uns sprachlos happy zurück gelassen haben. Soviel Zuspruch hatten wir nun wirklich nicht erwartet. Vielen Dank den beteiligten Bands Sans Gene, Lauter Bäumen, Die Bäume, Stefan Schneider, Colorist und Camp Inc., den DJs Christina Mohr, Miss Stereo, Mario Lasar und Christian S sowie all den Künstler_innen, die sich mit Arbeiten in unsere „Cabinet of Kaput“-Reihe und die dazugehörige Ausstellung mit soviel Engagement eingebracht haben. Ohne sie, die Unterstützung des Kulturamts der Stadt Köln und von Carhartt und natürlich die vielen Kaputies da draußen, wären diese Abende und das alles hier nicht möglich gewesen. Forever yours!

Unterwegs im Südpazifik zwischen Fidschi und Tuvalu
In zwei Sätzen kann man ich nicht ausdrücken, was diese Reise in mir ausgelöst hat. Deswegen in Kolumnenlänge: „Nennt uns nicht Flüchtlinge!“

“Água”, Tanztheater Wuppertal Pina Bausch
Jeder Besuch einer Aufführung des Pina Bausch Ensembles ist überwältigend. Ungläubig sieht man zu, wie sich Disziplin und Leidenschaft ineinander auflösen.

Lena Willikens, „Phantom Run 1“, Tuffest Till Dawn Seattle
Zuletzt war ich in Seattle als Kurt Cobain noch lebte und Grunge noch kein Thema für Retrosendungen auf Arte war. Dazwischen liegen also mehr als 20 Jahre – und dennoch gibt es viele Gemeinsamkeiten, denn damals wie heute fand ich am Lake Washington eine äußerst sympathische, sehr offene und explizit politische Szene vor; das gleiche lässt sich übrigens auch für Portland sagen, nur dass dort die Party nicht ganz so wild ausuferte wie auf diesem letzten Stop von Lena Willikens „Phantom Run No.1“-Tour in Seattle. Wobei wild ein viel zu mildes Wort ist, um zu beschreien, was sich hier zur Musik von Umfang und Lena abgespielt hat. Ich habe keine Ahnung, wie ich es zum Flughafen und durch die Kontrolle und nach Los Angeles geschafft habe, wo mich ein Engel in Empfang nahm und ins Bett legte. Aber irgendwie ging es sich aus.

„Stranger Things“
Die Serie hatte bei mir schon vor dem ersten Sehen gewonnen, da Kyle Dixon und Michael Stein (von Survive) den Soundtrack beigesteuert haben. Matt und Ross Duffer gelingt es retro und contemporary zugleich zu sein; “Stranger Things” vereint einen so seit “Stand by me” nicht mehr gefühlten 80s-Steven-King-Vibe mit dem aktuellen Neo-Wave-Zeitgeist zu fusionieren, ohne dabei in Klischeebesetzte Bilder abzudriften. Es sei an dieser Stelle nochmals auf das Interview mit Kyle und Michael verwiesen, soviel Eigenwerbung muss drin sein: “We want to eliclit the demons from the light and make them die in the backstreet.”

DJ Stingray, Berghain, Berlin
Ich hatte das Vergnügen, Sherard Ingram in diesem Jahr gleich zweimal auflegen zu hören. Das erste Mal beim “Warm Up” im PS1 (wo er kompromisslos um 16 Uhr loslegte als sei es 4 Uhr morgens – vielleicht da gleichzeitig Deutschland gegen Italien kickte und er einen blonden Typen hinter dem Mischpult im Takt zu seinem Set aufs Laptop blicken sah?), was schon ziemlich beeindruckend war. Doch im Vergleich zum Berghain Set war das nur ein lockeres Warmlaufen.

Polymorphism #18: POLYMORPHISM X COSMO RHYTHMATIC, Berghain, Berlin
Und wo wir uns gerade schon im Berghain befinden. Diese Nacht gehört in meine Liste der besten überhaupt (und nicht nur, da ich mit vielen Freunden in meinen Geburtstag tanzen durfte). Welche programmatische Meisterleistung, sich ein Lineup auszudenken, in dem nacheinander Mika Vainio & Franck Vigroux, Xosar und Container spielen – und wie schön zu erleben, dass das Publikum offen ist, ein solch ungewöhnlicher Parcour durch die Nacht mitzubegehen.

Phantom Kino Ballett, Jetztmusik Festival, Mannheim
Die erste von vier Performances in diesem Jahr des Phantoms. Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man Künstler_innen sehr lange und intensiv auf einen Auftritt hin hat arbeiten erlebt und dann mit zusehen kann, wie
Diese Mühen final auf der Bühne (von ihnen selbst) belohnt werden. Mein besonderer Dank gilt dem Team des Jetztmusik Festival, das mit großem Enthusiasmus und Leidenschaft diesen Auftritt möglich gemacht hat.

CTM / Transmediale Festival, Berlin
Das interessanteste Festival überhaupt zur Zeit. Rückblickend muss ich mich fragen, wo ich all die Nullerjahre verbracht habe (ja, wo?, Thomas, wo?). Aber keine Zeit für Selbstzerfleischung, das Leben findet im hier und jetzt statt und die nächste CTM/Transmediale beginnt ja bereits am 27. Januar.

Moogfest, Durham, North Carolina
Dass mich dieses Festival dermaßen verzaubern würde, damit hatte ich trotz der tollen Lineups in früheren Jahren nicht gerechnet. Ein wahrer Marathon an spannenden Podiumsdiskussionen, Workshops, Konzerten und Clubnächten, zumal alles so federleicht arrangiert wirkte: kein blödes Anstehen, keine nervigen Diskussionen, im Gegenteil: alle Anwesenden (Team, Besucher, KünstlerInnen) waren extrem gelöst.

Künstlerische Beratung bei der Genese des neuen Albums von Sonae
Seit zwei Jahren darf ich am Institut für Populäre Musik der Folkwang Universität unterrichten, sowohl in wissenschaftlicher als auch künstlerischer Funktion. Eine Tätigkeit, die mir nicht nur sehr viel Spaß bereitet, sondern auch eine, bei der ich stetig selbst durch den Kontakt mit all den talentierten MitdozentInnen und Studierenden dazulerne. Besonders toll war die Erfahrung, gemeinsam mit Philipp Janzen (Von Spar) mit Sonia Güttler an ihrem neuen Sonae Album zu arbeiten, das im kommenden Jahr auf Monika Enterprises erscheinen wird. Ein wahres Privileg.

Auf den Spuren von Pier Paolo Pasolini in Roma
All die Geschichten über Rom, sie sind wahr. Keine Ecke der Stadt, die es nicht wert ist, alle Luft aus sich herauszublasen und dafür die Römische aufzusaugen: diese Ruinen und Häuser, diese Artichocken und Spaghetti und natürlich diese Italiener, die lebenden wie die toten. Das Interesse an den Letzteren führte uns hinaus zum Strand von Ostia, wo Pier Paolo Pasolini am 2. November 1975 unter bis heute ungeklärten Umständen zu Tode kak und wo auch heute ein ganz besondere Stimmung herrscht.

21 tolle Alben aus 2016
Was soll ich sagen, die Schuld liegt beim Internet und der Möglichkeit solche Links zu setzen: Die 21 besten Alben des Jahres!

23 Songs aus 2016, in Storyline angeordnet
Und gleich nochmal der gleiche Trick. Warum auch nicht, führt der Link doch immerhin zu 23 grandiosen Songs und einer zugehörigen Playlist.

Robert Mapplethorpe, LACMA, Los Angeles
Der Autor dieser Zeilen denkt ja manchmal tatsächlich, dass er gar kein so schlechter Fotograf sei. Ein großer Fehler!
Spätestens als ich an einem Nachmittag im Juli wieder Mal vor den Bildern von Robert Mapplethrope stand, gab es kein Drumherumreden und mich-selbst-belügen mehr. Kleinformatige Zeitreisen, in denen alles drinsteckt, was das Leben zu bieten hat.

Schlussdanken: Es ist ja ein großes Vergnügen all diese tollen Momente, die einem das Jahr und die Künste so schenken hier runterzuschreiben, aber ganz ohne Tränen geht es leider nie, und schon gar nicht in 2016, diesem Miststück von Jahr. Da wäre zu allerst der Tod zu nennen, der diesen Jahr viel zu viel gearbeitet hat. Und natürlich die Politik, auf nationaler wie auf internationaler Ebene). Aber vor allem muss die die ganz private Feststellung mal ausgesprochen werden, dass ich leider immer wieder merke, viel zu wenig Zeit zu haben, um meine Freunde zu treffen. Das ist sehr schade. 

Sarah Szczesny

sarah_01Retrospektive
Utagawa Kuniyoshi “Fantastique! Le démon de l’estampe”, Petit Palais, Paris

sarah_02Performance
Grace Jones, E-Werk, Köln

sarah_03Künstler
Kai Althoff “Und dann überlasst mich den Mauerseglern/ and then leave me to the common swifts”, MOMA, New York

sarah_04Cabinet of Kaput
Oliver Husain „Popcorn“

sarah_05Konzert
Selma, Pop Kultur Festival, Berlin

sarah_06Screening
Phantom Kino Ballet at Commend, New York

sarah_07Malerei
Isabella Fein “Überhörte Signale”, Galerie Paris Kind, Frankfurt

sarah_08Tour
Lena Willikens „Phantom Run

Berghain 
Xosar, Berghain, Berlin

Vortrag
Paulina Oliveros, RA Live Exchange with Pauline Oliveros, CTM Festival, Berlin

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Salon des Amateurs 
KPY & YPY (EM Records) Osaka live-Yamato Sekiguchi- Visuals & Toulouse Low Trax

Exchange
Viola Klein “EXCHANGE” EP, Meakusma Nr 21

sarah_10Reissue

Joanna Brouk “Hearing Music” LP, NUM069

sarah_11Ausstellung
Gerda Scheepers “Body Corporate”, Mary Mary, Glasgow

sarah_12Publikation
Vincent Fecteau “You Have Did the Right Thing When You Put That Skylight on”, Galerie Buchholz, Cologne

sarah_13Youtube Clip
Rupaul’s “Drag Race”, Season 8
sarah_14Tourette
Isa Genzken and Total Freedom “Fuck Them All”, Pit Dream / Arena

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Songtext
Doctorella “Die Ungeheuer mit den sauberen Händen”

Lars Fleischmann

Die Heiterkeit „Pop & Tod I&II“
Vom Moment an, als ich die ersten Zeilen hören durfte war klar: das Highlight des Jahres. Dunkelheit wird halt niemals zu Licht.

Lena Willikens, C/O Pop, Köln
50° C, schwitzende, halbnackte Körper und Tanzmusik von einem anderen Stern. Ganz großes Tennis.

„Adam sucht Eva“
So viele Abgründe des Trashfernsehens. RTL beweist mal wieder, dass keiner es schlechter (und gleichzeitig so gut) macht wie sie. Barnabas (aka Richter Gnadenlos) zeigt, warum man Männer ab einem gewissen Alter vielleicht einfach kastrieren sollte.

„Germany’s Next Top Model“
Noch ein Fernsehformat. Nach Jahrhunderten mal wieder eine gute Staffel, die bis zum Finale ein Highlight nach dem anderen bot: Kims Zusammenbruch, Julias entzündetes Gesicht, ALEX KEEN. Der letzte Rülpser vor dem Umfallen?

„Nijinski“, Ballett, Opernhaus Bonn
Marco Goeckes Choreografie über den Tanz-Revolutionierer Nijinski war atemberaubend. Diese schnellen, sich wiederholenden Bewegungen, die entweder als Stottern in der Grammatik des Tanzes oder als moderne Hyperaktivität zu lesen sind: Intensiv, wunderbar, aber nicht zauberhaft.

Der Ringer
Von dieser Band aus Hamburg wird man Anfang des Jahres endlich ein Album sehen. Wer schon reinhören durfte, der war entzückt. Auch beim Konzert gab es den Beweis, dass es neben RETRO glücklicherweise noch NOW gibt. Geheimtipp: Unbedingt bei IG und FB adden.

Angel Olsen „My Woman“
Ich habe irgendwo mal 9 von 10 Punkten dafür gegeben. Könnte mir selbst nachträglich in den Sack hauen dafür. Was ein Quatsch! Dieses Album ist in seiner Gesamtheit einfach grandios, untoppbar. Ob Stevie Nicks oder Bonny Prince Billy – alles drauf, alles drin.

Babyfather, Weekend Festival, Köln
Wo sind die Grenzen des Konzepts Konzert? Dieses Frage treibt den Künstler Dean Blunt nun seit Jahren an. Neben der Überforderungstaktik unter dem eigenen Namen, folgt nun die Entzauberung der vierten Wand: Nebelmeer und helles Licht – mehr braucht man nicht, um sein Publikum aus dem Konzept zu bringen. Doch hinter dem Nebel wartete der Genuss und ein einziges Schweben im Himmel.

Der Abiball meiner Schwester
Real-Life-Millenials-Reality-TV. Was für eine Veranstaltung. Danach musste ich erstmal saufen gehen.

Frank Ocean „Blonde“
Der Reihe nach: Erst baut Frank Ocean ne Treppe und dann bringt er letztlich doch überraschend ein Album raus, das „Blonde“ heißt und auf dem Cover „blond“ sagt. Super LOL. Und am BLACK FRIDAY haut er dann für 24 Stunden die langerwartete Vinyl-Version raus. Alles schonmal super. Das wirkliche Highlight des Albums ist aber natürlich die Musik. Die ersten vier Tracks sind so übermächtig, dass ich manchmal vergesse, wie unglaublich gut der Rest ist. In Gänze ein perfektes Album; so eins, für das 10 von 10 Punkte erfunden wurde. In den besten Momenten so gut, dass man seinen Verstand verlieren könnte.

Festival für junge Menschen, HH
Im Übel & Gefährlich ist die Hölle los, und das wegen sieben Acts, die musikalisch aus den unterschiedlichen Ecken kommen, und auch vom Charakter nicht differenter sein könnten. Und doch ging insgesamt alles (wider Erwarten) auf. Besonderes Highlight: Candelilla stellen ihre neue Platte „Camping“ vor. Zusätzliche Nennung: Die Nerven rocken schon hart.

Messer über Boris Vian, Volksbühne Berlin
Manchmal neigt man ja mit Abstand dazu, Ereignisse entweder zu verklären oder runterzuspielen. In diesem Fall kann ich – nach Abgleich mit meinem Artikel – auch nach Monaten die gleichen Statements raushauen: Messer bleiben für die deutsche Popmusik was Pfannenränder für Eierschalen sind. Manchmal muss man zerstören, um Neues zu schaffen.

Tones in the Stones Festival, Domodossola, Italien
Eine in einen Berg getriebene Scharte in einem Steinbruch war die Bühne für dieses kleine Festival in der Nähe des Lago Maggiore. Wo während der Befreiung 1943/44 für einige Tage eine sozialistische Republik ausgerufen wurde, durften nun elektronische Acts ran. Aisha Devi´s High-Gloss-Surrealismus-Exkurse sahen auf der riesigen Marmorwand im Hintergrund genauso beeindruckend aus wie Holly Herndon´s dystopische Arbeitswelten. Musikalisch natürlich auch Top Notch. Abgerundet haben die Nacht das – so weit man erkennen konnte – mittlerweile weitestgehend analoge Live-Set von The Field (was wirklich richtig viel Spaß gemacht hat) und der dreistündige Techno-Exkurs von Dasha Rush. Klein gehalten, groß gedacht. Bravissimo.

Die Goldenen Zitronen, Lieblingsplatte: „Lenin“, Zakk, Düsseldorf
Das Düsseldorfer Kulturzentrum Zakk lud im Rahmen seiner „Lieblingsplatte“-Reihe Bands wie Notwist, Fehlfarben, Mutter oder aber auch Torch ein, ihre vermutlich bekanntesten Alben nochmal live zu spielen. Die Goldies haben diese Aufforderung mit ihrem ganz eigenen Humor angenommen. Gekleidet in Lederjacken – in Anlehnung an das ikonische Plattencover des Albums, gemalt von Daniel Richter – mit Aufschriften wie „Fuck the Police“ (passend auch zum 13.12.) und „Fit For Fun“. Im Set interessierten sie sich nur bedingt für Werktreue. Es gint eben klassische nach dem unausgesprochenen Zitronen-Motto „Da bin ich mir gar nicht mal so sicher“ zu. Auf jeden Fall gab es neben einem noch heute oft im Set vorkommenden (und auch elf Jahre nach seiner Entstehung nichts an Aktualität verloren habenden) Song wie „Wenn ich ein Turnschuh wär“ auch etliche Stücke, die selten bis nie live gespielt werden. Nebenher und nach dem Konzert konnte man über einen Beamer ein Best-of der Zitronenclips sehen. Unglaublich runder Abend, der vor allen Dingen mir bewies, warum „Lenin“ bis heute eines der wichtigsten Alben der Zitronen ist.
Serien

Ich habe ganz lange überlegt, ob ich nun die vierte Staffel von „Orange ist the new Black“ nennen soll. Oder „Westworld“. Ich weiß es immer noch nicht. Während „Westworld“ Lost-like (Executive Producer: J.J. Abrams) Fragen aufwirft, beantwortet, nicht beantwortet, twisted, eine wunderbare Welt erschafft und einfach unglaublich viel Spaß macht, ist meine Liebe für OITNB anders begründet. Die neue Staffel beginnt mit einer simplen Verschärfung der Zustände (einhergehend mit neuen Insassen – um die Umsätze zu steigern); was sich aber vor allen Dingen in der zweiten Hälfte alles auftut, kann man hier kaum nacherzählen – unter anderem um Spoiler zu verhindern. Hier steckt alles drin: „Black Lives Matter“, der sich verschärfende Konflikt in den USA zwischen Hispanics und Afro-Americans, Neoliberalisierung staatlicher Institutionen („Good Morning, Mr. President Trump. Unter Ihnen wird’s sicherlich besser“) und und und. Eines der stärksten politischen Statements der letzten Jahre. Goosehaut und so.

Denise Oemcke 

Übersetzen
Letztes Jahr hab ich aus Freundschaft und Freude angefangen, Texte für Kaput ins Englische zu übersetzen – und erkannt, dass ich noch nie so viel Geduld für und Spaß an Arbeit hatte und jetzt arbeite ich daran, das zu meinem Haupterwerb zu machen.

“Better Things”
So-called Dramedy, mit Louis CK Kollaborateurin Pamela Adlon. Wunderbare Mischung von absurden Witzen und Storylines, die aus dem wahren Leben kommen könnten, getragen von fünf fantastischen Frauen-/Mädchencharakteren aller Altersklassen. Sam ist die realste und coolste Mutter der Fernsehgeschichte.

Anderson .Paak
Meine persönliche Neuentdeckung des Jahres. Egal ob solo auf “Malibu” oder zusammen mit mit Knxwledge als NxWorries, beide Alben haben mich dieses Jahr sehr glücklich gemacht. Außerdem hab ich mich schon sehr lange nicht mehr so darüber geärgert, dass ich ein Konzert verpasst habe.

Tickled
Dokumentation über “Competitive Endurance Tickling”, die alles beinhaltet, was ich mir von einer Doku wünsche: absurdes Thema, tragisch-persönliche Schicksale und eine Wendung, die so unerwartet ist, dass man sie nicht besser hätte ausdenken können.

“Stranger Things”
Diese Serie hat alle meiner Nostalgieknöpfe gleichzeitig gedrückt. Aber mit so viel Herz und Fantasie, dass man ihr die starken Rückgriffe auf 80er Referenzen gerne durchgehen lässt.

Die Heiterkeit “Pop & Tod I+II”
Musikgewordene Melancholie. Ich muss schon beim Gedanken daran wieder weinen, vor Glück.

Almut Klotz “Fotzenfenderschweine”
Eine wunderschöne Liebesgeschichte, zu gleichen Teilen herzzerreissend und lustig. Almut Klotz Stimme wird in Zukunft noch mehr von mir vermisst werden als sowieso schon.
Die Lesung zum Buch, am 29.9. im King Georg mit dem Reverend, der dazu noch Lieder von sich und Almut gespielt hat, war einer der schönsten Leseabende, die ich dieses Jahr in meinem zweiten Wohnzimmer erleben durfte.

Joe Sudano
Das schönste Meme des Jahres; obwohl ich bei jedem neuen Video weiß, was passieren wird, kriege ich früher oder später doch einen Lachkrampf.

“Swallow”, Schauspiel Köln
Ich habe gelacht und geweint und mich erschrocken und gezittert und geklatscht und mich über diese tolle Inszenierung einer Geschichte über drei vom Leben verletzter Frauen gefreut.

Crazy Ex-Girlfriend
Ich liebe Musicals. Diese Studie über die obsessive, leicht gestörte Psyche einer Frau ist als Musical-Romcom-Serie getarnt. Die Macher kennen ihre musikalischen Vorbilder, von Boybands über Fred Astaire bis Disney-Filme wird keine musikalische Referenz ausgelassen. Smart, aufregend, albern und erstaunlich nachvollziehbar.

Die Wiederentdeckung des Strandurlaubs
7 Tage Fuerteventura und nichts tun außer Lesen, Rumhängen und mir die Ohren von der Sonne verbrennen lassen.

American Football
Meistens will ich keine neuen Alben von Bands, die ich früher mal gut fand. Diesen Frühling hatte aber die erste American Football Platte ein Revival auf meinem Plattenspieler, und dann kam im Herbst die neue und war genau das, was ich gebraucht habe.

Frank Ocean “Blonde”
Habe mich der Vorfreude, Warterei und dem Hype im Vorfeld komplett hingegeben. Frank hat mich aber nicht enttäuscht und es war am Ende die ganze Anspannung wert.

Donald Glover
Egal ob Genie oder härtester Arbeiter der Welt: Donald Glover kann einfach alles. Sowohl sein musikalisch komplett unerwartetes, neues Childish Gambino Album als auch seine Serie “Atlanta” sind auf meiner Best Of Liste ganz oben.

Search Party
“Girls” trifft “Die drei ???”. Narzisstische Millennials suchen nach einer verschollenen ehemaligen Kommilitonin. Ich konnte nicht aufhören zu gucken, bis ich herausgefunden habe, was mit Chantal Witherbottom passiert ist.

 

Alexandre Lemieux

Sizilien
Die Insel rult.

Lena Willikens’s Dekmantel Podcast
So muss elektronische Musik klingen, bitte mehr davon.

Roberto De Simone “Secondo Coro Della Lavandaie”
Gehört schon seit mindestens 20 Jahren in jede Liste großartiger Musik. In diesem Jahr dank Reissue aber ganz besonders.

Herbal Moscow’s fermentiertes Ingwer Bier
Die perfekte Ballance aus Würzigkeit und Süße.

Sardinen
Ich habe mich sehr gefreut, dass die kleinen Dinger ihr Comeback feiern durften, und zwar in jeglicher Zubereitung, von in Öl eingelegt über gegrillt. Sie sind einfach die Besten.

Brandenburg
Manchmal muss man das La La Land Berlin verlassen. Ach, diese Seen.

Westworld
Yeah, yeah, ich weiß. Fernsehserien…

Autechre Reissues
Ich bin nun offiziell alt und mag alte Sachen.

„débruit ‘débruit & Istanbul“
Ein Franzose geht nach Istanbul und macht dort mit lokalen Musikern tolle Musik.

„Manifesto“ von Julian Rosefeldt
Eine sehr beeindruckende, aus 13 Filmen bestehende Instellation, unter anderem mit Cate Blanchett.

Selda
Eine fantastische Musikerin. Ich habe sie dieses Jahr zweimal gesehen – und ich musste heulen.

„Before The Streets“ von Chloé Leriche
Ein Film aus meiner Heimat Quebec ,mit Schauspielern von der lokalen First Nation Atikamekw. Für mich das Highlight der diesjährigen Berlinale.

Jessy Lanza
Live und auf Album. Sie ist so cool – findet euch damit ab.

Freitage
Auch 2016 der beste Wochentag.

Partida Creus’s VN
So ein leckerer, weißer Naturwein. Ich kann gar nicht genug davon bekommen.

Und all das, was ich vergessen habe – und jene, die ich vergessen habe
Ihr seid auch cool!

 

Christian Meyer-Pröpstl

Konzert 1
Dean Blunt beim Weekend Fest, 26.11., Mülheimer Stadthalle Köln
Alarmstimmung! Nebel bis zum Anschlag, Saallicht komplett an, subsonische Bässe und eine Stimme wiederholt „Don’t Panik“. Endlich wieder mal verstört ein Konzert verlassen.

Konzert 2
Guttersnipe am 10.6., Gold + Beton, Köln:
Duo aus Leeds, das den kleinen Raum mit infernalischem Lärm aus Schlagzeug, Gitarre, Elektronik und Gekreische zur Freude der 15 Zuschauer füllt. Ihre erste CD-R (auf dem Konzert für zwei Euro inklusive Zeichnung des Drummers verkauft) landete bei The Wire direkt in den Charts.

Konzert 3
Steve Reich am 13.11., Philharmonie Köln
‚Die deutschen Erstaufführungen seiner beiden neuen Stücke „Runner“ und Pulse“ durch das Ensemble Modern zeigen wieder anschaulich, was Steve Reich zum Ahnen des Minimaltechno macht: Wohltuhend organisch an- und abschwellende Sounds, als würde man am Mischpult Regler schieben und Knöpfchen drehen.

Comic 1
Oliver Schrauwen „Arsène Schrauwen“ (Reprodukt)
Fiebrige Reise durch Afrika im Geiste Joseph Conrads. Auf die ein oder andere Art sind hier alle Männer verdorbene Geschöpfe. Illustratorisch grandios!

Comic 2
Daniel Clowes „Mister Wonderful“ (Reprodukt)
Ein selbstzweifelndes Häuflein Elend hat ein von Freunden arrangiertes Date. Von Anfang überlagert der innere Monolog, der sich bei ihm abspielt, das Gespräch zwischen ihm und seinem Gegenüber. Clowes visualisiert die Sprechblasen genau so – in Überlagerungen, die das vollständige Lesen des Dialogs verunmöglichen.

Comic 3
Max Baitinger „Röhner“ (Rotopolpress)
Röhner ist zwangsneurotisch – entsprechend sieht seine Wohnung aus, entsprechend eng ist sein Leben gestaltet. Als sich ein alter Freund ankündigt, droht der, Röhners Welt zu zerlegen. Zumindest in Röhners Kopf. Zeichnerisch zeigt sich Röhners Fantasie in kubistischen Verzerrungen, Dekonstruktivistischen Zerlegungen und endlich in lustvollen Destruktionen.

Platten 1
Alles von Yung Hurn, K. Ronaldo und Fiona Swarowski Jr. (Live from Earth): Wenn Helge Schneider Anarchismus auf HipHop/Trap trifft. Als Yung Hurn macht der Wiener die poppigste Variante, während K. Ronaldo mit seinem Jonathan Meese-mäßigem Aktivismus schon mehr an die Genialen Dilletanten der deutschen New Wave erinnert. Die junge Fiona hingegen gibt sich ganz entspannt.

Platten 2
Sun Ra „Singles“ (Strut): 65 Stücke zwischen R’n’B, Doo Wop, Free und Funk Jazz von den frühen 50er Jahren bis weit in die 80er von dem extraterrestrischen Jazzer mit seinem Arkestra.

Film 1
„Swiss Army Man“ von The Daniels: Irrwitziges Freundschaftsdrama um einen Einsamen und eine Leiche, das irgendwo zwischen Slasher-Movie, Buddy (oder Body)-Komödie und Michel Gondry-Fantasy gleichermaßen beim Zwerchfell und Herzmuskel landet.

Film 2
„Der Nachtmahr“ von Akiz: Teenhorror ohne Horror, zumindest den klassischen Slasherhorror. Stattdessen erzählt Akiz mit überraschend freiem Gestaltungswillen und radikalen Effekten von der Teenage Angst, wo Monster nicht unbedingt der größte Schrecken sind.

Film 3
„Son of Saul“ von László Nemes: Ein Ausbruchsversuch aus dem KZ in beklemmend klaustrophobischen Bildern eingefangen, die die 100 Minuten im Kino dem Thema angemessen unerträglich machen.

Film 4
„Mustang“ von Deniz Gamze Ergüven: Fünf Mädchen in der Türkei erleben unter der Diktatur ihres Onkels, was die Türkei gerade unter Erdogan erlebt – prophetisch.

Film 5
„Remainder“ von Omar Fast: Der Videokünstler Omar Fast inszeniert eine aberwitzige Rekonstruktion eines Ich, eine Rückgewinnung von Erinnerung als Feier der Kreativität oder als Kritik des Kapitalismus – das bleibt unetnscheidbar. Ein Film wie ein Möbiusband.

Buch 1
Viv Albertine „A typical girl“ (Suhrkamp): Die Gitarristin der Slits war mittendrin und hat viel zu erzählen von den allerersten Momenten des Punk im London der 70er Jahre und der Erfahrung als Frau zwischen lauter Selbstdarstellern. Aber wo andere Musikbiofgrafien nach der Sturm und Drang Phase ermüden, packt Albertine ihre Lebenserfahrung erst aus. Und die hat dann nicht unbedingt mehr mit Musik zu tun, aber auch.

Buch 2
Christof Meueler „Das Zick Zack Prinzip“ (Heyne): Es sollte wohl eine Autobiografie über den Labelchef von Zick Zack und What’s so funny about werden, nun ist es aus unbekannten Gründen eine Biografie mit vielen Zitaten geworden, die sich trotzdem spannend liest. Wobei Alfred Hilsbergs kompromissloser Enthusiasmus in Buchform sicher auch spannend gewesen wäre.

Sebastian Ingenhoff

Album
Rihanna „Anti“

Film
„American Honey“ von Andrea Arnold.

Roman
Garth Risk Hallberg „City On Fire“

Serie
„Stranger Things“

DJ-Set
Steven Julien aka Funkineven im Studio 672, Köln

Konzert
Datashock im Gebäude 9, Köln

Clubtrack
Colorist „Faust (Toulouse Low Trax Remix)“

Mixtape
LGoony & Crack Ignaz „Aurora“

Re-Release
Patrick Cowley „Muscle Up“

Ausstellung
Cate Blanchett & Julian Rosefeldt „Manifesto“ im Hamburger Bahnhof, Berlin

 

Anton Teichmann

Musikalisch war 2016 ein ganz gutes Jahr, ich komme zumindest immer noch nicht hinterher, mir alles anzuhören. Dass es Leute geben soll, die sich wegen der Trumpwahl auf neue, relevante Musik freuen, kann ich jedoch nur schwer verstehen.

Schönstes Erlebnis 1
Das Off-Kultur Festival mitorganisieren zu dürfen.

Schönstes Erlebnis 2
Mit Better Person auf Tour in Amerika zu sein und ihn dabei beobachten zu können, alle möglichen Verkehrsmittel zu verpassen, aber dennoch eine sehr schöne Zeit zu haben.

Beschissenstes Erlebnis
Am 8. und 9. November in New York gewesen zu sein.

Bestes Konzert 1
Blackest Ever Black Nacht im Berghain mit Prurient, Tropic Of Cancer, Regis und weiteren.

Bestes Konzert 2
Das Homeshake-Konzert im West Germany, bei dem der Bassist nach ein paar Songs wegen einer Lebensmittelvergiftung kotzend von der Bühne musste.

Lieblingsserie 1
“The Night Of” – Ich war nicht wirklich überrascht, dass Richard Price ein weiteres Meisterwerk hinlegt.

Lieblingsserie 2
“Horrace and Pete” – Unfassbar deprimierende neue Serie von Louie C.K. Eigentlich fast überhaupt nicht lustig, dafür mit tollen SchauspielerInnen

Lieblingsserie 3
“Love” – Ungewohnt realistische Darstellung einer jungen Liebe.

Lieblingsbuch 1
Der neue Kracht hat nicht enttäuscht. Story war nicht immer fesselnd, aber keiner kann so gut mit Worten umgehen.

Lieblingsbuch 2
“Der Goldene Handschuh” von Heinz Strunk war auch super.

Lieblingsdoku
“City of Gold”

Lieblingsalben
Haiyti “City Tarif Mixtape”
Young Thug “Jeffrey”
Carla dal Forno “You Know What It’s Like”
Ital Tek “Hollowed”
Steve Hausschildt “Strands”
Sean Nicholas Savage “The Magnificent Fist”
KING “We are King”
Kedr Livanskiy “January Sun”
ABRA “Prives”
Stephen Steinbrink “Anagrams”
Swet Shop Boys “Cashmere”

Lieblingstracks
Frank Ocean “Slide By Me”
Drake “One Dance”
Empress Of “Woman is a Word”
Blood Orange “Best to You”
Japanese Breakfast “The Women That Loves You”
Essaie Pas “Retox”
Nite Jewel “Kiss the Screen”
Haiyti “Zeitboy”
Kelly Lee Owen “1 of 3”
Sean Nicholas Savage “Blow Me Away”
Ada “You and Me”
Negative “Gemini”
Day Wave “Stuck”
Rae Sremmurd “Black Beatles”
Rihanna “Work”
Moderat “Reminder”
Health x Empress Of x Boysnoize “Stonefist”

 

Florian Kölsch

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Die fünf besten Alben 2016
Frankie Cosmos „Next Thing“
Bon Iver „22, A Million“
Porches „Pool“
Kevin Morby „Singing Saw“
Preoccupations „Preoccupations“

Die fünf besten Songs 2016
Roosevelt ist zwar Deutscher, singt aber auf Englisch. Trägt er dann trotzdem zur Deutschquote in dieser Liste bei? Fragen über Fragen.
Bon Iver „8 (Circle)“ oder „33 ‘God‘“
Blood Orange „Best to You“ [ft. Empress Of]
Roosevelt „Night Moves“
Jessy Lanza „Oh No“
PJ Harvey“The Wheel“

Bestes Konzert 1
Joanna Newsom, Bozar, Brüssel: Pure Perfektion in nobler Venue. Plus: Robin Pecknold (Fleet Foxes) als Support. Besser wurde es nicht mehr.

Bestes Konzert 2
Wanda, Centralstation, Darmstadt: „Alles was ich will ist Schnaps“, „Tu mir weh, Luzia“, „Und wann’st besoffen wirst, red’st immer nur von ihr“. Man könnte meinen, die Parolen zwischen Suff und Exzess lutschen sich irgendwann mal aus. Aber: na, eh nicht. Auch mein inzwischen fünftes Wanda-Konzert war wieder einmal wundervoll. Kumpel R1 feierte im Rahmen dessen seinen 27. Geburtstag – lustigerweise hatte Wanda-Bandmitglied R. am selben Tag Geburtstag und wurde ebenfalls 27. Und nach dem Konzert wurde mit dem befreundeten Fünftel von Wanda sogar noch der Tourabschluss gefeiert. Am Ende standen nur noch die geleerten Weinflaschen.

Bestes Konzert 3
Hinds, Clubbahnhof Ehrenfeld, Köln.
Hinds sind sozusagen die spanische, weibliche Mischung aus Wanda und deiner liebsten Schülerband. Vier Mädchen, die ihre Songs halb hingerotzt, halb gekonnt darbieten – mit Hang zum schiefen Ton und vor allem zur exzessiven Bühnenperformance: Einzige Ausnahme, die seltsamerweise enorm schüchtern und still daherkommende Bassistin A., die aber bei genauerem Beobachten auf der Bühne einen Bierkonsum an den Tag legt, der jeden alteingesessenen Bierfest-Besucher vor Ehrfurcht verstummen lässt. Wie die lebt!

Bestes Konzert 4
Animal Collective, Botanique, Brüssel: Der Konzertbesuch bei den von mir abgöttisch geliebten, aber dennoch zuvor noch nie live gesehenen Animal Collective stand unter einem denkbar schlechten Stern: Kumpel und eigentliche Begleitung R2 hatte nämlich spontan seine Teilnahme abgesagt. Glücklicherweise hatte ich kurz zuvor den aus Österreich stammenden J. auf der Arbeit kennengelernt, der sich als großer Kenner von Indie-Musik erwies, auch Animal Collective mit Vorliebe hört und gerne mit zum Konzert kam. Nur das neue Album „Painting With“, das zwei Monate vor dem Gig in Brüssel erschienen ist, hatte er nie so wirklich angehört. Zum Nachteil von J. wurde nicht nur die gewünschte Bestellung des österreichischen Nationalgetränks „Weißer Spritzer“ von der frankophonen Thekenkraft – wie gewohnt – nicht verstanden, nein, viel schlimmer: Sie spielten auch fast ausschließlich Lieder vom neuen Album. Naja, aber immerhin gab es den Song „Daily Routine“ vom Meisterwerk „Merriweather Post Pavilion“ zu hören, was für vieles entschädigte. Trotz all der Querelen bleibt die Freude darüber, endlich mal Avey Tare, Geologist und Panda Bear gesehen zu haben.

Bestes Konzert 5
Kevin Morby, schon schön, Mainz: Ich möchte an dieser Stelle einfach nur den Machern des Mainzer Clubs „schon schön“ danken – ihr seid die besten Menschen, echt jetzt!

Negativereignis 1
David Bowie ist tot: Hätte mir keinen schlimmeren Tod im Musikbusiness ausmalen können. Mein großer Held Bowie, wenige Tage nachdem das meisterhafte „Blackstar“ rauskam. Der Schock sitzt immer noch. Bitte erstmal in Frieden lassen: David Byrne, Stevie Nicks, Bruce Springsteen, Kim Gordon [i.a.]. Danke.

Negativereignis 2
Arcade Fire haben ihren Veröffentlichungsrhythmus gebrochen: Meine Lieblingsband hat in der Vergangenheit alle drei Jahre ein neues Album rausgebracht. „Funeral“ kam 2004, „Neon Bible“ 2007, „The Suburbs“ 2010 und „Reflektor“ 2013. Wo war bitte das 2016er Album?! Doch es naht Trost: Anfang 2017 soll ein neues Album kommen. Besser spät als nie. Und ein Paar Tourdates wurden auch schon bekanntgegeben.

Negativereignis 3
Kein neues Taylor Swift-Album 2016: Da ist ein blank space in meinem Life.

Die drei besten Filme 2016
„Carol“ von Todd Haynes (aus dem Jahr 2015, lief aber erst 2016 an).
„Alles was kommt“ von Mia Hansen-Løve.
„Frantz“ von François Ozon.

Die drei besten Serienstaffeln 2016
Würde wirklich gerne mehr neue Serien schauen, aber Netflix macht ja nur noch Marvel-Produktionen und Reboots?!
„Better Call Saul“, Staffel 2.
„Stranger Things“, Staffel 1.
„House of Cards“, Staffel 4.

florian_mischmaschcharts_japanikDie drei besten Bücher 2016
„Futur II“ von Die Gruppe Ja, Panik.
„Der goldene Handschuh“ von Heinz Strunk.
„Oh Schimmi“ von Teresa Präauer.

 

 

 

 

Mario Lasar

Konzerte
Fat White Family
Ben Watt
Jacques Palminger & 440 Hz Trio
Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen
Lauter Bäumen

LPs
Masha Qrella „Keys“
Stabil Elite „Spumante“
David Bowie „Blackstar“
Jacques Palminger & 440 Hz Trio „Spanky und seine Freunde“
Angel Olsen „My Woman“

Songs
Masha Qrella „DJ“
Friedrich Sunlight „Nicht ans Meer“
Yves Tumor „The Feeling When You Walk Away“
PJ Harvey „The Wheel“
Albrecht Schrader „Leben in der Großstadt“
Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen feat. Andreas Dorau „Gegen den Strich“
Pet Shop Boys „The Pop Kids“
Stabil Elite „Alles wird gut“

Paul McDevitt

Platten
Babyfather “419”
D/P/I “Composer”
The return of Arab Strap

Konzert
Mouse on Mars, E-Werk, Freiburg

Bücher
Benjamin Myers “Pig Iron”
H. N. Werkmann “1882 – 1945”

Ausstellungen
Wolfgang Tillmanns –“On the Verge of Visibility”, Serralves Foundation, Porto

Cornelius Quabeck

Ausstellungen
Derrick Alexis Coard, Project Ability, Glasgow
Frank Quitey, Comic Invention, Hunterian Art Gallery, Glasgow
Agnes Martin, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

Konzerte
Julien Baker, Broadcast, Glasgow
Mitski, Stereo, Glasgow
Bruce Dickinson, sipgate, Dusseldorf

Platte
El Hombre Trajeado “Fast Diagonal”

Infinite Greyscale – Paul & Cornelius
“A Happening: The Record Label Edition”, silent green, Kulturquartier, Berlin

 

Julian Gerhard

PLATTE
Bon Ivers 22, A Million war gut, aber Pisse hatten mit Kohlrübenwinter einfach die Nase vorn. Schroffer Sound mit kaputten Synths – durch eine Art Punk-Überidentifizierung, die die Texte ausmacht, wird das Ganze dann erst recht skurril humoresk. Oder sind die wirklich so gut drauf? Das Album des Jahres gibt es jedenfalls als Kassette oder in Form zweier 7“.

KONZERT (stehend)
Wider Erwartens: Isolation Berlin in der kleinen Location des FZW in Dortmund (Way Back When Festival). Zuvor immer recht skeptisch beäugt, dann aber schlagartig Fan geworden. „Siehst du da die dicke Frau, mit der bin ich per Du, die schmeißt mich jeden Morgen raus und schließt die Kneipe zu“ (Schlachtensee)

KONZERT (sitzend):
Jacques Palminger & 440 HZ-Trio (Gebäude 9, Köln). Vorab gab es ein kleines kaput-Interview: Schöne Erinnerung!

KINO – SCI-FI
Nerve. Der Film spinnt die heutige digitale Vernetzung weiter. Ein durchaus makabres Echtzeit-Spiel, bei dem die Teilnehmer spontan von Zuschauern zugetragene Challenges im Real Life bestehen müssen, bestimmt die Handlung. Zumindest was seine Gesamtästhetik betrifft, ist der Film neu und aufregend. Er wagt sich an das Abbilden einer Gesellschaft der näheren Zukunft, ohne dabei dem dümmlich eindimensional Dystopischen zu verfallen.

KINO – DRAMA
Spotlight. Im Kontrast zu Nerve, befindet man sich hier in einer Zeit, in der die Printpresse noch mächtig war, das Internet allmählich flächendeckend in die Haushalte einzog und die Zeitungen Hoffnung hatten, ihr Medium könne dadurch im besten Sinne ergänzt werden. Das alleine gibt dem Film einen rührenden Unterton. Thema ist die durch die Tageszeitung The Boston Globe vorangetriebene Aufdeckung der Missbrauchsfälle innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Einfach in jeder Hinsicht gelungen.

KINO –KOMÖDIE
“Toni Erdmann”. Den fand ja wirklich jeder toll, ähnlich wie im Vorjahr Victoria. Der Film geht dahin, wo es weh tut: vor Papa Koks ziehen, vor Papa Menschen ausbeuten.. Ein marktwirtschaftskritischer Film, der betrübt und dabei Spaß macht.

AUS DER WELT DER STARS

NEWCOMER
„Ich mache Ihnen ein Angebot“. Ralf Dümmel ist das freundliche Gesicht des deutschsprachigen Kapitalismus. Er investiert praktisch in alles, sticht Konkurrenten nonchalant aus und hält schon kurze Zeit nach Besiegelung des Deals grinsend ein Tablet vor seine Brust, auf dem fröhlich winkende chinesische Fabrikarbeiter an einem Laufband zu sehen sind, über das sich bereits das neue Quatschprodukt bewegt. Bevor er in die Höhle der Löwen kam, waren die dortigen Strukturen festgefahren – ein Haufen selbstgefälliger Unternehmer und die von allen Seiten durchgemobbte Lencke Wischhusen. Nach Vural Ögers Steuerflucht und Wischhusens „Ich geh’ da nicht mehr hin“, haben Dümmel mit den spaßigen Socken und der wie ein gesellschaftlich inkludierter Frankenstein aussehende Carsten Maschmeyer, die freien Polsterstühle besetzt. Was für ein schöner, die Eitelkeiten der anderen Business-Pfeiffen zerberstender Ruck da plötzlich durchs Studio ging –  neben Dümmel sehen jetzt alle arm aus. Nachteil: Seit seinem Einstieg liegen schon am Tag nach der Ausstrahlung Netto-Prospekte vor der Tür, die voll mit seinen verdammten Höhle-der-Löwen-Produkten sind. Aus dem anfangs interessanten Format, wurde auch Dank Dümmel eine einzige Dauerwerbesendung, die sich schon bald von Innen heraus selbst zersetzen wird. Aber wie es im Kapitalismus halt immer ist, wird danach etwas noch Besseres auf uns zukommen.

PROMI
Stärker als einst Andy Kaufman, reizt Helena Fürst heute die Grenzen der Entertainment-Branche aus und verstümmelt sich beim splitternacktem Entlangschrammen an den scharfen Rändern von Publicity und Insolvenz nach und nach selbst. Aber sie steigt stets wieder ein, in das Karussell der Demütigung. Meinen Verdacht, dass sie in Wahrheit eine hochreflektierte medienkritische Performancekünstlerin ist, werde ich nie ganz aufgeben. Höhepunkt neben Aktionen wie dem feilbieten von Lebensberatungsseminaren (!) oder einer via eBay Kleinanzeigen eingerichteten Kaufoption, bei der Sie sich selbst als Ware anbot, war ein kürzlich „an die Öffentlichkeit geratener“ Vertrag für eine Fake-Beziehung mit Schlagerjobber Ernesto. In Ernesto hat sie sich dann aber irgendwie doch während der Betriebszeit in echt verliebt und keiner weiß mehr so recht, was da jetzt eigentlich gespielt wird. Dank derartigem Wahnsinn bleibt Helena Fürst praktisch als einziges Dschungelgesicht des Jahres sichtbar.

YOUTUBE
„Hey now, you’re an all-star, get your game on, get play“. Jon Sudano interpretiert immer wieder den gleichen Smash-Mouth-Text über instrumentale Radiohits von Radiohead, Adele und John Lennon. Er liefert unentwegt Nachschub und dank des völlig aus der Zeit gefallende All Star entstehen nur die schlimmsten Assoziationspaarungen. Beim Einsingen filmt er sich aus einer experimentellen Perspektive, die vor allem seine Kinnpartie gut zur Geltung kommen lässt. Irgendwann muss der Witz doch durch sein. Aber noch nicht 2016! Er ist der zeitgenössische „Ich hab’s nicht gemacht“-Junge und repetiert von allen Innovationsansprüchen befreit das immer Gleiche. Wie schön, wenn auf Grimassen-Youtube mal so etwas passiert.

RANDMEDIEN

Buch
“Panikherz” (Benjamin von Stuckrad-Barre). Stuckrad-Barre sitzt bei dem höflich reservierten Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen) und zerhackt, als das gespenstische Wrack das er ist, hektisch Drogen auf dessen Obstteller. In Panikherz wird niemand geschont, erst recht nicht der Autor selbst. Er durchläuft mit einem das Tal der Lächerlichkeit, kokettiert nicht mit seinem Scheitern, sondern stellt sich der Asozialität, anstatt das Ganze als „Lehre des Lebens“ zu verkaufen.

TV
ZAPP – das Medienmagazin. Ein Korrektiv nach allen Regeln der Kunst.

THEATER
andcompany&co mit WARPOP MIXTAKE FAKEBOOK VOLXFUCK (FFT, Düsseldorf). Jedes Lager will die Friedenstaube für sich okkupieren. Die German Angst erwacht erneut, während sich Rechtskonservative Eigenschaften aneignen, die auch ihren Gegnern gefallen. Das Stück bricht eine Lanze für eine erste Analyse der recht verstörend wirkenden 2010er Jahre. (An anderer Stelle darüber berichtet: http://theaterpur.net/theater/schauspiel/2016/01/d-fft-andcompany.html)

AUSSERDEM WICHTIG

ARSCHLOCH
Tim Bendzko. Hat in einem Interview Position zum Alkoholverkauf an Kiosks und Tankstellen bezogen: Sollte verboten werden. „Ich bin doch keine Maschine, ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut, und ich möchte leben, bis zum letzten Atemzug“ – Analogie zu dieser geistigen Nahrung: Das Verschlucken von rohen Kartoffeln.

WERBUNG
Seitenbacher Hanföl. Smash-Mouth-Interpret Jon-Sudano und Seitenbacher-Head Willi Pfannenschwarz haben viel gemeinsam: Sie setzen auf Wiederholungen, die erzielen eine ganz eigene Wirkung. Seitenbachers hartnäckige Radio-Spots, die der Chef persönlich mit seinem Einsteiger-Homerecording-Set daheim aufnimmt, stagnieren von Beginn an in Sachen Qualität und Kreativität: Endlich eine Konstante in dieser hektischen Zeit!

ZEIT
Kann sich eigentlich nur um den Zeitraum nach Redaktionsschluss handeln: 16. – 31.12 (voraussichtlich abzüglich der Feiertage).

Saskia Timm

01
Wie soll man einen Jahresrückblick beginnen wenn die erste Erinnerung an 2016 die Nachricht war, dass David Bowie gestorben ist, kurz nachdem gefühlt 5 Minuten vorher noch das tolle Album “Black Star” rauskam? Ich jedenfalls hatte, nachdem ich grade noch verhindern konnte, dass mir vor Schreck die Kaffeetasse aus der Hand segelt, mich auf der Arbeit krank gemeldet und 2 Tage heulend und betrunken auf dem Sofa verbracht. Hallo 2016, how do you do?

Daher kurze Vorwarnung: diese Liste wird stinköde. Tatsächlich hat mich das Weltgeschehen, politisch, kulturell, persönlich dieses Jahr dermaßen auf Trab gehalten, da mir oft schlicht und ergreifend die Muse fehlte oder die Lust mich mit Büchern Filmen oder Musik zu beschäftigen. Jedes Menschlein das 300 Platten hören, 200 Konzerte besuchen, 50 Bücher lesen, im Kino sitzen und noch alle beisammen halten konnte, bekommt meine Props. Eventuell spricht aus mir aber auch nur das ADHS.

#Spoiler: Links müssen nicht unbedingt Zeit und Ort oder erwähntes Liedgut wiedergeben.

Konzerte
02 Die Nerven und Candelilla – Berlin, West Germany 09.12.2016
Wir gingen nicht Barfuß, sondern mit Turnschuhen durch Schweiß, Bier und Scherben. Einige Gäste leider kurz nach Konzertbeginn sonst wohin, da es kaum mehr Luft und Platz gab (als wenn das in Berlin was Neues wäre. I am looking at you BVG). Betrunkene Menschen schrien, Flaschen schepperten, Zigaretten brannten sich in Kleidungsstücke, Bier flog, der Tinnitus grüßte freundlich und 1 Penis gab es auch zu sehen. Wenn das West Germany eh nicht schon aussehen würde wie Dresden ’45, spätestens nach diesem Abend wäre es soweit gewesen. Punk!

03 The Brian Jonestown Massacre – Berlin, Bassy Club 09.03.2016
Man fühlt sich mit einem Körpergewicht über 50 kg bei einem BJM Konzert immer irgendwie adipös, scheinen sich doch alle aus dem 8mm / BJM Umfeld nur von Bier und LSD zu ernähren. Gleichwohl aber möchte man nach spätestens 3 Songs genau DAS, seinen Job hinwerfen und eine verfickte 12-string Gibson kaufen, mit dünnen Beinchen auf die Tische steigen und Bier verschleudernd dem Hedonismus fröhnen während der Schellenkranz stoisch klötert. Und erst die Freude wenn keiner der 12 Typen auf der Bühne von Anton Newcombe auf’s Maul bekommen hat.

04 Sophia – Hamburg, St. Michaelis Kirche 24.09.2016
“Bitte leise klatschen, nicht laut lachen und nicht trampeln” war die Ansage vor Sophia. Wäre aber nicht nötig gewesen. Mit fröhlich-ausgelassener Laune geht man ja auch nicht wirklich auf ein Sophia Konzert oder möchte wie ein Affe alles zusammenschreien. Unter der goldenen Kuppel hallten und tropften die Töne, färbten trauriges noch trauriger, schweres noch schwerer und schönes noch schöner. Neben mir weinte ein Mann Mitte 40 still in seinen Schal hinein, keiner nippte am Getränk. Und ich werde wohl nie wieder in den Michel gehen um diese Erinnerung nicht durch eine Banale zu ersetzen.

05 Tocotronic – Hamburg, Molotow 10.04.2016
Die liebsten, besten, freundlichsten Menschen der Welt spielten als Abschluss der 5 Dates umfassenden Club-Tour zum wunderbaren Roten Album (2015) im zwangsumgesiedelten Molotow auf. Es ist auch Banane ob Columbiahalle, Festival und halt hier: die Nähe und Dringlichkeit die Tocotronic vermitteln, läßt Herzen erblühen und Menschen strahlen. „Freiburg“ ist natürlich immer noch ein Zacken geiler, wenn man es mit 200 Leuten hört und Dirk einem zu „Du bist immer für mich da“ eine Nelke ins Gesicht wirft während verschwitze Menschen sich rauchend küssen.
Love is the drug.

Schatzstück das Jahres:

06 Die Heiterkeit “The End”
Nicht nur einer der vielleicht (darf ich sagen?) schönsten Songs der Heiterkeit, die Harmonien machen aus Käse Butter oder aus Butter Wasser, weiß weiß ich denn. Wunderwunderwunderbar, jetzt möchte ich wiederum gerne mit Nelken werfen und mache einen tiefen Knicks.

Alben des Jahres:

07 All diese Gewalt “Welt in Klammern”
Ein Raum aus dem man nicht mehr raus möchte. Es rasselt, pluckert, klirrt und schwebt, es rauscht und droned, Weite und Enge geben sich die Hand, nichts ist irgendwo verankert und überall blitzt Schönheit und Licht aus dem warmen Dunkel. Wenn es stimmt, dass Max Rieger trotz seiner weiteren Engagements in, bei und für etliche u.a. hier auch vertretenen Gruppen tatsächlich bereits weit über einhundert Songs für dieses Projekt gesammelt hat, dann wünsche ich diesem wunderbaren Mann einen 48 Std Tag. Für mich Platte des Jahres, Endeausmickeymouse.

08 Human Abfall “Form und Zweck”
„Aber Du schaust mich immer nur an wie ein verdammtes Haus mit Hyopthek! Schau doch einfach mal scharf, wie ne AK-47!“ („Q: Wo ist Franz? A: Im Djihad“). Man sollte diese Band per Bildungsauftrag in Schulen und Kindergärten vorspielen.

09 Karies “Es geht sich aus”
Ein Freund sagte „is mir zu ’78“, ja aber war doch n gutes Jahr, oder was, check doch mal google! Karies mögen dieses (Obacht! Reizwort! Später dazu mehr) Postpunk Ding noch am deutlichsten in das Jahr 2016 treten, so fühlt sich die Textur des Albums durchweg zeitlos an. Ich sehe schon Schuhe auf mich zufliegen, aber als alter Interpol Fan, welche vor 10 Jahren ja ebenfalls das gleich Label mit dem großen “P” ereilte, scheue ich mich nicht zu sagen, dass Karies bessere Songs schreiben als eben erwähnte Band seit der Zeit nach Antics. Auch wenn der Vergelich hinkt, was soll’s. Aber hört doch mal ohne Scheiß „Es ist ein Fest“ an.

10 Friends of Gas “Fatal Schwach”
Wenn Nina Walser anfängt zu schreien, möchte ich vor Glück weinen. Es raubt einem den Atem wie dicht und drängend Musik, Text und Gesang sich türmen um dann zu zerspringen.
Der etwas abgelederte Begriff Noiserock bekommt – dem Herrgott sei’s gedankt – endlich wieder einen ganz neuen und schwer benötigten Anstrich.

Diesdas, relativ wertfrei:

11 POSTPUNK
Selbst der nicht ganz so geile Sender Pulse des BR war sich nicht blöde genug, dem „Phänomen“ der „Neuen Deutschen Kälte“ auf den Pelz zu rücken und verzierte das ganze Elend mit einem schwarz-rot-gold eingefärbten Tribut des schon eh arg gebeutelten “Unknown Pleasures” Covers, so dass auch der letzte Volliditot nun endlich eine Schublade hatte. Aber nichts desto trotz: als Liebhaber dieser Art (sic!) von Musik war 2016 ein Goldgrüblein. Und die Aussicht auf neue Platten vom Ringer, Mutter, Candelilla und dem Bürgermeister der Nacht in 2017 lässt einen doch schon mal gut gelaunt 2-3 Kisten Bier kaltstellen.

12 “PANIKHERZ”
Wie für viele wurde das Oeuvre des Benjamin von Stuckrad-Barre von „cool“ irgendwann zu „uncool“. Von Buch zu Buch winkte man leis’ Adieu in das Wolkenkuckucksheim des damals kurz vor oder je nachdem mitten in einer ernsthaften Drogenkarriere stehenden Stucki. Das spätere Engagement für den Springerverlag setze dem dann noch ein Krönchen auf und Ende. Um’s kurz zu machen: ich bin froh über dieses Buch. Es berührt, es verstört, es macht Verstehen. Es ist scheiße lustig und scheiße traurig und wer ein Herz und jemals ein „Problem“ hatte, wird vieles wiedererkennen oder abnicken und am Ende des 564 Seiten Wälzers auch als Hater im besten Fall ein wenig Achtung vor der Chuzpe haben, daß der Autor es schafft ein so schwieriges Thema unbefangen und ohne auch nur einen Anflug von Selbstmitleid und Humorlosigkeit zu servieren. Weiterer Bonuspunkt: in dem Buch gibt es keine Frauen,- oder Absturzgeschichten was den Autoren ehrt und entsprechende Schlüssellochkucker enttäuschen dürfte. Allerdings ist es von Vorteil Udo Lindenberg nicht direkt zu hassen, sonst fliegt der Brocken nach Seite 1 aus dem Fenster.

13 FEMINISMUS
Hallo Ladys und Ladyboys, wollt Ihr mich verarschen? Ich komme nicht mehr hinterher. Strömungen und Theorien lesen sich teils wie eine Buchungsbestätigung der Airline Deiner Wahl. TERF, TWEF, SWERF, etc.pp. Feminist*innen hauen sich in Foren auf die Fresse, dass es nur so kracht und ich wünsche jedem ein Blog-freies Jahr um mal klar zu kommen und sich auf die grundsätzlichen Werte zu besinnen um die es eigentlich immer noch traurigerweise geht. Gleichberechtigung, Gleichstellung, dem GPG, Respekt, freie Entscheidungen treffen zu können, dem Ende von Gewalt gegen Schwächere, dem Ende von Bevormundung, dem Ende der Be,- und Verurteilung, der Abschaffung von Clichés, der Befreiung der Sexualität und all diesem Mist der für (Cis)Männer nie oder selten zur Debatte stand. Mir doch scheißegal ob er/sie mal einen Schwanz hatte oder ob er/sie anschaffen geht, Refugee, POC, LGBTQ ist oder einen Hijab trägt. So bekommen wir das Patriachat nie kaputt.
Insert: Facebook, Twitter, Foren, Kommentarspalten, Mädchenmannschaft, Störenfriedas, Missy, an.schläge, Emma,TAZ, Spex etc. pp. Und viel Zeit mitnehmen.

14 NACHDENKLICHE SPRÜCHE MIT BILDER
Hahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahaha!
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15 TRUMP und alles beschissene nochmal zusammengefasst

Linus Volkmann

Ein Jahr in sieben Bildern
Okay, nach dem ich das hier alles “redigiert” (lies: zumindest fluchend die gröbsten Konvertierungs- und ß-Fehler rausgemacht habe) habe, habe ich nicht das Gefühl, es sollte unbedingt noch mehr in diesem Dokument stehen. Dennoch sähe es ja komisch aus, wenn ich als einer der Gastgeber mich jetzt hier rausnehmen würde. Daher sieben Fotos aus meinem Handy von diesen Jahr – und meine persönlichen Charts.

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Mit Vater Ausflug nach Neuwied ins Flippermuseum. Abends hupen all die Autos wegen Deutschland-Spiel gegen Italien.

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Die drei Konzerte von “Köln ist kaput” im Gold + Beton waren übertriebene Highlights dieses Jahr. Oft traf ich dort auch Mitglieder meiner geheimen TV-Nerd-Loge von Facebook. Im Bild Sans Gene.

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Kaput gewinnt einen Award des V.U.T.s. Für eine Popkultur-Webseite kurz vor dem Oscar. Wahnsinn. Die Tage in Hamburg beim Reeperbahnfestival drumrum sind wunderschön.

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Im Abenteuer-Moloch Hongkong. Zu sehen sind tolle Dinge, ungewöhnliche Fortbewegungsmittel wollen genutzt werden. Reisen ist Leidenschaft!

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In einer RTL-Sendung sieht man Peer Kusmagks Penis. Hat mich sehr gefreut! Ich liebe nackte Celebrities und ihn natürlich seit seiner unübertroffenen Dschungel-Performance.

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Lama-Wanderung in der Eifel. Tier wirkt verständig und anmutig. Wie konnte ich nur so lange Rad fahren, statt ein viel praktischeres Lama zu besitzen?

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Christmas came early this year. Weihnachten bei Mutti vor wenigen Tagen.

Lieblings-Alben 2016

01 Das Flug „Zerstören“
02 Pisse „Kohlrübenwinter”
03 Jim Button „Undone”
04 Golf “Playa Holz”
05 Isolation Berlin „Und aus den Wolken tropft die Zeit“
06 Mykki Blanco „Mykki“
07 Angel Olsen „My Woman“
08 Schreng Schreng & La La „Echtholzstandby“
09 Warpaint „Heads Up”
10 Stereo Total „Les Hormones“
11 Bernd Begemann „Eine kurze Liste mit Forderungen“
12 SSIO „0,9“
13 Sans Gene “Sans Gene”
14 Faber “Alles Gute”-EP
15 Beatpoeten „#Geheul”
16 Family 5 „Was zählt”
17 Kiesgroup „Eulen und Meerkatzen“
18 Messer “Jalousie”
19 Lulu & die Einhornfarm „Ihr seid alle scheiße“
20 Drangsal „Harieschaim“

Oliver Tepel

Comic
Catherine Meurisse “Die Leichtigkeit”
Cyril Pedrosa “Jäger und Sammler”
Manuele Fior “d”Orsay Variationen”
Loo HuiPhang & Philippe Dupuy “Nuages et pluie – Ai no Corrida 1917 “

Illustriertes Buch
Toon Tellegen & Marc Boutavant “Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen”
Lektion in Melancholie

Album
Esperanza Spalding “Emily’s D + Evolution”
Etwas Besseres als Eifersucht. ( Wie rar in diesen Zeiten.)
Kacey Musgraves “A very Kacey Christmas”
Die (wahrscheinlich nicht ganz) heilige Maria der Kleinstädte.
David Crosby “Lighthouse”
Freak brothers post erection anthems
Soft Hair “Soft Hair”
Femme fatales permanent erection lullabies
Weyes Blood “Front row seat to earth”
Liebesbriefe‎, die mit “Adieu” enden wollten.

EP
La‎fawndah -“Tan”
Dominanz und Submission.

Single
Warpaint “Whiteout”
You wouldn’t know it but you are really in your prime.

Ausstellung
Bianca du Mortier “Catwalk”, Rijksmuseum, Amsterdam
Liaisons Dangereuses

Sachbbuch
Johanna Ebenstein “The anatomical Venus / Wax / Sex / God / Death”
Junggesellenmaschine
Michael Tomasello “Eine Naturgeschichte der menschlichen Moral”
Das Feuilleton vermisst Kant und Hegel.

Benjamin Walter

Musik
Auch 2016 wurde wieder Punk und Rap gepumpt, als gäbe es sonst keine andere Musik. Da ich bereits wusste, was “Trap” und “Cloudrap” ist, bevor der Kram 2016 dann auf ganz breiter Front abgehandelt wurde, kurz das kleine geile Gefühl des Besserwissers. War aber schnell wieder verschwunden.
Mit Begeisterung habe ich die neue, sehr gute EP von Hammerhead gehört. Mit Interesse das neue Album von NOFX. Ansonsten alles scheiße. AUSSER Sufjan Stevens Album “Carrie und Lowell” von 2015, welches ich in meiner unendlichen Ignoranz aber erst Anfang 2016 zu hören bekam. Und dann war es direkt die ganz große Liebe.

TV
Dschungelcamp 2015 eher so mittel. Und dann bricht auch noch in der legendären “TV-Gruppe” bei Facebook Streit aus. Das Fernsehen ist damit endgültig in der Krise. Ich schau mir am liebsten die xte Wiederholung vom “King of Queens” bei RTL NITRO an, oder “The Taste” mit meiner Freundin. Wo sich Woche für Woche wieder die Frage stellt, wie man den Mischmasch aus Geschmäckern, Texturen und Konsistenzen am schmackofatzigsten “auf den Löffel bringt”.

Serie
Natürlich “Stranger Things”. Diese Kinder! Diese Ausstattung! Dieses Storytelling! Barb!
Toll auch, dass die Serie zwar einerseits aus lauter bekannten Elementen besteht, anderseits aber erstaunlich wenig mit ärgerlichen Klischees arbeitet. Fühle mich verbunden mit den Millionen Fans auf der ganzen Welt.

Konzert
Rummelsnuff im Kult 41 in Bonn. Total nachvollziehbare Mischung aus Techno-, Karnevals- und Schwulenparty und Sendung mit der Maus. Rummelsnuff und sein Gehilfe erklären in Rahmen der Show verschiedene handwerkliche Berufe und geben Ratschläge zu Ernährung und Krafttraining. Dabei eben kein Ironiequatsch sondern ein ganz eigener Kosmos.
Unsere Locas In Love-Wintergala im AZE war auch aufregend, erfolgreich und schön.

Kino
Seit “Mad Max: Fury Road”, den ich 2015 gemeinsam mit Linus sah, nicht mehr so richtig zufrieden aus dem Lichtspielhaus getaumelt. Fand ich allerdings auch so dermaßen geil, dass mir das bis heute reicht.

Comic
“Der Araber von Morgen” Band 1 und 2 von Riad Sattouf innerhalb von zwei Tagen weginhaliert. Der Autor zeichnet seine Kindheit in Lybien und Syrien in der von mir geschätzten “Linge Claire”. Klingt so mittel, ist aber ganz toll.

Popkultur
Von Freund Jan ins “Drachengame” eingeführt worden und seitdem stundenlang Videos von, über und mit dem charakterlich doch arg vermurksten Youtuber “Der Drachenlord” geschaut. Weiß noch nicht, was ich davon halten soll, kann aber nun nicht mehr damit aufhören.

Körper
Machte auch 2016 nur Ärger. Aufhören!

Geist
Wach wie nie. Im positiven wie negativen.

Persönlich
Paar mal durchgedreht, aber irgendwann war es dann immer auch wieder vorbei. Gerne zu zweit im Urlaub und sonstwo unterwegs gewesen. Geliebt und meistens verstanden gefühlt. Wie unendlich gut, dass man sich hat.

Ansonsten
Angesichts der Weltlage und gesellschaftlichen Entwicklung so feige, faul und passiv gewesen wie immer. Langsam lässt sich das Gefühl, dass man mehr tun muss, als schlau daher zu reden, aber nun wirklich nicht mehr unterdrücken.

Abel Auer  

2016 war ein ätzendes Jahr. Aber man kann auch nicht sagen, dass es zum Glück vorbei ist, weil die Aussichten auf 2017 eine weitere Verschlimmerung erahnen lassen. „Take it easy altes Haus, wir ham schon schlimmers gesehen“? No!

Am treffendsten wurden die Verhältnisse von Momus besungen. Und sein Nachruf auf David Bowie war das Beste, was man zu diesem traurigen Anlass lesen konnte. Mich persönlich hat der Tod von Tony Conrad jedoch mehr betroffen. Gemeinsam saßen wir vor ein paar Jahren mal mit ein paar Leuten im Ibis Hotel zu Hasselt beim Frühstück und er hat viel erzählt, von damals , wie es so war mit der Avantgarde und den Hippies in New York – und irgendwann meinte er: „Wieso erzähl ich das alles ? Wahrscheinlich weil sonst alle schon tot sind, die darüber reden könnten.“ Am Abend davor hatte er mit Charlemagne Palestine ein wunderbares Konzert gespielt und ich hatte meinen Glauben an die Avantgarde wiedergewonnen. Danke .


Was treibt die Jugend ? Eine große Freude ist die neue Schallplatte von Martha Rose, „Spit“, soeben erschienen auf Treibender Teppich Records:

Nachdem mit Levin goes Lightly bereits der zweite Act des Labels nach All diese Gewalt zu Staatsakt gewechselt ist, könnte man ja behaupten, Treibender Teppich wäre dem Trend zwei Jahre voraus  – mit der ebenfalls neu erschienen Tristan Reverb Lp und dem JFR Moon Album hat sich das Labelprofil jedenfalls von Neo-New-Wave zu Pop-Folk verschoben. Mal sehen, ob das jetzt in Mode kommt.

Sehr lustig war, dass Monica Nuber und Hans-Joachim Irmler einen Witz aus dem Fraktus Film haben wahr werden lassen und Jaques Palminger mit Fraktus 2 ins Faust Studio eingeladen haben: mit Erobique und Mama Wand als Verstärkung wurde eine Platte aufgenommen und ein Releasekonzert veranstaltet. Worte werden zu Taten, Heiner Ebber wird zu Jaques Palminger wird zu Bernd Wand wird zur Schildkröte – und kriecht durch den Raum, rein ins Klangbad, wo unter Lichteffekten eingebildete Infekte besungen werden: Hypochondrie. Der Wahnsinn !

Dass zum Jubiläum 100 Jahre Dadaismus niemand Hgich.T ins Kunstmuseeum einlädt, macht mich etwas fassungslos, ist aber auch typisch. Dada war Antikunst und der Kunstbetrieb ist doch der Kunstbetrieb und nicht der Antikunstbetrieb, wenn es um die Gegenwart geht. Wobei andererseits ein Werk wie die von Lizzie Fitch und Ryan Trecartin auf der Berlin Biennale gezeigte, sehr gute Videoinstallation ja auch mit ähnlichen visuellem Hardcore und vernetzter Hysterie arbeitet – und dann doch geht .

Hier ein Film von Trecartin, den man sich gut als Weihnachtsfilm reinziehen kann. Hgich.T sind in den letzten Jahren auf jeden Fall immer besser geworden, noch absurder noch verstörender. Sehr gute Kunst

Ebenfalls aus Hamburg und auch eine sehr gute Künstlerin, die das mit den trashigen Videos geblickt hat, ist Trap Queen, Girl Boss Gangster und Kunststudentin Haiyti aka Robbery. Wenn irgendwas besser wurde letztes Jahr, dann, dank ihr: deutscher HipHop. Sie könnte Genreübergreifend der kommende große Popstar hierzulande sein. Die Zeit hat geschrieben, man könne sie mit Hildegard Knef vergleichen – wegen der Stimme, nach Bart Simpson klingt sie aber irgendwie auch, und wer Videos wie zu dem Stück “Speedleiche (No Limits)” fabriziert, hat auch verstanden, dass in Hamburg seit Hubert Fichtes “Palette”die Avangarde sich in der Säuferkneipe definiert.

Deswegen würde ich eine Vergabe des Hubert Fichte Literaturpreis an Haiyti auch für sinnvoller halten als den Nobelpreis für Dylan.

P.S : Wenn ihr euch alle Videolinks unter der Wirkung von LSD anseht, wird euer Gehirn neu konfiguriert und ihr seid fit für die Future. Viel Spaß.

 abel_auer_jr

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