Donnerstag, 19.10.2017
Academy Award Winner

“Kaput hat den Rocco-Clein-Preis gewonnen. Na, wie denkst Du jetzt über uns, Hater?!”

Reeperbahnfestival Ende September 2015. Irgendwo in Hamburg. Wir starren durch unsere dicken Brillen eine gerahmte Urkunde an. Das Kaput-Mag hat gerade einen der diesjährigen Rocco-Clein-Preise gewonnen. Was nun? Vielleicht einfach bisschen heulen?

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Foto: Jan Apel

Es war erst Anfang diesen Jahres, dass ich bei Thomas Venker in seiner Couchlandschaft versank – zusammen mit dem Art Director Christian Schäfer und dem Programmierer Benjamin Walter. Die Stimmung war angespannt. Denn das Projekt, mal einfach eine geile Webseite aufstellen und damit den hiesigen Musikjournalismus aufmischen, gestaltete sich (Oh, Wunder!) als gar nicht so leicht. Ich weiß noch, ich fand allein schon die Bezeichnungen “Art Director” und “Programmierer” total affig und sah sie eher als Teil dessen, was ich abzuschaffen gedachte. Schließlich handelte es sich bloß um unglückselige Freunde von uns, die mit Talent bezüglich der genannten Fähigkeiten gestraft waren und deshalb zwangsverpflichtet wurde. Was sollte also dieser ganze Anstrich?

Immerhin, wir waren uns einig bei dem, was wir wollten: Storys, Interviews… alle mögliche Textsorten halt, die sich ihre Herangehensweise selbst schaffen, also nichts, was sich ausruht auf thematischen Verpflichtungen und stilistischem Schema. Wir wollen endlich wieder mit Künstlern sprechen, wenn der Bock da ist – und nicht weil sie gerade auf Promo-Tour sind. Oder weil sie in dem Monat mal wieder in allen Musikmedien gleichzeitig drin sein müssen. Genau, das einte uns in der Couchlandschaft… Nie wieder: “Themen abarbeiten”. Absoluter Terror-Slang der Musikbranche, der jede biblische Strafe (illegale Downloads, Streaming, Untergang…), vor der sie sich immer wieder lamentierend zu drücken sucht, alleine schon rechtfertigt. Wir wollten, dass coole Leute für uns schreiben – und verdammt noch mal nicht immer nur Männer. Und wir selbst wollten nach Jahrzehnten Betriebsblindheit Begegnungen mit Künstlern neu denken. Thomas gelang das auf Anhieb besser als mir. Er etablierte passend zu dem Untertitel unseres Magazins (“Insolvenz und Pop”) mit seinen Themeninterviews eine Reihe, die spannende Einblicke lieferte hinter die Kulisse des Gute-Laune-Regimes Selbstausbeutung. Kunst, Geld, kein Geld. Sein Gespräch mit Frank Spilker dazu ist zurecht eins der meist geklickten auf kaput-mag.com. Ich selbst erinnere mich dagegen an großes Rätselraten, als ich in meine ersten Kaput-Interviews ging – mit Wanda und Zucker. Alles auf den Kopf stellen, klingt immer gut. Ist aber letztlich auch so ein typisches Gelaber, das ich mir möglicherweise aus zu vielen Meetings abgeschaut habe. Denn was heißt das eigentlich? Klar, ich möchte nichts über Studioaufnahmen wissen oder die ersten google-Hits in Frageform abklappern, doch letztlich musste ich einsehen, dass nicht alles anders zu machen ging. Weil ich es jetzt auch nicht für wünschenswert gehalten hätte, nur irgendwelchen Wahnsinn off topic zu fragen. (Haha, wenn ich diese Option so formuliert sehe, bin ich allerdings doch schon wieder heiß drauf.)

20150925_225448Jedenfalls… das, was hier nun unterm dem Strich steht, das wäre alles nicht möglich gewesen, wenn nicht Thomas bei dem Sofa-Meeting und darüber hinaus auf die “große Vision” (mit Art Director und alles) insistiert hätte. Wäre es nach mir gegangen, hätte es vermutlich eine der kostenlosen WordPress-Templates getan – und das alles möglichst schön nebenbei. Sowas wie: “Wenn man mal wirklich gar nichts mehr zu tun, dann kann man ja auch mal was für Kaput machen. An Weihnachten zum Beispiel.”.

Doch es kam anders. Aus kaput-mag.com wurde eine richtige Seite, die Redaktionsarbeit gestaltet sich mit großer Ambition. Und wir sind daher natürlich unglaublich stolz, dass das nach so kurzer Zeit nicht nur mit sovielen Klicks sondern nun auch schon mit einem Preis ausgezeichnet wurde! Ein Preis, der zudem einem Typ gewidmet ist, den wir so geschätzt und bewundert haben. Thomas hat ihn in seiner Dankesrede auf dem Reeperbahnfestival ja noch mal so schön gewürdigt.
Uns bleibt also nicht mehr viel zu sagen, also Danke. Das aber nicht zu knapp!
Danke Rocco-Clein-Preis, danke liebe Jury, liebes Team dahinter, Danke Rocco Clein!

Und natürlich Danke an all die vielen AutorInnen, ÜbersetzerInnen, GraphikerInnen, UnterstützerInnen, BesucherInnen, An-Einen-Geglaubt-HaberInnen. Ohne euch gäbe es das hier nicht!
Yours truly, Kaput!

Christina MohrJonathan ForsytheJohn NoiAida BaghernejadSaskia TimmSarah SzczesnyJens FriebePhillip SollmannMichael SchleehMario LasarInfinite Greyscale RecordsMax FreudenschussLars FleischmannAlex LemieuxOliver TepelSarah ShoucriAnton TeichmannJohn StanierRoman SzczesnyJustus KöhnckeClaus RichterAlexander FestivalhallDana BönischKatja RugeMartin Riemann11159933_905401129523787_9100611368530939879_oVivan Thi TangSebastian IngenhoffTobias Fritzsche12011342_10206307935714876_9073938731849904747_nerik-klügling-foto.1024x1024Christian Schäfer

 

Diese Galerie von Beteiligten ist natürlich heillos unvollständig, stehe aber stellvertretend für noch so viel mehr gute Leute, die Kaput ihre Ideen, Ihre Zeit, ihre Geilness geschenkt haben. 

 

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