Mittwoch, 22.11.2017
Sleaford Mods – Videofeature

Kapitalismuskritik & English Tapas

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Jason Williamson (Photo: Sarah Szczesny)

Mit ihrem neuen Album “English Tapas” wettern die Sleaford Mods ungebremst weiter gegen das kapitalistische System. Mehr Arbeiterklasse-Postpunk geht derzeit nicht. “Kauf eine Firma, wirtschafte sie runter, nimm das Kapitel, zieh die Arbeiter ab – es ist legal.” Was wie gewerkschaftliche Betrachtungen zum Status Quo einer Ökonomie zwischen VW- und Deutscher Bank Skandalen klingt, sind die Ausführungen von Jason Williamson, dem Sänger der Sleaford Mods zur aktuellen Single “BHS” des Duos.

Gemeinsam mit seinem Mitmusiker Andrew Fearn hat der Mitvierziger in den letzten drei Jahren eine verspätete Blitzkarriere hingelegt und mit den auf Harbinger Sound veröffentlichten Alben “Austerity Dogs”, “Divide and Exit” und “Key Markets” den Soundtrack der links-popistischen britischen Arbeiterklasse eingespielt. Zu verdanken haben die beiden das nicht nur dem auf Platte verewigten Working-Class-Postpunk, sondern auch den mitreißenden Liveshows, die ihren Charme aus ihrer Simplizität beziehen. So drückt Andrew Ferarn bei jedem Song gut sichtbar für jeden lediglich den Play-Button am Laptop, um danach genüsslich eine Bierdose nach der nächsten zu leeren und währenddessen glückseelig seinem Partner beim Vortrag der Stücke zuzuschauen. Iggy Pop war davon derart hingerießen, dass er von der “ohne Zweifel, absolut und definitiv besten Rock´n´Roll Band der Welt” schwärmte – was aktuell natürlich gerne von den Mods und ihrem neuen Label Rough Trade als Verkaufsslogan zum neuen Album “English Tapas” aufgegriffen wird.

BHS steht übrigens für die Kaufhauskette British Home Stores, die unter der Führung von Sir Philip Green, dem Vorstandsvorsitzendem der Arcadia Gruppe, der unter anderem auch die britische Topshop-Kette gehört, bei der Millionen von Teenagern und Tweentysomethinsg weltweit ihre Klamotten einkaufen, im Sommer 2016 zu Grunde gewirtschaftet wurde. Dabei verloren nicht nur 11.000 Angestellte ihren Job, es wurden zudem noch die Altersvorsorgen aktueller und ehemaliger Mitarbeiter in Höhe von 571 Millionen Pfund verbrannt – oder, genauer gesagt, in eine 400 Millionen Pfund Dividende für Green umgewandelt, von der dieser sich eine schicke Yacht kaufte.

Jason Williamson im Kaput-Video-Interview:

 

 

 

Eine längere Version des Artikels ist in der Kölner Stadtrevue publiziert worden und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung. 

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