Dienstag, 30.05.2017
Record of the Week

ABRA „Princess“

Cover_AbraABRA
„Princess“
(True Panther)
Viele Umzüge, prägende Jahre in Metropolen dies und jenseits des Atlantiks und eine daraus Unempfindlichkeit für klassische Genregrenzen ist ja mittlerweile so etwas wie die Grundausstattung für eine Karriere in der Popmusik geworden. ABRA reiht sich da perfekt ein: geboren in New York, aufgewachsen in London, sesshaft in Atlanta und mit allen Soundwassern ausgestattet, die man sich im Netz selbst heransozialisieren kann. Und auch dass sie sich mit den Kids von Awful Records angefreundet hat, dem so angenehm neben der Spur agierenden HipHop-Imprint aus Atlanta, wirkt sich sicherlich nicht negativ aus.

Mit Rap und HipHop hat “Princess” zwar im engeren Sinne wenig zu tun, R´n´B trifft es schon viel eher, aber eben derart trocken und unterkühlt produziert, dass einem die Annäherung an das Awful Umfeld nur konsequent erscheint. Und so eröffnet “Princess” mutig mit dem staubtrockenen Einminüter “Come 4 Me”, ein Lehrbeispielen dafür, wieviel Spannung man aus einem minimalen und statischen Set-Up entwickeln kann, wenn doch nur die Beats ordentlich bouncen und man die richtigen Sounds drumherum zu platzieren weiß – in diesem Fall ein schön verrückt kreiselndes Hysteriemotiv und eine einfache Synthline.

Diese Gespür für das Wesentliche ist die große Stärke von Abra, einem Blood Orange nicht unähnlich weiß sie dem Rhythmus die Leading Role in ihrem Stücken zu geben, nur dass sie nicht dessen Opulenz der Popwerdung folgt, sondern viel bewusster die Farben aufträgt. Besonders aufregend geling ihr dies mit “Big Boi” (mit einem Gastauftritt von Tommy Genesis), einem Electroclash-in-cool-Stück, wenn man so will – wir erinnern uns: Electroclash, das war dieser vor zehn Jahren von DJ Hell, Chicks on Speed und Fisherspooner durch die Dörfer gejagte Sound. Mein Lieblingsstück ist jedoch “Thinking of U”, das mit einer bemerkenswert schönen Montage ihrer Stimme aufwartet, die sie einem Gospelgesang gleich zigmal übereinander schachtelt und so den Zuhörer geradezu verrückt macht mit diesem wunderbaren kleinen Popdiamant.
Thomas Venker

ABRA spielt am 2. September im SchwuZ in Berlin im Rahmen des Pop-Kultur-Festivals.

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