Mittwoch, 22.11.2017
Kim Frank

Der schlechteste Poproman

Kim Frank
„27“

Kaum etwas Ärgerlicheres als halb schreckliche Bücher. Deprimierende Zeitverschwendung. Aber es gibt sie natürlich wirklich, die Bücher, deren Sprache, Erzählungen und Skills so darnieder liegen, dass gerade durch diesen Extreme wieder was für einen drin ist. Willkommen also bei Kim Franks Roman-Debüt „27“. Schon ein paar Tage älter, aber ich würde es nie mehr hergeben.

1525490_10202287714145852_4607176057326721653_nKim Frank, Kim Frank … rätseln Sie gerade? Genau, es handelt sich dabei um jenes Frettchen, das Ende der 90er mit der Band Echt die steilste deutschsprachige Boyband aller Zeiten darstellte. Klar, fünf Jahre später war dieser Fame Geschichte und Tokio Hotel machten sich auf, auf derselben Fahrkarte noch zehnmal weiter zu kommen. Doch darum soll es hier eigentlich nicht gehen. Sondern um Franks Roman. Jener handelt allerdings von einem Musiker, der als Sänger mit seiner Band durch die Decke geht (Hallo Zirkelschluss), missverstanden wird von Medien und Girls und sich vor einem Rockstar-Exitus mit 27 Jahren fürchtet. Diese Figur heißt Mika. Und so wenig wie allein schon dieser Name von seinem Schöpfer zu abstrahieren bereits ist (Mika stellt ja fast ein Anagramm von Kim dar), so unverhohlen schreibt Kim Frank hier seine Geschichte von Echt. Why not? Wenn man keine Liebe aber eine Story in sich trägt, sollte man sie halt erzählen.
Nur muss man kein Psychologe sein, um zu merken, welche Deformationen hier aufgearbeitet werden. Kim hing bei Echt immer an, „nur“ der Sänger, „nur“ das Gesicht gewesen zu sein. Die Hits und die Musik kamen von anderen. Die kommen hier natürlich auch vor – aber „27“ stellt immer wieder klar, so wichtig waren die anderen nicht. Das Genie war immer Kim, äh, Mika.
„Der eine Hit reich natürlich nicht. Ohne mich gibt es diese Band nicht. Ohne mich können sie nicht weitermachen.“ usw.
Diese eitle Abrechnung ist stilistisch aber so holprig, die Bilder so schräg, die Intention so durchsichtig – ach, irgendwie macht das Bock. Klar, die Unfähigkeit zu einer Dramaturgie und zu einem halbwegs flüssigen Ablauf dürfte vielen dieses frustrierte Meisterwerk vernageln. Aber mit bisschen Affinität zum wahren Schlechten und Doofen ist das echt eine Empfehlung.

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