Freitag, 22.09.2017
Motion Picture Character of the Week

Jennifer Lopez als Claire Peterson

“Jenny from the block” war schon immer Sängerin und Schauspielerin. Eine Frau mit vielen Talenten sozusagen, und zumindest theoretisch der Chance auf einen EGOT (Emmy, Grammy, Oscar, Tony). Zuletzt war es jedoch etwas ruhig um sie geworden.

Die Rolle der Claire Peterson, mit der sie nun in “The Boy Next Door” zurückkehrt, ist zwar etwas Klischeeartig angelegt, trägt aber alles in sich, um spannend für eine Schauspielerin in den Vierzigern zu sein: es handelt sich um eine ältere, alleinerziehende Frau (man könnte auch Cougar sagen, eine attraktive Frau im fortgeschrittenen Alter, die sexuell aktiv ist), die, nachdem sie von ihrem Mann betrogen wurde, einem Jüngeren verfällt – das ganze Paket eben. Da kann man doch nur glänzen, oder?

Leider will das nicht ganz so gut funktionieren. Was vor allem, wer hätte es nicht geahnt, am fehlenden Können von J.Lo liegt. Wir erinnern uns: Selbst Kevin Smith scheiterte daran, Lopez in der generell unterschätzten RomCom “Jersey Girl” zu bändigen beziehungsweise aus ihr mehr als nur ein paar schlecht gelernte Sätze zu bekommen. „The Cell“ und „Out of Sight“ sind ja zugegebenermaßen ganz ordentliche Filme – man muss aber wohl trotz Jennifer Lopez“ sagen und nicht wegen ihr.
Es wäre aber unfair zu behaupten, dass „Boy next door“ unter Jennifer Lopez leiden würde. Der Film ist eine krude Aneinanderreihung klischeehaftester Psycho-Thriller-Stereotype. Schon auf Hälfte dieser Review fällt mir kaum mehr ein, als eine Warnung auszusprechen:

GEHT NICHT IN DIESEN FILM. STREAMT IHN AUCH NICHT!

Interessant ist einzig allein die Feststellung, dass die Kerngeschichte „Ältere Frau und jüngerer Mann“ bis heute in den Hollywood-Schreiberhirnen gleichzusetzen ist mit der Ursünde. Claire Peterson richtet durch ihre Liebesnacht mit dem jüngeren Nachbarn Noah Sandborn (der später auch noch ihr Schüler werden soll) fast ihre Familie hin, und zwar da die Storyline partout eine solche Liebesnacht als großes Verbrechen einordnen muss. Während Claire selbst ihrem Mann, der sie über einen längeren Zeitraum betrogen hat, recht schnell wieder positiv gegenüber eingestellt wirkt, driftet alles um sie herum durch ihren Akt dem Abgrund entgegen – ihr Weltbetrug reißt dabei auch die Glaubwürdigkeit der Geschichte mit sich. Selbst die Tatsache, dass Noah einem Mitschüler den Schädel bricht, führt nicht etwa zum Schulverweis oder gar zur polizeilichen Verfolgung, der seltsamen inneren Logik des Films folgend, kann auch hierfür nur Claire als Schuldige herhalten. Statt Ängste zu entwickeln, manifestieren sich ihre Schuldgefühle nur noch heftiger.

Die Liste solcher konnotation reicher Szenen, die offene Realitätsverzerrungen zu Ungunsten der weiblichen Hauptdarstellerin zeigen, ist lang. Am Ende des Films wird alles noch mal übersteigert: Die Rettung von Claire und ihrer Familie kann natürlich erst mit dem Zusammenfinden der Familie stattfinden. Der sich opfernde Mann, der kämpfende Sohn und die (zufällig?) tapfere Claire schaffen es dem eigenen Tod zu entrinnen. Aber nur gemeinsam. Erst in dem Moment, in dem Claire versteht, dass alleine die Einheit der Familie die Welt im Innersten zusammenhält, kann der Agent Provocateure (der Teufel in der Versinnbildlichung als junger, verführerischer Mann) besiegt werden.
So wird das grundsätzlich spannende Dispositiv „ältere Frau-jüngerer Mann“ zu nichts anderem als einer Farce.

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