Samstag, 22.07.2017
Record of the Week

Porter Ray “Watercolor”

Cover_Porter-RayPorter Ray
“Watercolor”
(Sub Pop)

Das schöne am Post-Internet-HipHop ist, dass sich sein Klangspektrum völlig von Genrelimitierungen freigeschwommen hat. Zumindest, wenn man bereit ist, sich angstfrei auf die Chancen einzulassen, die sich dadurch ergeben.
Porter Ray ist ein weiteres Sub-Pop-Signing aus Seattle. So wie früher Tad, Mudhoney und Nirvana aus den lokalen Fischereiwerkshallen gesignt wurden, holt sich das wieder erstarkte Label, das den Grunge hinter sich gelassen hat und heute ein vielseitiges Roster vorzuweisen hat, seine HipHop-Acts von der etwas runtergekommenden Eastside von Seattle. “Watercolor” erzählt auf charmant großspurige und lyrisch sehr ausgefeiltee Art von den Straßen der Hood – von “Bulletproof Windows” und dem so gerne von Rappern hochstilisierten “Paste Life” ebenso wie vom “Dissolving in a Daydream” und “My Mother´s Words”.

Setting und lyrische Versiertheit lassen einen an Kate Tempest und ihre Charaktere zu denken, die sie sich aus ihrem Londoner Viertel entliehen hat – doch Porter Ray geht noch näher an sein Umfeld ran und in den Clinch mit seinen echten Kumpels und baut aus Stories wie jenen von The Palaceer, Ishmael Butler (von Shabazz Palaces) und seinem Jugenfreund Kollegen Ca$tro sein Haus der Geschichte. Der Vibe, in dem er diese vorträgt ist unglaublich verführerisch: die Beats so weich, dass man sich auf ihnen schlafen legen will, die Sounds so betörrend, dass man hypnotisch ihrem Verlauf folgt und die omnipräsenten Hall-Effekten von entspannender Zeitlosigkeit – und da seine Raps all diese Eigenschaften miteinander tänzeln zu lassen wissen, ist “Watercolor” zugleich Material, Technik und Ergebnis, eine einzige verlaufende Symphonie der heruntergekommenen Großstadt.
Thomas Venker

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