Freitag, 15.12.2017
Record of the Week

LE1F “KOI”

Bildschirmfoto 2015-09-04 um 11.17.35LE1F
“KOI”
(TERRIBLE/ XL )

Wie unterschiedlich Musik doch wirkt, wenn man sie mit und ohne begleitende Bilder dazu hört. Die ersten drei Durchgänge lief “KOI”, die erste Auskopplung aus Khalif Dioufs lange erwarteten Debütalbum “Riout Boi”, das nun endlich im Herbst erscheinen wird, ohne den zugehörigen Videoclip. Ein krasser Flash von Song: Wabber-Intro, direkter, hautenger Rapeinstieg mit Electro-Fanfaren als Backing … und dann steht man schon mitten im Refrain: “You wanna get to know me, wanna be my homie”, inklusive Hi-Pitch-Vocals und Karussel-Surround-Sound. 3:48 Minuten Popmusik mit der Lizenz zum Schwindel.

Produziert hat “KOI” der Londoner Produzent Samuel Long aka SOPHIE, der neben Evian Christ und Dubbel Dutch auch für “Riot Boi” verantwortlich sein wird. Long repräsentiert die neue skulpturale Schule der Popmusik. Wie in seinen Produktionen für PC Music klebt er auch für LE1F erstmal irre viele verschiedene Sounds und Melodielinien aneinander, um sie danach zu schleifen und reiben bis nur noch ein rießiger klebriger Bollen übrig ist. Popmusik an der Grenze zur Überforderung. Das verückte nur: ist man erstmal in ihr angekommen, scheint plötzlich alles ganz normal – der gewollte Wahnsinn ist eben auch nur ein Zustand unter vielen. Vielleicht ist es das, was Khalif Diouf mit seiner Textzeile “I think we have a chemistry” meint.

Der zugehörige, toll artifizielle Clip von Simon Ward, collagiert als Hyper-Fashion-Statement, beschleunigt den Transport dieser Chemikalien in den Blutkreis jedenfalls aufs Heftigste. Statt den eigenen Wohnraum mit dem Future-Rap von LE1F abgleichen zu müssen, befindet man sich plötzlich mit Diouf am Meer, um einen herum fliegen Comic-Augen und Kussmünde, schwingend Algen und tanzen jede Menge Cuties – und irgendwann schwimmt auch der Koi durch die Luft. 

Bildschirmfoto 2015-09-04 um 11.17.24Wobei natürlich niemand so süß wie Diouf selbst ist. Dieser trägt die Haare kurz und gelb und das Hemd seines flippigen Strandoutfits aufgeknüpft, sehr passend zur Verfügungspose “KOI”. Aus dem koketten Jungen, der uns vor vier Jahren mit Kaugummi im Mund im Clip zu seinem großartigen “Wut”-Track erstmals angeflirtet hat, ist ein echter Player geworden: super professionell und scheinbar mit deutlich weniger Spaß.

Mal sehen, wie er diese Rolle auf Albumrolle zu füllen vermag, die Single verspricht zumindest eine kunterbunte Überraschungstüte, man vermisst in dieser Omnipräsenz der Effekte aber die Pointiertheit, die beispielsweise das trockenere “Wut” besaß, das vor allem eins war: ein super Track, und die Ungezwungenheit des Coming Out Momentums.
Thomas Venker

 

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