Sonntag, 24.09.2017
Record of the Week

Phoenix “Ti Amo”

Phoenix-im-Brunnen

Phoenix, beim Abhängen im Trevi Brunnen in Rom mit Anita Ekberg und Marcello Mastroianni. In der Gesamtheit der Komposition vielleicht nicht ganz so schön wie in Fellinis “La Dolce Vita” (“Das süße Leben”).

 

Cover_PhoenixPhoenix
“Ti Amo”
(Warner)

Nach dem letzten Album von 2013 schien die Geschichte von Phoenix aus Versailles auserzählt: Unverhohlen blasiert, ultraglatt und seelenlos wirkte “Bankrupt”, über das Gitarrist Laurent Brancowitz ganz ironiefrei sagte, dass es wie eine Marmorkugel klingen sollte, die ein Jahr lang poliert wurde. Der genialische Funke von “Wolfgang Amadeus Phoenix” war in einer Magnumflasche Moet ersoffen. Besagte Marmorkugel lag ein paar Jahre gutaussehend und nutzlos herum, aber dann wurde Thomas Mars, Christian Mazzalai, Deck D’Arcy und Brancowitz klar, dass es so nicht weitergehen kann – beziehungsweise, dass man Zeiten, in denen Terroranschläge auf Musikclubs verübt werden, nur mit einer Feier der Liebe und Lebenslust begegnen kann.

Mit einem Album wie “Ti Amo” also, das vielen jetzt auch wieder nicht passt, nicht zuletzt, weil vier Franzosen über italienisches Eis singen. Die Songs heißen “Fior di Latte”, “Telefono” oder “Tuttifrutti”, Thomas Mars haucht sanft zum tasty Discosound, “don’t tell me no / I’ll say Ti Amo till we get along” – ihr nennt es Eskapismus, ich nenne es eine friedliche Revolution.
Klar, zu Phoenix-Songs imaginiert man sich selbst in Cabrios, die die Cote d’Azur entlangsausen, Meeresbrise im verwuschelten Haar, hach und überhaupt. Aber Phoenix wissen natürlich, dass sie nicht die Band für explizite politische Statements sind, dass man sie auf den Soundtracks von Sofia Coppolas Filmen hören will und nicht vor den Vereinten Nationen. “Ti Amo” ist bei aller locker durchtanzbarer Eleganz und Perfektion kein la-boum-iges Pseudoidyll, in das sich Phoenix zurückziehen. Sie haben Liebe und Verletzlichkeit wiedergefunden, Empfindungen, die auf “Bankrupt” komplett fehlten. Und wer die Melancholie in “J-Boy” oder “Goodbye Soleil” nicht spürt, soll doch mit Marteria Angeln gehen.

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