Samstag, 18.11.2017
Record of the Week

The Mole “De La Planet”

Cover-SR-The-ModeThe Mole
“De La Planet”
(Maybe Tomorrow)
Alben, die mit einem dramatischen Opener, der mehr Interlude als ganzes Stück ist, beginnen, haftet sofort eine gewisse Schwere an. Was zumeist dazu führt, dass sie entweder kollosal an den eigenen Ambitionen scheitern, oder glanzvoll überzeugen – dazwischen geht es sich selten aus.

Colin de la Plante, der Produzent hinter The Mole, eröffnet “De La Planet” mit dem verrauschten, zwischen nachdenklich und geheimnisvoll changierenden, auf einer Pianosequenz und einem Film-Sample aufbauenden Dreiviertelminüter „Harmony Day“ – und irgendwie ist einem sofort ein bisschen Bange, wie das nun weitergehen soll. Warum lässt sich gar nicht so genau fassen. Doch die Sorge ist sowieso unbegründet, denn der kanadische DJ und Produzent, der in der Vergangenheit unter anderem auch bei Cobblestone Jazz und Modern Deep Left Quartet involviert war, verhebt sich keineswegs, sondern droppt stattdssen mit „Going With The Hat Man“ gleich mal lässig einen der Hits des Albums. Ein rhythmisch vertrackt konstruierter und zugleich wunderschön deeper Housetrack, getragen von kurzen Vocallines mit Mehrwert. Denn sie bringen nicht nur einen mitreißenden Gospel-Approach ein, sondern geben zudem einiges an Kontext zum Künstler mit – de la Plante sampelt Dudley Willikams mit den Worten “I try to perform as honestly as possible”.

Ein für “De La Planet” prägendes Produktionsparadigma. De la Plante konstruiert zauberhafte Ringeltänze aus Samples. Auf faszierenden Art und Weise lässt er dabei die kompliziert anmutende Musik (hohe Frequenz an Brüchen und rhythmischen Spielereien) elegant und locker wirken – das Album mutet mehr wie ein DJ-Set an, ist auf eine fast schon unheimlich Art fließened heterogen. Die Stücke greifen wunderbar selbstverständlich in sich, so öffnet beispielsweise ein abstrakter Track wie „He Frank’” den Raum für die ausladenden Gesten von „One-Sided Fool“, das geradezu schunkelnde Qualitäten besitzt. Mein persönliches Lieblingsstück ist aber das verführerisch-hypnotisierende „Soft Translation“, einer jener Tracks, die endlos im Loop laufen könnten.
Thomas Venker

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