Mittwoch, 18.10.2017
„Ach, diesen Film gibt’s wirklich?“

Die mächtige Zombiber-Kritik

Wer von uns träumt nicht von einem extravaganten Haustier, das neben Fell aber auch dieses gewisse Extra an Gefährlichkeit mit sich bringt. Wem sich dabei der Kampfhund aber als zu prollig oder zu übel beleumundet ausmacht, der freute sich bestimmt, als letzten Sommer die Vorstellung vom „Zombiber“ die Runde machte. Der Trailer wurde ein Hit. Nur der Film selbst, ja, der spielte eine spürbar geringere Rolle in der viralen Trash-Euphorie. Schade oder okay so? Biberexperte Linus Volkmann hat ihn sich angesehen. Die ganzen 67 Minuten lang!

20150722_234137Je besser das Gegenüber (in diesem Fall: der Leser) einen Film kennt, desto leichter lässt sich auch darüber reden. Der Tierhorror mit dem markigen Titel „Zombiber“ macht dahingehend die Türen weit auf. Denn eigentlich … hat ihn jeder gesehen. Der Original-Trailer („Zombeaver“) wurde über 5 Millionen, die deutsche Version über 4 Millionen mal geklickt.

Doch ähnlich wie bei „Sharknado“ lässt sich an diesen Zahlen ablesen, wie wenig sich ein Social-Media-Erfolg auf Kino-Besucherzahlen übertragen lässt. Wobei man natürlich auch das Gefühl nicht loswird, in Deutschland haben die Verleiher gepennt. Denn dass dieses Unding von Horrorfilm Ende letzten Jahres trotz des Hypes gar nicht erst in die Kinos kam, scheint doch allzu konservativ gedacht gewesen zu sein.

Faszination Trailer vs. Enttäuschung Film?
So bleibt für die Allermeisten nur der lustige Titel, die lustige Idee und der Trailer in Erinnerung. Aber mal Hand aufs Herz, von manchem Film, den man „in echt“ gesehen hat, erinnert man sich sogar noch an weniger.
Es scheint also völlig okay, „Zombiber“ letztlich natürlich nicht gesehen zu haben. Den Gag hat man ja schon kapiert, wer braucht da noch das ganze Zeug drumrum? In Zeiten von Netflix/Maxdome/etc. (“Den Friedhöfen der angefangenen Filme”) und von immer kürzer getakteten, vom Internet deformierten Aufmerksamkeitsspannen muss man vielleicht konstatieren: Der Langfilm hat an universeller Wirkkraft abgenommen.
Und schließlich sind Trailer ja auch eine Kunstform für sich. Besonders deutlich wird das in dem „Grindhouse“-Doppelfeature von Quentin Tarantino, jenes beinhaltet die Filme „Planet Terror“ und „Death Proof“. Damit beide nicht direkt hintereinander laufen finden sie sich getrennt durch eine Handvoll Trailer, die auf Filme verweisen, die gar nicht gedreht wurden. Unter anderem „Hobo with a shotgun“, „Werewolf Women Of The SS“ und „Machete“. Letzteren hatte der Regisseur Robert Rodriguez gedreht – und weil die Resonanz derartig groß war, folgte dem Fake ein paar Jahre später dann tatsächlich ein Film.

In dieser Reihe von übergeschnappten Fake-Trailern macht sich also auch „Zombiber“ sehr gut. Doch existiert ja auch eine wirkliche Verfilmung. Als Biberkenner und erfahrener Biberautor habe ich mich diesem Spektakel nun mal ausgesetzt. Parole: Besser als die eigene Vorstellung, die dieses Projekt sicher nicht nur bei mir geweckt hat, wird es eh nicht.

„Zombiber“ – der Film, jetzt aber!
Vorsicht Spoiler! Nicht dass es viel zu verraten gebe, aber ich werde hier nichts verschweigen.
Die Opening Szene – mit zwei fiesen Truckern – gibt gleich die Richtung vor. Die inhaltliche Motivation wird kunstlos vorgegeben: Ein radioaktives Fass fällt vom Laster, rollt in den See. Alles klar. Keine weiteren Fragen. Wichtiger ist, welche ästhetische Ebene diese ersten Dialoge öffnen. Denn der Trucker-Trash-Talk über Homosexualität ist nicht unfreiwillig sondern freiwillig komisch. Lacht man bei Low-Budget-Quatsch meist nicht mit den sondern über die Figuren, wird hier klar, „Zombiber“ soll keine pflichtschuldige Appendix zum Trailer-Hit darstellen, sondern verfolgt Ambitionen. Na, da schau an!
Hätte man nicht gedacht, freut man sich. Denn nichts ist ja quälender als purer Trash. Meist verliert man die alberne Lust weit früher daran, als er läuft. Selbst kommentiert von Oliver Kalkofe sind die „Schlefaz“ (Schlechtesten Filme aller Zeiten) kein dauerhafter Spaß.
„Zombiber“ schafft es also zum Glück auf die untere Stufe eines regulären Horrorfilms. Gut, die Zombiber sehen aus die Muppets und der Ablauf der Invasion der mutierten Nager ist ein einziges Zitat. Man bewegt sich so wie auf Schienen durch die angenehm kurz gehaltenen 67 (!) Minuten. Der Schluss bietet zumindest ein anderes Final Girl als erwartet („Final Girl“ ist im Horrorgenre die Bezeichnung für das Mädchen, das als einzige überlebt).
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Fazit
Vergleichbar mit grellen Schinken wie „Dead Snow“ (Nazizombies) und „Sharknado“ (Haie im Hurrikan) ist es auch „Zombiber“ durchaus möglich, der herausragend bekloppten Grundidee filmische Zusatz-Attraktion an die Seite zu stellen. Doch wo der Begriff Zombiber und der dazugehörige Trailer fassungslose Begeisterung und das Gelalle von „Kult“ heraufbeschwören können, muss sich der Film selbst natürlich mit weit weniger Fame zufrieden geben.
Ein bisschen glücklich, ihn nun wirklich gesehen zu haben, bin ich aber schon.

 

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