Freitag, 17.08.2018
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Jede Woche ein Rant. Heute… “nen”-Sager

Wer in Bezug auf Internet-Humor nicht aufpasst, bleibt irgendwann vielleicht doch bei Willy Nachdenklich, oder Tattoofrei oder – WLAN, bewahre – bei dem moralischen Postkarten-Opa Barbara hängen. Um möglichst vielen dieses Schicksal zu ersparen, haben wir bei kaput keine Mühen gescheut und das Autorinnen-Kollektiv des geilsten Facebook-Portal überzeugt, uns regelmäßig Content zu überweisen. Es geht um den Feelgood-Hass, der unter dem Banner “Jeden Tag ein Rant” steht. Bei uns nun eben einmal die Woche, für mehr sind wir zu alt. Thema heute: “nen”-Sager – ihr wisst, wer ihr seid!

rantta

Heute müssen wir uns mal ein bisschen linguistisch echauffieren. Es gibt diese Menschen, die – vermutlich aus purer Unreflektiertheit und nicht aus Dummheit oder Böswilligkeit – nur die Akkusativ-Form des unbestimmten Artikels verwenden und hier nur die verkürzte Form, also “nen”.

Das hört sich dann so an: “Lass doch noch ‘nen Bier trinken und dann gehen wir wirklich.”
Oder: “Ich bleib nur noch ‘nen bisschen liegen, dann steh ich auf, ich schwör.”
Oder auch: “Die Hausarbeit schreib ich dann einfach ‘nen anderes Mal, lol.”
(Quelle der Fallbeispiele: Jodel)

Vielleicht ist das auch Misophonie, don’t know, aber ich pack das einfach nicht, ich kann das nicht hören, da rollt sich meine Gebärmutter zusammen und wandert durch den Körper, ich werde also ‘n bisschen h-y-s-t-e-r-i-s-c-h bei der inflationären Verwendung dieses Wortes.

Gesprochen geht das eventuell noch so grade klar, aber wenn mir ein Typ nach dem Date schreibt “Das war echt nen gutes Treffen, lass mal nochmal machen”, ist es zwar nicht direkt over, aber er muss beim nächsten Mal schon viel Beauvoir zitieren und Gras spendieren, um das wieder auszugleichen.

Abgesehen davon ist mir sprachlich echt einiges egal, scheiß auf Genitiv, vergesst “lies”, sag einfach “les”, who cares, Zeiten ändern Sprache und Rechtschreibung ist auch nur der verlängerte Arm deines Nazi-Deutschlehrers, der dir 10 Jahre nach dem Abschluss immer nochmal eine watscht für ein falsches “das/ dass” oder ein missbuchstabiertes substantiviertes Adjektiv, Bastian Sick ist der größte Kek unter der Sonne und wer ernsthaft noch “seidseit.de” unter Kommentaren kommentiert, ist einfach too damn lost, ciao, ab ins Gulag.

Ich bitte euch also wirklich nur bei dieser einen Sache um ein bisschen *awareness*, thx (ok und “1” statt “ein” schreiben könnte man 2018 dann auch mal lassen).

Denn wir mögen Versager, wir lieben Nein-Sager aber wir rantenrantenranten einfach “nen”-Sager. Ciao.

P.S.: Hier noch nen Clip von nena.

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