Dienstag, 17.10.2017
Thomas Venker

Festival to go

 

Trevor Jackson

Quelle: Facebook, Trevor Jackson

Neulich berichtete Trevor Jackson mit seinem typischen, schön sarkastischen Humor vom Sónar Copenhagen, wo er den Auftrag hatte, Visuals für Kasper Bjørke zu gestalten. Das, was hinter dem Dänen auf dem Bildschirm erschien, war ein konsequenter Kommentar auf den Status Quo der Großevents für elektronische Musik heutzutage: viel TammTamm und wenig Ekstase!

Künstler, die von Auftritt zu Auftritt fliegen und ein Standardprogramm abspulen. Events, die in ihrer Beliebigkeit nicht gerade diesem Grundgefühl entgegenwirken und ein Publikum, das scheinbar gar nicht mehr die Sehnsucht nach einem Ort der Hingabe und des Eskapismus in sich trägt, sondern sich dem Größer, Schneller, Weiter willenlos und matt ergibt. Oder in seinen Slogans ausgedrückt: „More Famous Than You“, „In It For The Money“, „Pretend You´re Having A Good Time“ oder „The Next Band Is Better Than Us“ .

Sonar to go

Quelle: Sonar Festival Homepage

 

So, das waren jetzt einige Punkte, denen man folgen könnte. Worum es mir hier und heute geht, ist der Wanderzirkus, zu dem sich die meisten Festivals entwickelt haben, und die diesem Gesamtbild so zuarbeiten. Das weltweit führende Festival für elektronische Musik, das Sónar ist hier nur ein Beispiel, ein sehr gutes aber, da sie so etwas wie der Platzhirsch sind mit zig Happening-Festivals zwischen Reykjavik und Bogota. Doch sie sind schon lange kein Einzelphänomen mehr. Das Mutek, das in Montreal mit seiner diskursfreudigen Szene den Nährboden für elektronische Musik in Nordamerika gelegt hat, präsentiert sich aktuell noch in Mexiko Stadt, Barcelona und Bogota. Oder das polnische Festival Unsound, das, hervorragend zusammengestellt und sehr Künstlerorientiert angelegt, immer im Herbst in Krakau stattfindet, reist noch nach New York, London und Adelaide.

Jedes dieser Festivals hat seine ganz speziellen Künstler, die es an sich bindet und mit auf seine Welttournee nimmt – wogegen man ja primär nichts sagen kann, für Künstler ist es immer schön an einen Kontext anzudocken, für die Festivals wird es sich in der Summe der Bookings auch rechnen. Und so werden all diese krediblen Lineups mit den bekannten Namen in die Stadt der Akquise angeliefert, um die Muttermarke bekannter und bekannter zu machen. Natürlich werden dabei auch lokale Künstler mit eingebunden. Klar, es wird ja alles irgendwie richtig gemacht.

Aber wenn man doch mal ehrlich ist, dann fühlt es sich irgendwie auch nicht anders an, als wenn McDonald und Starbucks, H&M und ZARA ihre Läden in die Welt hinein tragen. Ich will doch in Kopenhagen nicht das Sónar erleben, oder in Bogota das Mutek, ich will vor Ort genau diese ganz spezielle Entdeckungsreise machen, die mir das Unsound in Krakau und das Mutek in Montreal und das Sónar in Barcelona ermöglichen. Ich zumindest würde mir wünschen, dass die Etats für Exportförderung hier vielleicht eine Spur sensibler eingesetzt würden. Man könnte sich doch auch gut ein lokales Festival vorstellen, das mit einem Showcase flankiert würde, aber eigenen Boden und Luft zum Gedeihen bekommt. Es wäre ein Bekenntnis zu mehr kultureller Vielfalt und weniger Gleichschaltung. Naiv, ich weiß, aber…

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