Donnerstag, 22.06.2017
Thomas Venker

Hadert mit gesponserten Postings

Heute soll es um das kleine Wort „Gesponsert“ gehen, das über nicht wenigen Einträgen in unser aller Timelines auf Facebook prangert.

Oberflächlich betrachtet handelt es sich dabei einfach nur um die Facebook Variante von dem, was man aus der Welt der Printmagazine als Advertorial kennt, also um von Marken platzierten Inhalt, der aber redaktionelle Klangfarbe und Erscheinungsbild atmen soll und weswegen es sehr wichtig ist, dass der Leser darauf hingewiesen wird, dass hier nicht die unabhängige Stimme der Presse spricht, sondern eben die Imitation eben jener – dass beides oft genug durch die gleichen Tasten eingegeben wird, gehört zu den zynischen Rahmenbedingungen von Medienproduktion.

Doch schaut man genauer hin, was uns auf Facebook so als „Gesponsert“ präsentiert wird, sind dies oft gar nicht solche eingeschlichenen Markenanliegen, sondern tatsächlich authentische Inhalte der Plattenfirmen, Künstler und Medien unseres Vertrauens. Also im Prinzip saubere Inhalte, um es ein bisschen moralischer zu formulieren. Das „Gesponsert“ schulden diese dem Fakt, dass gegen Geld hier die Reichweite zu vergrößern versucht wird. Denn das Steuerungssystem von Facebook (und anderen Social Media Playern) und seine Algorithmen sorgen dafür, dass nicht alle unsere Freunde und Fans und Interessierte unsere Beiträge zu sehen bekommen, sondern nur ein Bruchteil.

Nun ist es aber leider so, dass man heutzutage sehr stark auf dieses Gesehenwerden auf den Plattformen und den danach einsetzenden Strömen auf die eigene Seite angewiesen ist. Wir bei Kaput können da als neugestartetes Magazin aus erster Hand berichten. Natürlich ist es schwer, sich eine treue Leserschaft aufzubauen, die automatisch jeden Tag oder in ähnlich erfreulicher Frequenz auf unserer Seite vorbeischaut. In der Realität sieht es hingegen so aus, dass ein Großteil der Besucher in unmittelbarer Direktheit über die Postings auf Facebook und Instagram und das Teilen jener von anderen zu uns gelenkt werden. Wir wollen uns nicht beklagen, sind es doch schon derart viele, wie wir es uns selbst in unserer Anfangseuphorie nie zu erträumen gewagt hätten. Aber dennoch hat es einen komischen Beigeschmack, dass man so sehr an der Nabelschnur zu hängen scheint.

Die logische Ableitung wäre nun natürlich die Reichweite zu erweitern, in dem man auch die eigenen redaktionellen Postings mit einem „Gesponsert“ ausstattet. Nun haben wir dazu weder Geld noch passt uns das in den kaputen Kram.

So weit unsere Sache – aber das Gefühl, dass sich beim Nachdenken über solche Sachverhalte einstellt, eben jenes Gefühl führte mich auch zum Verfassen dieser Kolumne, die mehr eine mäanderne Frage als eine setzende Instanz ist diesmal. Denn dieses „Gesponsert“ löst ein gewisses Unbehagen bei mir aus, wenn ich es über den Beiträgen von mir eigentlich sympathischen Labels, Künstlern etc. lese. Es kratzt den Punk in mir heraus, der das dann nicht wahrnehmen will. Was natürlich irgendwie total blöd ist, denn in Magazinen schaue ich mir Anzeigen ja sogar gerne an. Aber hier fühlt es sich so seltsam untergejubelt an, weil dann doch oft nicht gleich wahrnehmbar bzw. im Strom der Ereignisse untergehend. Ich frage mich jedenfalls: geht nur mir das so oder reiben sich mehr an diesem „Gesponsert“?

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