Mittwoch, 13.12.2017
Thomas Venker

streichelt Klimaretter, Performing Arts und Groove

Die letzten Tage habe ich mal wieder in unserem Berliner Büro verbracht. Berlin an sich und die Beengtheit der Räumlichkeiten hat mich aber viel in die Büros der Anderen getrieben.

Die erste Stippvisite führte dabei in die Redaktion von Klimaretter.info, der von Nick Reimer und Toralf Staud gegründeten Plattform für Themen rund um die Klima- und Energiewende. Die neunköpfige Redaktion, die von freien AutorInnen, KolumnistInnen und KorrespondentInnen ergänzt wird, leistet beachtliche Aufklärungsarbeit in diesem hochbrisanten journalistischen Feld, auf dem sich viele Lobbyisten tummeln und Fortschritte oft nur mit der Lupe erkennbar sind, wenn überhaupt. Die Rahmenbedingungen sind im Kontrast zur globalen Reichweite des Themas tight, um es freundlich auszudrücken. Man sitzt auf gefühlten zehn Quadratmetern eng beieinander, fast alle haben nur eine halbe Stelle (zumindest faktisch, die Realitäten sehen immer anders aus) und müssen in der verbleibenden Zeit zusehen, dass sie mit freien Aufträgen die restlichen Einnahmen für ihren ganz privaten Break Even generieren. Es handelt sich also, um dieses seltsame Wort zu benutzen: um ÜberzeugungstäterInnen.

Man kann das gar nicht genug hervorheben. In Zeiten von stagnierenden Honoraren, gekürzten Redaktionsetats und des stetig steigenden Drucks auf Redaktionen müssen wir zumindest eine Kultur der sozialen Gratifikation pflegen. Wenn mir meine letzte Festanstellung, zu der auch die Führung eines Teams von um die 30 RedakteurInnen gehörte, etwas gelehrt hat, dann, dass man diesen gar nicht genug (positives) Feedback geben kann angesichts der allgegenwärtigen Bedrohungen. Hinter den Fassaden der Bürokultur findet man extrem viel Unsicherheiten und Ängste. Das fiese dabei, den Redaktionen fehlt allzuoft die Zeit für eben jene so wichtige Sozialität untereinander und mit ihrem (freien) Team.

Es muss ja nicht der „like“-Button sein, eine kurze Mail mal an die Redaktion eures Vertrauen, wie viel euch ihre Arbeit bedeutet, und ihr könnt euch sicher sein, dass diese Mail mal kein Spam sein wird.
Und nein, ich bettle hier nicht um Mails an Kaput! Das wär doch nur schäbig und falsch. Also meine Adresse ist thomas……

Den hier geschilderten Eindruck unterstrich die offene Kommunikation mit dem Plenum, die sich an meinen Vortrag beim Deutschen Theatertreffen „Performing Arts“ im TAK Theater im Aufbau Haus anschloss, den ich am folgenden Tag hielt. In diesem ging es um die heutigen Arbeitsbedingungen von Künstlern und Journalisten, angeregt von der „Insolvenz & Pop“-Reihe auf Kaput – für viele der Anwesenden bedeutete dieser Diskurs automatisch eine Auseinandersetzung mit Druck und Erwartungshaltungen sowie die Reflexion von Prozessen des Scheiterns – erfreulicherweise war die Diskussion aber auch geprägt von dem geteilten Gefühl, einen großen digitalen Möglichkeitsraum vor uns zu haben.

Nach soviel harter Arbeit und Nachdenklichkeit war es anschließend angemessen, die Feste zu feiern wie sie fallen, um Kaput Autor Jens Friebe zu zitieren. Schließlich soll es heute ja um Wertschätzung gehen.
Die Kollegen des Groove Magazins, für das ich selbst seit 15 Jahren immer mal wieder als Autor tätig bin, feierten das 25jährige Bestehen des Magazins im Berghain.
Man kann die Arbeit von Chefredakteur Heiko Hoffmann und seines Teams gar nicht hoch genug schätzen. In einem musikalischen Feld, in dem derzeit sehr viel Geld präsent ist, müssen sie trotzdem mit immer kleiner werdenden Budgets kämpfen. Was man dem Heft aber dank der großen Leidenschaft, das in die Produktion fließt, nicht anmerkt. Wo andere Titel sich unter dem Druck des Status Quo des journalistischen Marktes dem hilflosen Abarbeiten der Veröffentlichungszyklen ergeben, wird in der Redaktion der Groove noch immer in größeren Zusammenhängen gedacht, sei es mit historischen Specials oder eben, und noch viel spannender, mit aktuellen Verknüpfungen, dem Bemühen, Zeitgeist und Einflusslinien in ein für die Leserschaft greifbares Muster zu bringen. Das machen sie so gut, dass es wirklich eine Schande ist, dass sie ihre Beiträge nicht mit einem ordentlichen Etat ausgestattet so digital und international denken können, wie diese es verdient hätten. Gerade im Feld der elektronischen Musik ist es mir ein Rätsel, wie man sich diesem Schritt entziehen kann und nicht die englischsprachige Leserschaft anzusprechen versucht.

Zum Abschluss noch eine Anmerkung in eigener Sache. Ich war in der Redaktion von Klimaretter.info, da sie mich freundlicherweise mit einer Vollakkreditierung für den Weltklimagipfel in Paris Ende November / Anfang Dezember in ihr Team embedden. Zustande gekommen ist das durch das von uns bei Kaput veröffentlichte Interview mit Sabine Minninger von Brot für die Welt.

Ich freue mich sehr, in diese für mich als Kulturjournalisten (noch) so fremde Welt schauen zu dürfen. Ich bin mir sicher, dass ich an der Seite von Profis meinen anderen, naiven Blick auf die Dinge einbringen kann. Ihr werdet es auch hier auf Kaput verfolgen können.

 

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