Dienstag, 12.12.2017
Der schöne Text über den deutschen Filmpreis

Wettrülpsen, Busen, aufs Maul!

Über mysteriöse Wege ist Kaput, dem Magazin für Demut und Elite, ein preisverdächtiger Text über den Deutschen Filmpreis zugegangen. Die hoffnungsvolle Jung-Autorin Paula Schirmherr hat sich darin auf eine Reise ins Land von LSD und Kölsch nehmen lassen. Ein Protokoll des Wahnsinns – finanziert von Ihren Gebührgeldern!

 

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Autorin Schirmherr bei der Arbeit

Der erste Skandal gleich am Anfang: Auftritt Stefan Raab. Er, die Bühne betretend, zahnlachend, sich die Hände reibend, Menschen im Saal irritiert und bereits ahnend: Der Mann hat etwas zu verkünden. Ein Raunen geht durchs Publikum. Och neee. »Tja, da habt ihr euch wohl zu früh gefreut!«, ihm wachsen plötzlich noch mehr Zähne, »ich mach‘ jetzt in Kino!« Er ist ganz aufgeregt, Elton steht neben ihm und will ihm eine Zwangsjacke anziehen. »Stefan …, bitte, wir haben doch darüber gesprochen.« Stefan drückt auf Eltons Kopf, als wär’ dieser ein Buzzer: »Lass mich!« Stefan hat eine Power-Point-Präsentation mitgebracht, »Kino Total« soll sein neuester Coup heißen, jede Woche vier Kinofilme. Die Reaktionen bleiben verhalten, der Traum ist aus. Er wird von der Bühne gebracht und verkündet im Schwitzkasten der Security noch schreiend seinen Rückzug aus dem Fernsehgeschäft. Das Publikum twittert unruhig.

Die Nowitzki-Doku »Der perfekte Wurf« gewinnt irgendwas. Die Laudatorin hat bei der letzten Filmpreis-Aftershow-Sause das Wettrülpsen verloren und muss jeden schlechten Wortwitz über Dirk Nowitzki in der Rede unterbringen. Nowitzki überragend/ großes Kino/ treffsicher/ von uns bekommt der Sportler heute keinen Korb/ übertrifft bei Weitem … / Nowitzki in seiner größten Rolle/ verleiht dem deutschen Kino Größe … Stefan Raab, mittlerweile geknebelt, röchelt hysterisch, das Publikum weint. Nowitzki zeigt Größe und nimmt den Preis an. Allerdings ist er aus Amerika zugeschaltet. Verräter.

Apropos Naziskandal (ist schließlich immer noch Deutschland hier). Irgendjemand muss dringend etwas sagen, loswerden, möchte nicht länger schweigen, gerade in diesem Land… oder wenigstens mal die Fäuste sprechen lassen. Man liest es nachher auf den Titelseiten. Til Schweiger war’s – und schleppt sich die kommenden Wochen durch die Talkshows, um zu erklären, wie seine Backpfeife für den Schauspieler Elyas M’Barek eigentlich gemeint war. Jetzt aber erst mal: Erschrockene Gesichter im Publikum, nach Hashtags grübelnde Blogrebellen an den Geräten, zufrieden kritzelnde Society-Experten bei Sat.1. Man einigt sich schließlich auf #fist-you-göthe.

11218183_10205778799086791_170583265320655867_oNominiert ist Helene Fischer nicht, gewinnt aber trotzdem jeden zweiten Preis. Dabei hat sie gar keinen Film gedreht. Egal. Allerdings singt sie nicht, ist ja schließlich der Filmpreis. Publikum, staunend-entzückt im Chor: »unser Fräulein Wunder, [Herzsmiley]«. Helene fliegt auf einem weißen Tiger, erhaben winkend, davon. Stefan Raab transformiert mittlerweile zum Ungeheuer, ihm scheint das selbst gewählte Karriereende zu Kopf gestiegen.

»Victoria« – Regisseur Schipper gibt sein neuestes Projekt bekannt: Ein Film über Günter Grass. Es wird, wie bereits »Victoria«, ein One-Take-Film und es sollen die bedeutendsten Ergüsse des Literaten aufgegriffen werden. Schippers kündigt zudem an, dass es sich um den kürzesten Film, den es je im Kino zu sehen gab, handeln soll: Der erste One-Second-Film aller Zeiten. Hauptrolle spielt Günther Jauch, dem auch das Karriereende droht. Wieder Raunen im Publikum: Helene Fischer ist samt Tiger in den mittlerweile überdimensionalen Mund von Raab abgestürzt. Atemlos durch die Nacht / spür, was Öffentlich-Rechtliches Fernsehen mit uns macht.

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Jan Josef Liefers – Host und Hot Dog des Deutschen Filmpreis. Es ist so schrecklich, weil es wahr ist!

Jan Josef Liefers, Moderator der Verleihung, hat, aus lauter Liebe zu Anna Loos und Afrika, verschlafen. Doch dann eine schöne Überraschung! JJL gibt das Ende seiner Gesangskarriere bekannt: »Ich bin für Musik nicht geschaffen, ich mach jetzt nur noch Band Aid.« Er verteilt an das Publikum, charmant zwinkernd, Ferrero Rocher. Anna Loos stürmt herein, Lieferlein hat die Moderationskarten vergessen. Die beiden knutschen hemmungslos, Publikum entzückt, plötzlich wilde Orgie auf der Bühne. Helene Fischer endlich befreit, Stefan Raab mittlerweile zum Dinosaurier mutiert, Nowitzki Dank eines Schrittes nun doch in Deutschland (das ist lustig, weil er groß ist). Günter Jauch isst die Moderationskarten auf, Til Schweighöfer stirbt an Ferrero-Rocher-Erstickung, Nazi-Skandal abgewendet, die After-Showparty vorgezogen. Großes Kino, Hashtag Filmriss.

 

 

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