Sonntag, 24.09.2017
Vielleicht besser mal ein Buch lesen?

Die 10 miesesten Filme auf Netflix

Es ist sicher nicht bloß in Zeiten erhöhten Freizeitaufkommens hilfreich, sich durch die Tiefen des Netflix-Angebots zu wühlen – und der Community dann Empfehlungen auszusprechen. Mit Filmtipps kann man doch quasi immer was anfangen. Dennoch sollte man aber nicht verschweigen, dass man damit en passant auch kostenlose Werbung für einen kommerziellen Anbieter macht, dessen Algorithmus ganz sicher nicht aus Zuneigung die eigenen Filmvorlieben und Sehgewohnheiten speichert. Insofern ist es mir dann doch auch mal ein Bedürfnis meinem Text von vor einigen Tagen („11 Netflix-Highlights, die Du nicht auf dem Schirm hast“) mit diesem hier zu ergänzen. Von Linus Volkmann.

0xxxxx„Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere“
Was mir in der Kinokritik viel zu selten vorkommt, ist folgende Aussage: Die „Hobbit“-Trilogie von Peter Jackson ist bloß eine minderbemittelte Persiflage dessen, was filmisch und emotional noch bei dem „Herr der Ringe“-Gegenstück möglich war. Einzige Bindung an die Figuren: Man hasst sofort jeden einzelnen der Zwerge persönlich und auch Martin Freeman mit seiner eingefrorenen Mimik des Erstaunens beweist hier, dass sein Fame einem großen Missverständnis entsprungen sein muss. Das einzige, was in dem völlig überdehnten Null-Plot beeindruckt, ist die Tatsache, dass die Filme tatsächlich wieder in der Landschaft Neuseelands gedreht worden sein sollen. Jene hat die hirnvereiste Post-Produktion mit all ihren später schlecht reinanimierten Monstern und digitalen Passagen nachträglich jedenfalls komplett ausgelöscht. Kein Gefühl von Weite oder gar Epik, bloß Orcs-Faustkämpfe auf Bud-Spencer-Level und ein Creature-Design, dass sogar in der Retrospektive positiv über Jar-Jar Binks denken lässt!
Interessanter als diese Trilogie zusammen ist daher auch die (nicht auf Netflix verfügbare) Doku über die Entstehung des dritten Teils („Die Schlacht der fünf Heere“). Darin erfährt man, wie sich Regisseur Peter Jackson im Zeitdruck der Studios sich aufgerieben hatte. Die einstigen Start-Termine der Filme waren unverrückbar (immer an Weihnachten) – und so begann der Dreh zu den fünf Heeren seinerzeit, bevor (!) das Drehbuch geschrieben war. So sieht die Sache dann auch aus.

0x„Chasing Amy“
Sein kongenialer Debütfilm in Schwarzweiß über Nerds hinterm Verkaufstresen, „Clerks“ (1994), stellt nicht nur Segen sondern auch Fluch für die Karriere von Kevin Smith dar. In seiner vor einigen Jahren erschienenen Biographie (die wirklich „Tough Sh*t – Ein Fettsack mischt Hollywood auf“ heißt) lässt er das sogar selbst anklingen. „Clerks“ öffnete ihm ebenso Türen wie es seinen Regie-Stil korrumpierte. Kevin Smith verhob sich ein um’s andere Mal danach, das wird in seiner an Tiefpunkten reichen Filmographie besonders 2006 deutlich mit dem verzweifelten Sequel „Clerks 2“. Doch auch schon der zweite Film nach „Clerks“ ist ein Offenbarungseid. „Chasing Amy“ besitzt mehr Budget, hat dafür aber jeglichen Charme eingebüßt, konkret handelt es sich um eine Romcom, deren Handlung sich letztlich darauf runterbrechen lässt, dass eine Lesbe einfach nur den richtigen Mann braucht, um endlich „umgedreht“ zu werden. Völlig unironisch wohlgemerkt. Ganz schlimmer Film, der seltsamerweise immer noch als „ganz gut“ durchgewunken wird.

0xxx„The Green Lantern“
So prosperierend sich das Marvel-Universum ausmacht, so finster sieht es beim direkten Konkurrenten DC Comics aus. Wohingegen lange Jahrzehnte die Dualität zwischen einerseits Spiderman, Fantastic 4, X-Men (Marvel) etc. und andererseits Supermann, Batman (DC) etc. am Zeitschriftenkiosk stets sehr ausgewogen erschien, sieht DC auf der Leinwand nicht mal mehr Marvels Rücklichter. Deren Reihen „Avengers“ und „X-Men“ strotzen vor Strahlkraft und Zuschauerzuspruch. Während DC immer bloß wieder aufs Neue versucht, seine Gallionsfigur Superman zu rebooten. Ohne dabei wirklich einen Zündfunken zu erschaffen, der auch nur einmal irgendwas anfacht. Einzig die düstere „Batman“-Trilogie von Christopher Nolan stellt einen ernstzunehmenden Erfolg für DC dar. Richtig elend sieht es allerdings aus, wenn man ins eigene Superhelden-Ensemble abseits von Krypton und Fledermaus greift. „The Green Lantern“ ist aber auch in all seinem durchkalkulierten öden Plot und dem bonbon-artigen, von „Men In Black“ geklauten Design ein wirklich allzu dummer Film. Hier hat selbst der tumbe Mainstream abgedankt. Auf Netflix steht der Beweis wie eine Mülltonne, die nicht abgeholt wurde.

0xxxxxx„The Future“
Mainstream-Bashing ist letztlich zu easy? Möglicherweise! Aber ich habe auch für diesen Indie-„Klassiker“ den toten Frosch übrig, der ihm gebührt. „The Future“ von Miranda July ist ein Irrtum. So sympathisch die Künstlerin aus Washington in diesem arte „Durch die Nacht“ rüberkommen mag, so sehr lebt doch alles von ihrem großartigen Debüt-Werk „Du, ich und alle, die wir kennen“. Danach hatte sie freie Hand und ein Stein im Brett bei allen Indie-Stullen. In Folge wurde zuletzt der nicht gute Roman „Der erste fiese Typ“ als guter Roman verhandelt – und auch der rat- und ziellose Film „The Future“ soll angeblich Charme haben. Dass man davon allerdings überhaupt nichts sieht, davon soll sich der Zuseher nicht irritieren lassen, wird dennoch schon irgendwo sein, hat man halt gerade geblinzelt, oder so. Dabei ist Wahrheit doch viel einfacher: Es handelt sich einfach um einen sehr schlechten Film, der seiner eigenen Prämisse nicht gerecht wird.

0xxxx„Children Of Men“
Seinerzeit bei einem Besuch in Amerika (hört, hört!) habe ich den Film in einem Hotelzimmer geschaut. Via Pay-TV wohlgemerkt! Aus Geiz blieb ich dann sogar ganz dran, obwohl diese prätentiöse Dystopie in jeder einzelnen Einstellung darum bittet, man möge endlich aussteigen. Die Handlung dieses schlechtesten Science-Fiction-Films aller Zeiten versteigt sich in die Annahme, in einer Post-Apokalypse können keine Kinder mehr geboren werden und man latscht mit einer Schwangeren oder so herum über den Übungsparcours des lokalen Gotcha-Parkplatz (Anscheinend die Welt von übermorgen!) und wird aus unerfindlichen dauernd bedrängt, dazu wirft jemand immer wieder die Nebelmaschine aus der Disco von um die Ecke an. Leider gibt es bei Netflix keine Löschtaste!


0xx„The Book Of Eli“
Noch mal Post-Apokalypse in entsättigten Farben. Dieses inflationäre Setting bringt einfach auch viel Schund mit sich. Sein König: „The Book Of Eli“. Typ latscht linear und maulfaul die Story in Form eines staubigen Wüstenhalbmarathons ab. An paar Checkpoints gibt‘s aufs Maul und das Ganze Nichts sieht sich aber noch aufgeladen von esoterischem Gemurmel und der Tatsache, dass sich das Buch, um das gekämpft, nachher als die Bibel herausstellt. Vorsicht, Spoiler. Haha, sorry, zu spät! Aber wer sich diesen Film ansieht, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

 

 

… NOCH KURZ …

„Juno“
„Den fand ich aber so toll.“ Nonsens! Dieser Indieploitation-Movie ist ein perfides Anti-Abtreibungs-Märchen, das von der Pro-Life-Bewegung hätte verfasst sein können und Ellen Page als konventionell unkonventioneller weiblicher Teenie vermittelt etwas von filmischer Migräne.

„Daredevil“
Fast schon wieder geil, so deformiert abzuliefern. Aber es bleibt eben bei: Fast!

„Blade“
Bitte unbedingt nicht mit einem guten oder auch nur erträglichen Film verwechseln.

„Zodiac“
Die 70er-Jahre-Kulisse sieht so geleckt und clean aus. Jedes Bild schreit danach, für diese aseptische Inszenierung auch noch bewundert zu werden. Episches Thriller-Drama, dessen Handlung sich über Jahre zieht. Dennoch muss zum Schluss völlig sinnloserweise dauernd gerannt werden. Offensichtlich verwechselt Regisseur David Fincher Rennen mit Spannung. Wie alle Filme dieser Art, ist dabei auch „Zodiac“ mindestens eine Stunde zu lang. 2 Stunden 43 gedehnte Langeweile für den semi-schlauen Cineasten.

 

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