Dienstag, 30.05.2017
Feldreportage

Nie wieder Saalschutz – Mit dem Truck der schönsten Schweizer Band nachreisen

Unsere Außenreporterin für ganz besondere Fälle heißt Trucker Lena – und sie besitzt wirklich einen großen Wagen. Zusammen mit einem attraktiven Mann, auf den stets als “Der Anwalt” referiert wird, fuhr sie die komplette Abschiedstournee der Band Saalschutz mit. Leipzig, Hamburg, Nürnberg, Berlin. Soviele Kilometer passen auf keinen Tacho. Eigentlich wollte sie uns davon nur mit einer Bilderstrecke bedenken, doch es sind nun doch ein paar persönliche Worte mehr geworden. Zurecht. Wir freuen uns jedenfalls, wie in diesem Artikel Journalismus, Hingabe und auch ein wenig Stalking zu einem bestürzend intensiven Ganzen gesetzt werden. Tell your story, show your car, Lena!

IMG-20170512-WA0032Hier kommt nun meine Abschiedstour mit den Originators of Love (and Ravepunk) – wir hielten dabei in Leipzig, Berlin, Hamburg, Nürnberg.
Die Tränen sind noch nicht getrocknet, das ständige Grölen von Saalschutz’ Texten im ÖPNV durch mich und meinen Anwalt will einfach nicht nachlassen. Schon wenden sich Hipsterantifa und Bekannte nach und nach von uns ab, in Berlin muss es immer cool zugehen, lass dir deinen Kummer nicht anmerken, Silly! Aber es ist einfach nichts mehr, wie es war. Ohne Saalschutz macht selbst mit dem 2,5- Tonner perfekt rückwärts einparken in zwei Zügen als gut gebautes Grrrl unter Beobachtung von zwölf sabbernden Bauarbeitern nur halb so viel Spaß. Früher dachte ich immer, Saalschutz wären nichts für mich. Irgendwie habe ich es nie verstanden, wenn mein Anwalt jedes Mal kreischte, sobald das Gespräch in Richtung Schweiz oder Käse (damals waren wir noch vegan) oder so ging. Ich dachte damals einfach: „Der hat eh Schilddrüsenüberfunktion und kann sich für so einiges begeistern, dessen Reiz allen anderen Leuten komplett verborgen bleibt.“. Es vergingen die Jahre, aus Versehen besuchte ich das ein oder andere Saalschutz Konzert, #gruppenzwangoflove. Ich hatte einen leichten Crush, zu Beginn. Aber jetzt, im 18. Hochschulsemester, haben mich diese beiden über’s lange Wochenende zu einem Love Monster gemacht.

4 Tage, 4 Konzerte, diese ganzen Songs, immer wieder. 1500 Kilometer in einem VW T4 auf dem technischen Stand von 19, 2 & 90. Neue Lieblingslieder, alte Lieblingslieder. Ein kleines bisschen Pyrotechnik, kein Grund zur Panik, Trucker! Hippies mit Wunderkerzen (eigentlich schon ziemlich zum Kotzen), jetzt auf einmal schöhön! Haben ab und zu die Leute vielleicht sogar im Bierzelt- Style mitgeklatscht? (Quasi) Egal. Die Sprechchöre? Sühüß! Sozialpädagogische Hinweise von MT Dancefloor („Leute, passt bitte ein bisschen aufeinander auf, hier vorne wurde gerade einer Person in den Bauch getreten“)? Herzallerliebst! Konfettikanonen? Wie stimmungsvoll! Love hat manchmal aber ja da ihre Grenzen, wo ihre Ausdünstungen zu riechen sind.

Nürnberg war so ein Dämpfer zum Schluss, hier raucht indoor wohl tatsächlich keine_r. Dafür liegen in der Luft das best of von Schweiß, Fuß, Furz, Bierrülps und balea-Aftershave für sensible Haut. Bitte, ihr Bayer_innen, sagt eurer CSU mal, dass davon vielleicht zwei, drei Leute weniger an Lungenkrebs sterben, aber denen das Leben sicher keine Freude mehr macht. Auch fortpflanzen will sich in dieser Atmosphäre doch wirklich kein Mensch mehr. Selbst der Sound war hier gruselig clean.

In Berlin: natürlich, zu leise, in diesem wohnzimmerhaften Monarch am Kottbusser Tor. Immerhin trauten sich die abgeklärten Hauptstadt Kids ab circa der Mitte des Konzerts sogar zu dancen, zu schunkeln und zu springen.

Hamburg war eine Art Fortsetzung, mit lauter.

Leipzig, da fing es an. In diesem super Institut für Zukunft. Locals, die uns im Auto später zum Späti brachten, sagten: „Das ist das Berghain von Leipzig“. Naja, you wish? Also: zum Glück nicht, finde ich. Ansonsten, ach, was soll ich hier noch die besten Lines rumzitieren, hört euch doch bitte das Gesamtwerk (#oeuvre) noch mal selbst durch die Tage. Und an den Tagen danach auch. Und nehmt es auch euren Eltern auf Kassette auf, bitte. Und hey, der Plan hier war eh: Foto Love Story (siehe Bilder)

P.S. Flumroc, hätten wir beide Kinder, wären sie sehr musikalisch und hätten wunderschönes Haar. Just sayin’!

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Dass die Kassette als Medium tot sei, versuchen uns schimmelige Plattenfirmen nun schon viele Jahre zu erzählen, der Sound soll ja auch “so schlecht” sein. Nimm das, Universal, meine Karre hat Tapedeck! Forever and ever

 

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Schon damals, im Religionsunterricht in der 4. Klasse in Bayern, gab es das Gerücht, man dürfe Götter (oops) nicht fotografieren. Im gottlosen Osten aka Leipzig wurde das immer noch praktiziert. Linksradikale sind doch really auch nur Sittenwächter_innen in disguise!

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Wenigstens drogenaffin.

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In gewisser Weise ist Saalschutz jetzt ja wie das Verlieben. Ich nehme mir immer vor, es nicht mehr zu machen. Das Scheiden tut ja immer so weh! Vor allem in Zeiten von #ghosting und alike. Aber dann passiert es dir doch immer wieder. Und das ist okay.

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Ein dreckiges Klo für die zwei schönsten dreckigen Zwei. Aber Hej, wenn es euch zu eklig ist, MT und Flummi, ich hab eine Urinflasche im Auto, die dürft ihr auch mit mir benutzen. Schuhe ausziehen im Bus! Ich schlaf’ da drin!

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Selbst die AIDA in Hamburgs Hafen kündet davon: Saalschutz sind in der Stadt.

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Immer will irgendwer irgendwas anzünden. #erlebnisorientiertejugendbanden

 

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“Vom Label zum Ausverkauf gezwungen”. Naja, es mussten ja schließlich auch die Gaststars bezahlt werden, Torsun und dieser andere mit Bart.

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Der Anwalt hat sich extra Glitzer auf den Kopf gemacht.

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Oder waren das doch die Hippies, die das Zeug überall hingelegt haben als wäre Fusion oder so n Scheiß?

 

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Saalschutz können auch “Distant Popstars”.

 

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