Mittwoch, 22.11.2017
Lena Willikens

„Phantom Delia“ Videopremiere

Mit ihrer Debütveröffentlichung „Phantom Delia“ spricht die Kölner Produzentin und Dj Lena Willikens dem Kontrollverlust das Wort. Gedankt wird es mit heulenden Wölfen und orientierungslosen Nilpferden – und das ist dank der tollen Videoclipserie zur EP auch bildlich zu verstehen.

Gemeinsam mit der Kölner Künstlerin und Kaput-Collagistin Sarah Szczesny hat Willikens zu jedem Song der Platte einen Clip produziert. Nach „Howlin Lupus“, „Nilpferd“, „Noya Noya“ und „Asphalt Kobold“ freut sich Kaput nun sehr, dass wir den fünften Clip der Serie bei uns debütieren dürfen
„Phantom Delia“ entführt uns in die Welt der Berber. Aber seht selbst:

Der Sentimentale Flashback der Lena Willikens

Lena Willikens ist eine Künstlerin, die sich in ihren Sets und Produktionen nicht bequem einrichtet möchte. Wo andere den einmal gefundenen Sound sicherheitsbewusst beibehalten, sucht sie geradezu die Herausforderung. Ihre Sets leben von der Vielfältigkeit der berührten Genres und der energischen und zugleich gefühlvollen Art, wie sie Wave, Electro, Techno sowie Sounds aus eher ungewöhnlichen Clubgefilden wie Ethno- und Obskure Musik mit einander verwebt. Ein Stil, den sie mit ihren liebevoll zusammengestellten „Sentimental Flashback“ Sendungen auf Radio Comeme über die Jahre perfektioniert hat. „Ich merke jetzt so langsam, wie sich alles bei mir gegenseitig befruchtet“, merkt sie an. „So gerät man nicht in Routinen. Die nicht Dancefloor orientierte Radioshow zum Beispiel beeinflusst meine DJ Sets.“

Gerade die Dj Sets erfordern aufgrund der Sensibilität, mit der Willikens herangeht, viel Zeit und Energie. Wie wenige andere reflektiert sie intensiv Land, Clubgröße, Settime, die anderen Djs und Aspekte wie welche Drogen auf der Tanzfläche wohl am präsentesten sind. „Ich nehme mir viel Zeit zum vorbereiten, da ich mich ungerne wiederhole“, erzählt sie. „Das kommt schnell vor, wenn man die Platten zu schnell in die Tasche wirft. Außerdem überlege ich mir eine Dramaturgie, die aber nie so richtig aufgeht, da man sich ja auf die Leute einlassen will. Das sind so Ideen, dass man nach einer Phase des Gasgebens die Tanzfläche wieder runterholt, sphärischer wird.“

Alles Aspekte, die auch auf „Phantom Delia“ Einfluss genommen haben, ihre Debütveröffentlichung auf dem Berliner Comeme Label. Dass dieses erst jetzt erscheint, liegt an den vielen Spielwiesen, auf denen die sich selbst absurderweise als undiszipliniert bezeichnende Künstlerin aktiv ist: gemeinsam mit Kreidler Mitglied Detlef Weinrich betreut Lena Willikens das Booking im Düsseldorfer Salon des Amateurs, mit Melanie Wratil unterhält sie die Noisewaveband Titanoboa, und dann arbeitet sie auch noch zeitweise in den Kölner Plattenläden Groove Attack und A-Musik.

Hört man nun „Phantom Delia“, so will man auch gar nicht hadern mit all diesen Verzögerungen, denn sie haben die sechs Stücke der Veröffentlichung zu etwas reifen lassen, das von großer Tragweite ist. Willikens entwirft eine düstere, geisterhafte, gefährlich köchelnde Grundstimmung, irgendwo zwischen Wave-Electro und Oriental-Techno. Hier heulen die Wölfe, stöhnt die Künstlerin, verliert das Nilpferd die Orientierung und vibrieren die Beats, Claps und HiHats.

„„Ich fühle mich wie ein Puzzle aus einer Millionen Einflüsse, über das ich keine Kontrolle habe“, führt Willikens aus. „Obwohl ich immer mit einer bestimmten atmosphärischen Vorstellung wie ein Stück klingen soll, beginne, verliere ich im Verlauf die Kontrolle über es komplett – aber das ist ein schönes Gefühl.“ Denn so Detailversessen, sorgfältig und selbstkritisch sie bei der Arbeit vorgeht, so sehr mag sie es, wenn die Dinge einen eigenen Lauf bekommen.

Matias Aguyao, der Betreiber von Comeme Records, spricht davon, dass Lena Willikens schon immer ein Star war. Damit meint er, dass sie eine einnehmende Präsenz besitzt. Das hat viel mit ihrer Freudigkeit am Diskurs zu tun. In Zeiten, in denen erfolgreiche weibliche Djs wie die BBC1-Radiomoderatorin Annie Mac den feministischen Diskurs innerhalb der elektronischen Musikszene beendet sehen wollen, ist es ihr ein großes Anliegen, dieses Thema auf der Agenda zu halten. „Ich finde es schade, dass alles noch immer so Männerdominiert ist“, betont sie. „Das sieht man unter anderem daran, dass ich oft die einzige Frau im Lineup bin. Natürlich kann es nicht das Ziel sein, nur gebucht zu werden, weil man eine Frau ist, aber grundsätzlich sollten die Leute die Unausgeglichenheit wenigstens reflektieren, wenn sie schon nicht gewillt sind, sie zu ändern.“

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