Freitag, 15.12.2017
Auf dem Pop-Kultur-Festival mit Torben Hodan

“Für mich persönlich bedeutet „Do it yourself“ auch immer ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit.”

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Photo: Torben Hodan

Vom 26.-28. August fand im Berghain zu Berlin das erste Pop-Kultur-Festival statt. Neben dem liebevoll zusammengestellten Konzert- und Dj-Programm wartete das Festival zudem mit Vorträgen und Workshops auf, bei denen so unterschiedliche Personen wie Matthew Herbert, Tim Renner und Anne Haffmans  jungen Produzenten, Autoren und sonstigen am Popbetrieb Interessierten aus ihrem Alltag berichteten.
Kaput sprach mit Torben Hoden, der am Nachwuchsprogramm teilgenommen hat, über seine Erlebnisse während des Pop-Kultur-Festivals. Fotos: Pop-Kultur. Videoclipauswahl: Torben Hodan. 

 

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Torben Hodan

Torben, bitte erzähl zunächst ein bisschen zu deiner Person und deinem inhaltlichen Hintergrund?

Letztens hat ein Freund über mich gesagt: „Das ist Torben, er studiert im Master Medien und Musik in Hannover und seine Hobbies sind Medien und Musik“ – das trifft es sehr gut. Ich war schon immer relativ viel auf Konzerten unterwegs und bin dann glücklicherweise während meines Medien-Studiums im beschaulichen Ilmenau (Thüringen) zum Studentenradio kommen. Dort habe ich schnell gemerkt, dass mir Berichte und Interviews über Musik große Freude bereiten, ich das ganze aber auch außerhalb des Radios aufbereiten möchte. Deshalb habe ich vor gut eineinhalb Jahren mit „Diffus“ mein eigenes Online-Magazin gegründet. Musikalisch darf es dann meist gerne Indie-Pop oder HipHop sein.

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Rock´N´Roll Highschool (Photo: Roland Owsnitzki)

Was hat dich dazu bewogen, dich um die Teilnahme an den Seminaren und Workshops im Rahmen des Pop-Kultur-Festivals zu bewerben?

Ich fand zunächst die grundsätzliche Idee von Pop-Kultur sehr schön. Workshops in ein Festival zu integrieren, ist natürlich nichts Neues, aber diese explizit an den Nachwuchs, also an junge Musiker, Journalisten oder angehende Branchenkräfte zu richten, ist ein sehr gutes Signal. Durch mein Studium in Hannover und mein Online-Magazin habe ich zwar immer mal wieder die Möglichkeit mit Journalisten oder Labelmitarbeitern zu sprechen, jedoch hat mich das hochkarätig besetzte Speaker-Lineup total überzeugt. Da ich meine Zukunft auch ganz klar in der Musikbranche sehe, ist es immer von Vorteil möglichst viele Meinungen und Fakten über das Arbeitsumfeld zu erfahren, aber auch Anregungen für eigene Projekte zu sammeln.

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Maurice Summen und Anne Haffmans (Photo: Roland Owsnitzki)

Du hast an den beiden Tagen ja ein abwechslungsreiches Programm belegt: Meta-Diskussionen zur Labelarbeit mit Maurice Summen (Staatsakt) und Anne Haffmanns (Mute/Domino) sowie zum Management mit Sandra Passaro, angewandter Musikjournalismus mit Jens Balzer (Berliner Zeitung) sowie eine praktische Einführung in den Dreh von Videoclips von Stephanie von Beauvais, die auch schon für Tocotronic tätig war. Welcher Programmpunkt war denn der spannendste und warum?

Das Programm durften wir glücklicherweise selbst auswählen und wenn man schnell beim Wählen war, konnte man auch all seine Vorlieben besuchen! Dadurch, dass mein Programm wirklich sehr abwechslungsreich aussah, ist es sehr schwierig ein Seminar als spannendstes herauszustellen. Aber ich war von Maurice Summens und Anne Hafmanns Vortragsstil sehr angetan, dazu haben beide auch gute Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Wirklich toll war aber auch die Einführung in die Produktion von Musikvideos mit Stephanie von Beauvais - wer ihre Videos kennt, weiß, dass sie großartige Ideen hat. Einige Tipps von ihr zu bekommen, war eine schöne Erfahrung.

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Rock´N´Roll Highschool (Photo: Roland Owsnitzki)

Wie hat man sich die Seminare denn rein praktisch gesehen vorzustellen? Waren das eher Vorträge oder waren sie interaktiv auf Diskussion und Kommunikation angelegt?

Das war sehr unterschiedlich: die Diskussion über Labelarbeit begann zum Beispiel mit einer Einführung über die Tätigkeiten eines Labels und endete mit einem offenen Gespräch. Bei Stephanie von Beauvais war das ganze eher als Vortrag angelegt und beim Journalismus-Workshop mit Jens Balzer wurden schon früh Diskussionen über die Entwicklungen von Print und Online geführt. Am Ende beziehungsweise während eines Workshops hatte man aber immer die Möglichkeit Fragen zu stellen oder auch im Anschluss noch mit den Vortragenden zu sprechen. Jens Balzer bot sogar an, eine Konzertreview von einem Pop-Kultur Act zu verfassen, zu welcher er dann einige Hinweise geben würde.

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Tim Renner von hinten (Photo: Roland Owsnitzki)

In dem Spektrum der Themen steckt ja auch drin, was im fünften Programmpunkt, den du belegt hast, das Thema war: „Do it yourself“, erklärt von Dora Kehr. Wie hat man sich das vorzustellen?

Dora Kehr hat besonders darüber gesprochen, was man bei einer Labelgründung beachten sollte. Sie hat als Musikerin ja selbst ein Label gegründet und deshalb vor allem die anwesenden Musiker angesprochen. Der „Do it yourself“-Gedanke zog sich aber tatsächlich durch alle Seminare des Pop-Kultur-Festivals und das hat einen einfachen Grund: egal ob für Journalisten, Manager oder Musiker – es wird immer schwieriger von Musik zu leben, dazu aber einfacher, alle Fäden selbst in den Händen zu halten. In gewissem Maße ist man heutzutage also gezwungen, einen Großteil der Arbeit selbst zu erledigen, was durch Portale wie Bandcamp oder einfach aufzusetzende Blogs natürlich sehr gut funktionieren kann.

Und ist das nicht letztlich sowieso schöner und der einzig richtige Weg? Oder empfindest du es als Belastung?

Für mich persönlich bedeutet „Do it yourself“ auch immer ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit, viel schöner ist es dann noch, wenn man damit erfolgreich sein kann. Ich glaube, dass es heutzutage keinen „einzig richtigen“ Weg gibt, kann aber nur jedem empfehlen, möglichst lange (am besten für immer) die Kontrolle über seine Werke, Ideen oder Arbeit zu behalten. Ich kann mir auch vorstellen, dass es für viele eine Belastung darstellt, für alles selbst verantwortlich zu sein und keine Absicherung, zum Beispiel durch ein Label, zu besitzen.

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Workshop mit dem Fotografen Ben Biel (Photo: Roland Owsnitzki)

Denkst du denn, dass heute eher der Allrounder als der Fachmann gefragt ist?

Ich denke Fähigkeiten eines Allrounders sind besonders im Musikbereich von großem Vorteil. Als Journalist sollte man ebenso über die Abläufe innerhalb der Musikindustrie Bescheid wissen, wie ein Musiker über die Arbeit eines Journalisten Bescheid wissen sollte. Ich merke bei meinem Online-Magazin auch immer wieder, dass ich an verschiedenen Punkten entweder Journalist, Grafiker, Social-Media Writer oder Kameramann sein muss. Wenn es dann um speziellere Aufgaben geht, sind Fachleute aber immer noch sehr wichtig. Eine gesunde Mischung aus Allroundern und Fachleuten macht ein wirklich gutes Team aus.

Du betreibst mit Diffus ein eigenes Online-Magazin – hast du während des Popkultur-Festivals und der Workshops / Seminare denn auch dafür neues Wissen mitgenommen?

Im Zusammenhang mit den Workshops sind mir ein paar Dinge eingefallen, die man eventuell zu eigenen Formaten für mein Online-Magazin weiterentwickeln könnte. Was sich davon aber letztendlich umsetzen lässt, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Zusätzlich hatte ich auch die Möglichkeit, sehr talentierte Menschen während der Workshops kennenzulernen. Mit diesen Leuten könnte man in Zukunft eventuell auch zusammenarbeiten.

Lass uns noch kurz zum Popkultur-Festival selbst kommen. Wie hast du das denn generell empfunden?

Ich fand die Atmosphäre des kleinen Festivals sehr gut, da ich kein Freund von Massenveranstaltungen bin. Die Konzerte fanden ja im Berghain statt und waren allesamt sehr angenehm gefüllt. Jedoch war die Idee, Tickets für einzelne und vorgegebene Veranstaltungsmodule kaufen zu müssen etwas schwierig. Für mich macht da ein einfaches Tagesticket mehr Sinn. Alles in allem hat mich das Pop-Kultur Festival aber überzeugt, wenngleich es nach einer Premiere immer Verbesserungsbedarf gibt.

Welche drei Shows / Programmpunkte haben es dir besonders angetan und warum?

Ich bin immer noch beeindruckt vom Auftritt der Leipziger Formation Zentralheizung of Deaths des Todes. Die Band hat mit ihrer wahnsinnigen Energie die Kantine am Berghain zum kochen gebracht und Schlagzeuger Christian „Kirmes“ Kühr hat dabei unnachahmlich das Tempo vorgegeben. Auch ihr aktuelles Album „Would You Rather…?“ kann ich wärmstens empfehlen. Daneben war natürlich auch die Premiere des von der Band Fenster produzierten Films „Emocean“ ein Highlight. Parallel zur Vorführung ihres psychedelisch anmutenden Films hat die Band den Soundtrack gespielt – absolut sehenswert! Auch das Konzert von Owen Pallett & Stargaze oder das DJ Set von Wooden Wisdom (alias Elijah Wood) waren sehr schön. Zusätzlich hätte ich mir auch noch sehr gerne die Lesung von Bernard Sumner angehört, aber da war ich leider schon wieder auf dem Heimweg.

Hattet ihr eigentlich Zugang zum sogenannten Disco Garten und somit die Möglichkeit auch abseits der Seminare mit den Dozenten zu sprechen?

Leider hatten wir keinen Zugang dorthin, was aber sicherlich sinnvoll gewesen wäre! Vielleicht auch ein kleiner Verbesserungsvorschlag für das nächste Jahr.

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