Samstag, 23.09.2017
Sara Hartman

“Eichhörnchen”, “Fressen” und “Hurensohn” – Sara Hartman über ihre Musik & das Leben in Berlin

Sara Hartman kommt aus New York, genauer gesagt aus den Hamptons. Dort, wo die Stars Urlaub machen oder gleich schon die geilsten Häuser besitzen. Doch Sara ist keine Paris Hilton, keine Tochter wohlhabender Eltern, ihr Vater arbeitet viel eher als Handwerker in der Oase der Reichen und Schönen. Ein Leben zwischen Prunk und Lieferanteneingang. Sara hat vor knapp zwei Jahren dieser Heimat den Rücken gekehrt und wohnt seitdem in Berlin. Gemeinsam mit Tobias Kuhn nahm sie Songs auf, ging auf Tour, drehte Videos. Der Mut hat sich gelohnt, Mit ihrer Stimme und ihrer Präsenz ist Sara Hartman bereits vor der Veröffentlichung ihres Debüt-Albums erstaunlich weit gekommen. Zu ihrem neuen Clip “Satellite” und zum neuen Leben in Deutschland haben Linus Volkmann und Tanita Sanft ihr ein paar Fragen gestellt.

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Foto: Jennifer Stenglein

Was ist die Geschichte zu dem Song “Satellite”?
„Satellite“ stellt für mich einen Wendepunkt dar als Songwriterin. Davor habe ich stets Geschichten von anderen geschrieben oder über Dinge, die ich gehört hatte. Mich hat das alles inspiriert, aber um meine eigene Story zu Papier zu bringen, fühlte ich mich zu verletzlich. Als ich mich dann an „Satellite“ setzte, war ich gerade nach Berlin gekommen, alles ging so richtig los. Ich befand mich dabei auf der anderen Seite der Welt, vermisste meine Familie, weil ich die Chance nutzen wollte, das zu tun, was ich liebe. Mit „Satellite“ gab ich mir dann einen Freischuss, ich habe einfach das, was in meinem Kopf vorging, niedergeschrieben – ohne lange drüber nachzudenken. Raus kam eine Art Liebeslied, aber für mich ist es die Hymne für dieses große neute Kapitel meines Lebens.

Ihr habt zu dem Stück auch gerade ein Video gedreht. Was wird dir von diesem Dreh am meisten in Erinnerung bleiben?
Ohne zu viel zu verraten, für alle, die den Clip noch nicht sehen konnten… Er beinhaltet etliche Explosionen. Natürlich kann man sowas heutzutage einfach mit dem Computer machen, allerdings bestand Thomas James, der Regisseur darauf, dass alle Detonationen echt sein sollten! Das würde dem Look des Videos gut tun – und damit hatte er verdammt Recht gehabt. Bei meiner Musik gehe ich ja einen ähnlichen Weg. Allerdings stellte es schon eine große Herausforderung dar, nicht zu zucken, wenn direkt über deinem Kopf Feuerwerkskörper in die Luft gehen. Da die Explosionen in Zeitlupe zu sehen sind, durfte ich wirklich keine Regung zeigen – und bot die beste Actionhelden-Performance auf, die ich zu bieten hatte.

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Was sind deine drei Lieblingswörter auf deutsch, die du das letzte Jahr gelernt hast?
Eichhörnchen – Seit ich gelernt habe, wie man es ausspricht, ist das Wort eins meiner absoluten Lieblinge geworden.
Fressen – Ich denke, es ist echt cool, dass es in Deutschland zwei verschiedene Wörter dafür gibt, wenn Menschen oder Tiere Nahrung zu sich nehmen. Irgendwie poetisch.
Hurensohn – Eins meiner liebsten Schimpfworte von den vielen, die mir letztes Jahr beigebracht wurden.

Welches amerikanische Produkt vermisst du in Deutschland am meisten?
Es gibt in den Staaten so rote Gummitiere, die heißen „Swedish Fish“. Es bricht mir das Herz, dass es die in Deutschland nicht zu geben scheint. Aber gerade bin ich ja in den USA, da werde ich mich schön mit „Swedish Fish“ eindecken.

Was für Differenzen im Umgang fallen jemandem, der von New York nach Berlin zieht, besonders auf?
Den größte Kulturschock stellte wohl die deutsche Direktheit dar. Wenn jemand aus Deutschland etwas denkt, dann sagt er es dir auch so. Dadurch habe ich im letzten jahr definitiv ein dickeres Fell entwickelt. Zuerst hielt ich diese Art für unglaublich unhöflich, aber dann merkte ich, wie erfrischend diese Offenheit im Vergleich zu der amerikanischen Art, sich auszutauschen, ist. Es gibt spürbar weniger hinter dem Rücken anderer zu sagen, wenn die Möglichkeit besteht, vorher schon einfach straight seine Meinung zu sagen. Das macht viele Dinge viel unkomplizierter. Ich habe einen großen Respekt vor der deutschen Ehrlichkeit bekommen.

Wie haben sich deine Essgewohnheiten im Vergleich zu früher verändert?
In Berlin gibt es viele vegane Restaurants und es gibt überall gesundes Essen. Wenn ich mich jetzt wieder in Amerika befinde, kommt mir dort alles vor wie in Zuckerguss getunkt. Klar, schmeckt vieles für mich hier einfach nach Heimat und köstlich, aber in Berlin esse ich gesünder. Naja, aber wenn ich jetzt aus Deutschland gerade weg bin, komme ich zumindest bisschen runter von meiner hohen Döner-Quote…

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