Mittwoch, 15.08.2018
*get stabbed

Kaput Dump (#1) – Memes aus dem Zwischenspeicher

Unsere neue Rubrik trägt einige der kunstvollsten Internet-Gags der letzten Zeit zusammen. Und sie versucht sich an einer Analyse. Was sagen Memes, lustige Tweets oder Diagramme über den Zustand des Humors und den Zeitgeist aus? VON FELIX SCHARLAU

Wer klug ist, geht zum Lachen nur noch in den vielzitierten Keller, wenn es dort Wlan gibt. Denn die vermeintlichen Amateure auf Imgur, Twitter, Reddit und Co. definieren im Internet längst den Humor der Zukunft. Gegen deren Radikalität und Freshness wirkt mancher Late-Night-ShowStand-up wie das Werk von Heinz Erhardt. Beweise? Gerne, dafür haben Sie ja geklickt.

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An den Anfang jeder neuen Kolumne gehört ein Klassiker. Das „Zookeeper“-Meme ist seit mindestens 2017 in Umlauf, der Urheber kaum noch zu recherchieren. Der Gag wurde vielfach geklaut, oft auch als reiner Texttweet. Dabei dürfte das oben die Originalform sein. Entgegen der Prinzipien des Meme-Games tauchte das Foto übrigens bisher kaum mit anderen Dialogen im Netz auf. These: Der Witz oben über den naiven Bullen, der entweder zu ängstlich oder – noch schöner – zu verliebt in Enten ist, um nach den entflohenen Tigern zu suchen, ist schlicht zu perfekt. Ich google dieses Meme regelmäßig, wenn es mir schlecht geht. Es ist wie ein kleiner Urlaub. Und dazu noch perfekt getextet.

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Wer kennt es nicht? Überraschend wurde zum Essen eingeladen und man erfährt es wieder als Letzter. Die Vorstellung, dass jemand genervt-routiniert nach der Leiter greift, um den exzentrischen Gast wieder mal vom Dach zu holen, erscheint mir persönlich phantasievoller als ein vierstündiges Bühnenprogramm von Dieter Nuhr.

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Der größere Witz scheint mir bei längerem Nachdenken weniger die zugegeben clever inszenierte Vertauschung von „Coke“ und „Coke“, sondern das herrlich lapidare *gets stabbed am Ende. Macht eigentlich jede Geschichte lustig, probieren Sie’s mal aus: „Endlich! Mit dem heutigen Tage habe ich das Rentenalter erreicht! Juhu!!!“ *gets stabbed. Sehen Sie?

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Die pathetische Eskapismus-Mentalität rührseliger Naturliebhaber – zerstört in fünf Wörtern ohne Interpunktion. Das hat gesessen. Danke, Internet.

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Nihilistische, selbstironische oder depressive Memes boomen. Warum, ist klar. Die Zielgruppe dieser Humorfarben im Netz ist riesig. Das Sujet wirkt gleichzeitig wie ein Schleusentor zur Comedy-Königsdisziplin: dem schwarzen Humor. Eine Erzählerfigur, die seit Monaten als eine Art Subgenre davon durchs Netz geistert, ist die des traumatisierten Erwachsenen, der immer noch nicht darüber hinweg kommt, einst vom Vater verlassen worden zu sein. Kein Witz, das ist seit Frühjahr 2018 ein echter Trend. Man möchte weinen und lachen gleichzeitig. Ganz großes Meme. ON THE NEXT KAPUT DUMP: Irgendwas mit Katzen!

Felix Scharlau verdient seinen Lebensunterhalt mit Memes und sieht sie lieber als Netflix. Er hofft trotzdem, nie selbst zu einem zu werden.

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