Montag, 26.06.2017
CD-Kollektion am Abgrund

Die 9 schlimmsten Compilations, die ich besitze (und warum ich sie noch nicht weggeworfen habe)

Die Verheißung von Nichtstun ist ja meistens nur so lange herrlich, bis sie dann tatsächlich eintritt. In echt wird die Abwesenheit von Beschäftigung schnell zur Vorstufe der nächsten Depression. Zu-Sich-Selbst-Finden als handfeste Bedrohung. Also lieber aufräumen, ausmisten.
Im CD-Regal bis „D“ wie „Diverse“ gekommen – und gestaunt. Ich war wirklich mal Musikredakteur? Kaum zu glauben angesichts dieser „Schätze“, die ich über die Zeit zusammentrug. Die neun schlimmsten mal nebeneinander gelegt. Nicht erschrecken!

20160329_123055_resized

Diverse „PARTYALARM – APRÈS SKI 2006”
Vor etlichen Weihnachten bei Vater aus dem staubigen Volksmusik-CD-Stapel in der Bauernecke „mitgenommen“. Erklärung: Eltern in Bayern hören eh keine Musik, da kann man sich doch mal was ziehen. Sicher trotzdem schlecht fürs Karma. Selbst wenn mein Interesse nur einem Stück galt: „Ich glaub, es geht schon wieder los“ von Roland Kaiser. Don’t judge me, ich bin Trinker.

 

 

 

20160329_123103_resized

Diverse „DIE ULTIMATIVEN FUSSBALLSONGS”
Bei Oxfam gekauft, weil ich mal irgendwas zu cheesy Fußballsongs machen wollte. Irgendeine Ausrede braucht man halt immer, um aus 2nd-Hand-Läden nicht mit leeren Händen rausgehen zu müssen. Herz, wem auch so geht! Auf der CD jedenfalls: „Far Away In America“. Village People gemeinsam mit der deutschen Nationalmannschaft – eine Postkarte aus dem ultimativen Darkroom der Fußball-Song-Hölle.

 

 

 

20160329_123112_resizedDiverse „BIG IN UK – THE BIGGEST SMASH HITS FROM GREAT BRITAIN”
Indierock-Charts-Exploitation, bei der dann auch The Hives oder Mando Diao unter Union Jack und Buy Britsh geführt werden. Alles, was falsch und hässlich ist am Kapitalismus: Hier vereint in einem Produkt.

 

 

 

 

20160329_123046_resized

Diverse „GIRLS – COOLE HITS FÜR COOLE MÄDCHEN“
Die Gert-Fröbe-mäßige Anmutung des „guten“ Onkels mit Schokolade und Trenchcoat – wer sie verströmen möchte, dem sie dieser ehrabschneidende Besitz empfohlen. Meine Entschuldigung, diese ehemalige Promo-CD behalten zu haben, suche ich noch. Vielleicht der Blümchen-Song „Ist deine Liebe echt“ im Disco-2000-Remix? Immerhin bin ich doch Pulp-Fan…

 

 

 

20160329_123129_resized

Diverse „KALTE STERNE – BRD-PUNK ROCK- & UNDERGROUNDBALLADEN“
Bestes Stück in der Sammlung hier: Ein Kuschelpunkrock-Sampler!
Die letzte Chance, über Ironie aus diesem Fremdschäm-Multiball rauskommen, verbaut sich die Platte übers Artwork, zu deren Fotos die gute Katja Ruge gezwungen wurde. Der emotional aufgewühlte Punk (Neptun-Pils wieder teurer geworden! Pflasterstein auf den Fuß gefallen!) und die nachdenkliche Dreadlock-Fee (Ich kann ihn ändern!). Bemerkenswert ist, dass das Label „Weird System“ eigentlich einen guten Ruf in punkto Deutschpunk besitzt, den ihnen auch diese Vollverirrung hier nicht nehmen konnte. Die punktuelle Lächerlichkeit färbte dennoch auch auf die Bands ab, die einen heute gern mal umboxen wollen, wenn man sie auf ihre Beteiligung anspricht. Aber nach über zehn Jahren sollte die Schande vergangen sein. Mit schmusigen Fick-Balladen von u.a.: Die Ärzte, Muff Potter, Herrenmagazin, Schrottgrenze, Slime, Tomte, Turbostaat und sogar Tocotronic.

20160329_123120_resized

Diverse „GUTE ZEITEN SCHLECHTE ZEITEN – SUMMER SPIRIT”
Was dem Tsunami von (illegalen) Downloads entgegensetzen? Typische Frage der frühen Nuller Jahre. Die Antwort dieser Compilation: Duft-CDs. Eben dran gerochen, riecht nach Rauch und Verzweiflung. Kann aber natürlich über die Jahre auch von der Wohnung drum rum gekommen sein.
Song wegen dem dieses Stück meinen Besitz nie verließ: Die Echt-Version von „Junimond“.

 

 

 

20160329_123026_resized

Diverse „MEGA FISCH HITS”
Glückwunsch zu 15 Jahre Weser-Label, aber vor allem Glückwunsch zum hässlichsten Cover aller Zeiten. Dereinst auf dem zweiten (oder vermutlich eher achten, neunten) Markt gekauft wegen des ganz frühen Rocko Schamoni Songs (als er noch die Vorsilbe King trug) und wegen „Purple Rain“ in der Psychobilly-Version von Rumble On The Beach.

 

 

 

 

20160329_123036_resized

Diverse „KUSCHELROCK 2”
Petting und dazu läuft „Still Loving You“ von den Scorpions, gibt es was Schöneres? Unnötig zu erwähnen, dass man natürlich allein dabei ist…

 

 

 

 

 

20160329_123013_resized

Diverse „JUNG KAPUTT… SPART ALTERSHEIM – HANNOVER PUNK ‘78 – ‘84“
Kamen nicht die besten Punkbands aus Hannover zwischen 1978 und 1984? Absolut nicht. Dieser Sampler diente damals wohl als Beweis…

 

 

 

 

 

 

Verlagssitz
Kaput - Magazin für Insolvenz & Pop Aquinostrasse 1 | Zweites Hinterhaus, 50670 Köln | Germany
Team
Herausgeber & Chefredaktion:
Thomas Venker & Linus Volkmann
Autoren, Fotografen, Kontakt
Advertising
Kaput - Magazin für Insolvenz & Pop
marketing@kaput-mag.com
Impressum – Legal Disclosure
Urheberrecht /
Inhaltliche Verantwortung / Rechtswirksamkeit
Kaput
Kaput - Magazin für Insolvenz & Pop ist eine Publikation des Verlagshauses Kaput.