Samstag, 22.07.2017
Simon Wagner

Wo Wes Anderson auf Jung-Liberale ejakuliert – Hass auf “kritische” Hipster-Fotografie

Kitsch ist in. Kitsch war nie out. Allein, was Kitsch ausmacht, hat sich verändert. Wo sich vor 200 Jahren der Baron noch ein mit Blattgold geschmücktes, katzenförmiges Porzellan-Service in die Biedermeier-Vitrine pflanzte, hängt sich heute die Mittelstandsfamilie von Welt einen mit Glitter besprenkelten, entstellten Kandinsky ins Reihenhaus-Foyer. SIMON WAGNER hat einige sehr hellsichtige Absätze Hass für “gesellschaftskritische” Fotografie in Lifestyle-Magazinen für uns zusammengebaut.
Okay, jenem Reihenhaus-Kandinsky an der Garderobe lässt sich wenigstens zugute zu halten, dass er keine gesellschaftliche Relevanz beansprucht. Völlig anders sieht es da bei einer Kunst aus, die gerade sämtliche Mode-, Lifestyle-und Popkultur-Magazine zu überfluten scheint und sich in all ihrer Kuscheligkeit noch irgendwie gesellschaftskritisch dünkt. Es handelt sich um eine Form von Porträtfotografie, die sich von der Modefotografie unabhängig gemacht und nun der großen Kunst und den großen Fragen unserer Zeit verschrieben hat.
Dass die Fotograf_innen aus der Mode-Sparte kommen oder von dieser entscheidend beeinflusst wurden, ist am Stil der Bilder leicht festzustellen. Die unsägliche Tumblr-Ästhetik hat sie vollends vereinnahmt: “Schrille” Kontraste, Pink auf Weiß oder auch mal völlig farbentsättigt. Innenräume in holzigem Dunkel, Außenwelten überhellt. Pastelluniversen, alles bunt und matt, wie als hätte Wes Anderson seine ästhetischen Ideale auf das Outfit eines JuLis ejakuliert.

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