Donnerstag, 19.10.2017
Linus Volkmann

Selbst-Fellatio, die rhythmische Sportgymnastik der Bosse!

Unlängst erhielt ich wieder viel Feedback auf einen meiner Artikel. Zusammenfassen lässt es sich unter der Aufforderung „Fick dich doch!“. Das mag zwar größtenteils anatomischen Quatsch darstellen, aber ist es wirklich gänzlich unmöglich? Dieser Gedanke hat mich nun zu dieser Kolumne inspiriert. Ein historischer Werk-Apparat zu dem sträflich unterrepräsentierten Kulturthema … Auto-Fellatio.

Daft Punk versprachen dem ein oder anderen zu viel, als sie ihn auf die Piste schickten, um bis morgens der Erwartungshaltung „to get lucky“ nachzujagen. Außerdem ist es nicht vielleicht überhaupt viel zu anstrengend, immer wieder auszugehen und sein Fähnchen in den Wind zu halten. Wie verzweifelt ist man denn auch? Wie Markus Lanz, oder was? Nein, der Trend geht zu Cocooning auf dem eigenen Sofa. Bei LTE+, Netflix und Tinder hat man ohnehin schon Hausverbot und sein Guthaben längst aufgebraucht. „Jetzt helfe ich mir selbst“.
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Alles klar, dann Hose runter und auf die Yoga-Matte. Hier die schönsten literarischen und cineastischen Einlassungen darüber, wie man sich als Mann sein Glied mit dem Mund erreicht. Wofür habe ich denn auch sonst 21 Semester Germanistik studiert und mir 4 Wirbel entfernen lassen? Ach so, und sicherlich gibt es auch Turnerinnen oder sonstwie körperlich begünstigte Frauen, die sich selbst einen blasen können. Deren Filme und Bücher haben die Redaktion allerdings noch nicht erreicht. Für Tipps und Anregungen (bitte via Darknet) sind wir sehr dankbar.
Der Herr steht jedenfalls früher oder später – je nach Phantasiebegabung – vor dieser akrobatischen Vision und fragt sich: Hey, wenn das klappen könnte, wie könnte ich meiner Umwelt eigentlich noch vorspielen, dass ich Interesse an ihr hätte? Nun, Problems good to have – wie es im verelendeten Marketing-Sprech heißt.
Doch so universell das Thema jeden erreicht, so schwierig ist es auch – nicht nur es zu praktizieren sondern es auch zuzugeben. Wie der Dialog des Debüt-Films von Kevin Smith „Clerks“ (1994) beweist:

penis2 penis4Die beiden Hauptfiguren, Dante (D) und Randal (R), fahren zu einer Beerdigung einer ehemaligen Schulfreundin.

R: Sie war noch ziemlich jung.
D: 22, wie wir. Woran starb sie?
R: Eine Embolie im Pool.
D: Was für ein peinlicher Tod.
R: Das ist nichts im Vergleich zu meinem Cousin Walter.
D: Wie ist er gestorben?
R: Genickbruch.
D: Was ist daran peinlich?
R: Er hatte versuchte, sich selbst einen zu blasen.
D: Oh, mein Gott!
R: Hast Du nie versucht, dir selbst einen zu blasen?
D: Nein!
R: Du bist verklemmt.
D: Weil ich es nie versucht habe?
R: Nein, weil Du es nicht zugibst! Man ist kein Perverser, nur weil man es versucht. Du bist neugierig wie wir alle. Du hast es probiert!
D: Ich bin nie rangekommen.
R: An deinen Schwanz?
D: Ja, wie du gesagt hast, jeder ist neugierig und versucht es mal.
R: Ich habe es nie probiert. Du perverses Schwein!

Der kaputte Rücken ist (außer vielleicht man stirbt wie in diesem Beispiel hier) also gar nicht mal das wirkliche Problem. Die soziale Ächtung, die Bildlichkeit des Tuns – hier tauchen die Schwierigkeiten auf. Und man muss es natürlich auch selbst zugestehen: Gegen Günther Jauch mit seinem eigenen Penis im Mund ist die Vorstellung, dass die eigenen Eltern Sex haben ja fast noch eine Wohltat.

Aber vielleicht, ja ganz vielleicht, ist es einfach unmöglich mit dem Mund an sein Glied zu gelangen. Genauso wie es ein anatomischer Ausschluss ist, mit der Zunge seinen Ellenbogen zu berühren (ausprobieren, wer es nicht glaubt). Ja, das könnte doch die Lösung sein und dann kann wieder Ruhe einkehren ins aufgekratzte Heim-Schwanz-Studio. Doch hier muss ich den geneigten Leser, die geneigte Leserin eines Besseren belehren. Und auf den kinky und queeren Film „Shortbus“ von 2006 verweisen (Soundtrack stammt übrigens unter anderem vom großartigen Scott Matthew). Schon nach zehn Minuten ist klar, was alles möglich ist.
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„Muss ich die Tat nicht tun, wenn ich sie gedacht?“ („Dantons Tod“, Georg Büchner)
Tja, erlaubt ist, was gelingt. Bloß wie? Aufschluss verspricht das Buch von einem der größten Penisse der Welt: Ron Jeremy. Der haarige Pornostar einer vergangenen Epoche war berühmt dafür, dass er dieses Kunststück zu leisten im Stande war. In seiner Autobiographie, „Ein Mann und 4000 Frauen“ (Schwarzkopf und Schwarzkopf) wird er sehr konkret:

20151020_151457Haha, danke für nichts, Ron Jeremy! Kein Wunder, dass seine zweite Karriere (nach den Pornos) so kläglich scheiterte. Er versuchte sich nämlich an Stand-up-Comedy.
Wobei die verstörendste Aussage zum Thema erst paar Kapitel später folgt. Warum es nur so wenige (drei Stück) Filme gäbe, in denen er diesen Move vollführt, läge daran, dass er es schwul fände, einen Penis im Mund zu haben…
Fahrlässig bis an die Schwelle der Tragik! Da könnte ja gleich auch der Adler am Boden bleiben, weil Fliegen zu gay ist, oder was?
Nun, lieber Leser, liebe Leserin, machen sie Dehn- und Aufwärmübungen – und es dann vor allem besser als dieser gelenkige aber letztlich traurig Wicht.

You can reach your dream!

Ihr Ron Jeremy der Herzen,
Linus Volkmann

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