Donnerstag, 24.08.2017
CTM Festival / Club Transmediale 2016

„Fuck Ambient. Northern Technology. Dark Electronica. Obsessive Techno. Militant House. Noise Pop.”

CTM_2Zwischen dem 29.01. und dem 07.02. findet in Berlin das CTM Festival / Club Transmediale 2016 statt. Die siebzehnte Auflage des Festivals “for Adventurous Music and Art” steht unter dem Leitmotiv “New Geographies” und vereint KünstlerInnen aus u.a. Japan, Südafrika, Äthiopien, China, Russland sowie Mexiko, setzt also in Zeiten sich schließender Grenzen ein offensives Signal für weiche Zäune und Interaktion ohne Schranken.

Das Programm, dass bei dieser begrüßenswerten Zielsetzung heraus kommt, fällt auch in diesem Jahr wieder schlichtweg überwältigend reizvoll aus.
Lars Fleischmann hat für Kaput für jeden Tag ein Highlight herausgepickt und eine Playlist erstellt.

Freitag, 29.1.: Charlotte Bendiks
Der musikalische Teil des Festival beginnt  mit einer Clubnacht in der Panorama Bar, bei der unter anderem Andre Bratten, Ateq von Giegling und Charlotte Bendiks auflegen.

Samstag, 30.01.: Rabih Beaini / Renaissance Man
Rabih Beaini, der auch unter seinem mittlerweile fast gänzlich abgelegten Pseudonym Morphosis bekannt ist, übernimmt in diesem Jahr die Rolle des Gastkurators des CTM Festivals. Sein Auftritt an der Seite von Sofia Jernberg ist eines der Highlights des Opening-Konzerts im HAU. Ich habe für die Playlist einen Edit eines libanesischen Klassikers ausgewählt.
Der Abend in der „Werkstatt der Kulturen“ ist mit „Polynodes I“ überschrieben. Besonders gespannt bin ich auf Renaissance Man. Die Verspieltheit, mit der sich Martti Kalliala and Ville Haimal dem Thema Techno annähern, sorgt nicht nur bei mir für ein nicht enden wollendes Kinderlachen.

Sonntag, 31.1.: BLNRB
Wer nach der Clubnacht um 10:30 Uhr wieder (oder noch) fit ist, dem sei dieser Talk an’s Herz gelegt. Unter dem Titel „False friends and True Signals: Interculturality in Sound Art“ sprechen im Kunstquartier Studio KuratorInnen und KünstlerInnen über die Möglichkeiten und die Fallen, die sich auftun, wenn man interkontinentale Musikeinflüsse zusammen bringen möchte. Die Gebrüder Teichmann, die diese feine Auslotung seit Jahren schon erforschen und betreiben, sind auch dabei.

Montag, 01.2.: Love Cult
Love Cult sind schon längst kein Geheimtipp mehr, ihr Auftritt im HAU gilt als einer der heiß erwartetest des Festivals. Anya Kuts and Ivan Zoloto beschreiben ihre Musik auf ihrer Bandcamp-Seite wie folgt: „Fuck Ambient. Northern Technology. Dark Electronica. Obsessive Techno. Militant House. Noise Pop.” Toll!

Dienstag, 02.02.: Thug Entrancer
Unter seinem Imprint Data Slavezeigt sich Thug Entrancer von seiner „zurückhaltende“ Seite – die aber immer noch sehr tanzbar ausfällt. Bei den Live-Auftritten (im Berghain wird in der Verbindung mit Videos performen) wirken seine Tracks noch Skulpturartiger als sonst schon. Weitere Acts des Abends: Visionist, Maria Bozinovska Joanes und Marcin Pietruszewski.

Mittwoch, 03.02: Senyawa & Kazuhisa Uchihashi
Keiji Haino, Kazuhisa Uchihashi, Rully Shabara & Wukir Suryadi von Senyawa – der Abend im HAU 2 lotet unter dem Titel „Coordinates III“  aus, wo heutzutage kulturelle Grenzen liegen und welche Bedeutung sie einnehmen. In diesem konkreten Fall treffen Javanische und Japanische Traditionen im Spannungsfeld aus Drone und Folklore aufeinander.

Donnerstag, 04.02.: Group A / Lena Willikens
Unter dem Label „Zones III“ wird man im Berghain einen ganz besonderen Abend erleben dürfen. Neben Le1f und Kaput-Freundin Lena Willikens, tritt auch Group A auf. Das japanische Duo, das letztes Jahr auf seiner Europatournee für einige Begeisterungsstürme sorgte, verbindet elektronisch-avantgardistische Noise-Expultation mit harten Synth-Wave -und klingt in den besten Momenten Welten-zerstörerend.
Danach stellt sie die Frage, ob man je genug vom „Nilpferd“ von Lena Willikens bekommen kann? Nein.

Freitag, 05.02.: Olaf Karnik, Wanlov the Kubolor und M3nsa von FOKN Bois, Meira Asher und Adam Harper / Seltene Erden aka Kassen Mosses
Wie kann Protest heute aussehen, ohne direkt Gefahr zu laufen überhört/übersehen zu werden, aber auch nicht inkorporiert zu werden in den alltäglichen Kreislauf von einfacher Verwertung?
Olaf Karniks Gesprächsrunde im Kunstquartier Bethanien mit Wanlov the Kubolor und M3nsa von FOKN Bois, Meira Asher und Adam Harper wird sich diesem Thema widmen.
Gunnar Wendel´s (aka Seltene Erden aka Kassem Mosses)  Soundinstallation „Combat Zones That See“, die er dieses Jahr auf der Pluriversale III-Eröffnung in Köln gezeigt hat, stellte die Frage, was denn die Sounds eines Krieges sein können, der erstens so nicht mehr heißt („bewaffnete Intervention“) und sich mittlerweile zu gleichen Teilen neben den immer noch präsenten, aber nicht mehr gezeigten Schlachtfeldern, auch in Netzwerken „austoben“ darf. Bei „Zones IV“ im Berghain wird er als DJ auftreten und solche Fragen eher implizit als explizit äußern. Nichtsdestotrotz immer ein heißer Tipp.

Samstag, 03.02: Moscoman / Lex Lugner
Eines der interessantesten Labels des letzten Jahres ist Disco Halal. Im YAAM wird das Label von Moscoman, Wahlberliner aus Tel Aviv, auf einem eigenen Floor Grenzüberschreitenden“ Nahost-Folklore und Popmusik mit elektronischer Musik verbinden. Egal ob aus Syrien, der Türkei oder Israel, wichtig ist nicht, woher die Sounds stammen, sondern was man damit macht.
Gleiche Party, anderer Ort. Lex Lugner, Beat-Chef für die Cloudrapper aus Wien (Yung Hurn) und Köln (LGoony) und als Einzelkünstler gerade auf dem Sprung, stellt mit seiner Musik existenzielle Fragen wie diese:
Was ist die Quintessenz modernen Post-Trap-HipHops?
Seine Antwort klingt nach der Melancholie der Großstadt, gefühlt mit dem dringlichen Herzen des Adoleszenten, und nicht selten mit einer gewissen Ernüchterung am Tag danach.

Sonntag, 07.02.2016
Zum Abschluss muss man auch mal die Grenzen der eigenen Playlist sprengen dürfen. Ich mache das mit dem Resident Advisor Mix von Rabih Beaini, der auf der offiziellen CTM/Tranansmediale-Abschlussparty im Watergate auflegt.
Ich bin gespannt, was in diesem Jahr als Resümee des Festivals stehen bleibt. In den vergangen Jahren blieben viele Diskussionen umaufgelöst – was nicht unbedingt schlimm sein muss.

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