Freitag, 22.06.2018
Interview

“Nicht nebenher Geld verdienen müssen” – Missy sucht Unterstützer

Intro und neon haben dieses Jahr die Bühne räumen müssen, jetzt gibt’s crowdfunding für Missy. Müssen wir uns Sorgen machen? Linus Volkmann hat nachgefragt bei Stefanie Lohaus. (Foto: Zara Zandieh und Azadeh Zandieh)

STEFANIE LOHAUS Medienunternehmen sind wirtschaftliche Unternehmen; Intro und Neon waren immer Magazine, in denen es primär ums Geld verdienen ging. Wenn wir die Maßstäbe großer Verlage an uns anlegen würde, dann hätten wir Missy nach drei Ausgaben eingestellt. Es wird aber immer schwieriger, solche Herzblutprojekte wie Missy aufrecht zu erhalten, zum Beispiel, weil die Mieten in Berlin rasant gestiegen sind und wir einfach mehr Geld verdienen müssen.

Crowdfunding ist ja immer bereits ein Teil der missy-historie gewesen. Was glaubt ihr, muss es für Magazine ohnehin perspektivisch andere Wege geben abseits der Verkaufspreis-Erlöse?
STEFANIE LOHAUS Kein einziges Magazin ist wirtschaftlich, wenn es versucht von Verkaufserlösen lebt. Die niedrigen Preise für journalistische Produkte wurden und werden durch Anzeigen quersubventioniert. Intro war ja etwa kostenlos, also da gab es keine Verkaufserlöse. Linke und andere emanzipatorische Projekte wie die taz, konkret, analyse & kritik oder eben auch Missy haben noch nie viele Anzeigen gehabt, weil sie kantig und eigensinnig sind und damit nicht so marktkonform. Neu ist, dass nun auch vielen herkömmliche Magazinen die Anzeigenkunden weglaufen, weil es heutzutage viel mehr Kanäle gibt, auf denen man werben kann und sich die Marketingbudgets der Unternehmen anders verteilen. Gleichzeitig gibt es dann auch immer wieder Neugründungen, wie etwa das “Barbara”-Magazin bei Gruner + Jahr, in dem viele Unternehmen schalten. Es ist also schwierig, pauschal zu urteilen.

Wenn mehr Mittel in missy flössen und ihr könntet, wie ihr wolltet, wie würde das Heft/Das Projekt dann aussehen?
STEFANIE LOHAUS Wir würden mehr Kanäle bespielen, mehr Veranstaltungen organisieren, mehr Online-Content erstellen, mehr Debatten führen und auch Kampagnen machen. Die Qualität des Magazins wäre höher, weil wir nicht nebenbei noch Geld verdienen müssten.

#metoo … Feministische Diskussionen sind aktuell sehr präsent, hat das nicht auch Einfluss auf eure Marke?
STEFANIE LOHAUS Es gibt ein großes Interesse an Missy und an uns, aber das bildet sich interessanterweise nicht in Geldflüssen ab. Unternehmen, die einen auf Feminismus machen, etwa Modeunternehmen, schalten nicht etwa Anzeigen bei uns, sondern schicken uns ihre PR-Firmen, damit wir kostenlos über ihre „feministischen“ Kampagnen berichten. Wer Feminismus und Journalismus kombiniert, kriegt auch keine signifikanten Fördergelder, weil es da schlicht keine passenden Töpfe in Stiftungen oder von der öffentlichen Hand gibt.

/// Die crowdfunding-Kampagne findet ihr hier

Verlagssitz
Kaput - Magazin für Insolvenz & Pop Aquinostrasse 1 | Zweites Hinterhaus, 50670 Köln | Germany
Team
Herausgeber & Chefredaktion:
Thomas Venker & Linus Volkmann
Autoren, Fotografen, Kontakt
Advertising
Kaput - Magazin für Insolvenz & Pop
marketing@kaput-mag.com
Impressum – Legal Disclosure
Urheberrecht /
Inhaltliche Verantwortung / Rechtswirksamkeit
Kaput
Kaput - Magazin für Insolvenz & Pop ist eine Publikation des Verlagshauses Kaput.

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies and accept our data policy. More information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close