Freitag, 15.12.2017
Peter Wittkamp

“Tinder ‘mache’ ich meist auf der Toilette”

Wer auf all seinen Social-Media-Wegen noch nie über ein Exemplar seiner “Sammlung recht witziger Listen” gestolpert ist, dürfte digital ein eher entbehrungsreiches Dasein fristen. Aber auch über das Format “Auslisten” hinaus kann es gut sein, dass einem Peter Wittkamp bereits Freude bereitet hat. Zum Beispiel als Autor der “ZDF heute-show” oder aktuell mit seinem übergeschnappten Internetratgeber “Poste Deine Darmspiegelung” – oder vielleicht sogar dem oder anderen auf Tinder. Wir sind sehr stolz, dass er sich die Zeit genommen hat, uns in sein Geheimwissen über Web und Humor einzuführen. Mit Peter Wittkamp sprach Linus Volkmann.

12200935_10207417040844800_783243291_n (1)Viele unserer User betreiben selbst Profile auf bekannten Social-Media-Plattformen. Kannst du etwas raten, wie ihre nächsten Postings mehr Beachtung finden?
Die Fragestellung verrät eigentlich schon, was oft falsch läuft: Posten, um Beachtung zu finden. Ich kann das gut nachvollziehen und bin da sicher nicht frei von Schuld. Aber eigentlich sollte es doch im digitalen wie im echten Leben darum gehen, aufrichtig und ehrlich zu sagen und zu schreiben, was einem auf dem Herzen liegt. Oder was man interessant findet. Oder witzig. Es ist vollkommen okay, zehn süße Katzen vor Sonnenuntergängen hintereinander zu posten – wenn man sich wirklich für Sonnenuntergänge und Katzen interessiert. Wenn man diese Bilder aber nur postet, weil man auf die Klicks und Likes seiner Bekannten aus ist, läuft etwas schief. Und irgendwann merken das die Bekannten auch. Daher der Tipp: Aufrichtig bleiben und über das schreiben, was einen interessiert oder was man gerne sagen möchte. Ein guter Schuss Selbstinszenierung ist dabei natürlich nicht verboten.

Etliche unserer User betreiben selbst Seiten auf bekannten Social-Media-Plattformen, was ist deine Haltung zum Beispiel zu „sponsored posts“?
“Sponsored Posts” sind ziemlich teuer und eigentlich nur großen Unternehmen zu empfehlen, die das Geld dafür haben. Für Hobbyseiten sind sie zu kostenintensiv. Und Seiten, die richtig gut sind, funktionieren eigentlich auch ohne sponsored Posts. Zum Beispiel “Barbara” oder der “Kundendienst”. Wenn einen Seite so gar nicht läuft, sollte man sich vielleicht überlegen, ob es auch an den eigenen Inhalten liegen könnte. Oder ob man mit “Bielefelder Freiwildfans gegen rechts” vielleicht die Zielgruppen zu eng gesetzt hat.


0000Du hast dich viral dereinst weit nach vorne gebombt mit deinen recht witzigen Listen. Wieso hast du die aber nach der Buch-Erscheinung kaum noch verfolgt?
Das erste Buch lief zwar gut, aber nicht so gut, dass es einen Nachfolger geben würde. Kurzum: Es gab keinen finanziellen Anreiz mehr für mich, Listen zu schreiben. Dann kamen noch Buch zwei und drei und die ganzen Werbejobs dazu, so dass auch die Zeit fehlte. Aber was lernen wir von a-ha? Niemals ein Comeback ausschließen! Denn Spaß hat das schon sehr gemacht.

Was war dein schönstes Tinder-Erlebnis?
Ich erhielt eine Nachricht auf Tinder, da ich aber gerade arbeitete, wollte ich sie später lesen. Nur hatte sie sich da schon abgemeldet und die Nachricht war futsch. Monate später “sah” ich sie wieder, weil sie eine meiner Spotify-Playlisten abonnierte. Der angezeigte Name wiederum reichte mir, um sie auf Facebook zu finden. Ich schrieb ihr eine Nachricht, die jedoch unter “Sonstige” landete. Nachdem sie die Nachricht dann nach einer Woche doch gelesen hatte, teilte sie mir mit, dass sie nicht mehr in Berlin wohnt. Wir waren dann aber irgendwann doch noch zusammen im Kino … Liebe Grüße, wenn du das liest!

Welches ist die Social-Media-Plattform, die dir am besten liegt? Auf Instagram sieht man dich zum Beispiel recht wenig, oder hast du uns da geblockt?
Ich vergesse leider oft, dass ich da ja auch noch ein Instagram-Profil habe. Tatsächlich mag ich am liebsten Facebook, würde mir gerne aber wieder angewöhnen, etwas mehr zu twittern. Tinder “mache” ich meist auf der Toilette, was irgendwie eine komische Ausgangsbasis für eine Love-Story ist, wenn es tatsächlich mal klappen würde. “Papa, wo hast du Mama eigentlich das allererste mal gesehen …?”

Du arbeitest jetzt für die „heute-show“, hast für die sehr erfolgreiche Kampagne der BVG Sorge getragen und die Buchprojekte nicht zu vergessen. Kannst du verraten, woran du aktuell sitzt?
Ich würde tatsächlich gerne mehr “in echt” auftreten. In welcher Form auch immer. Etwas lesen, Witzchen erzählen, lustige Bilder aus dem Internet zeigen, einen Song vorspielen … so die Richtung. Da bastele ich gerade dran rum. Außerdem schreibe ich mit meinen Bürokollegen Schlecky Silberstein und Max gerade an einer Sketch-Serie. Und ich würde gerne keinponyhof.com reaktivieren. Und auch wieder Listen schreiben.

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Peter Wittkamp im Kreise enger Freunde

Was hast du über Social Media durch die Arbeit an „Poste deine Darmspiegelung“ gelernt, was du vorher nicht wusstest?
Im Grunde habe ich über Social Media nicht viel Neues gelernt. Ich verdichte ja nur das, was mir bisher so alles aufgefallen ist. Aber ich habe gelernt, dass es nicht ganz einfach ist, ein Buch mit – für meine Verhältnisse – sehr viel Text zu schreiben und dabei stringent zu bleiben.

Viele deiner ironisch dargebotenen Kapitel, wie sehr das Smartphone die eigenen Welten dominiert, besitzen auch etwas Düsteres, ja Trauriges hinter den Punchlines. Wie steht es mit deiner eigenen Ambivalenz zum Leben 2.0?
Ich finde das alles wunderschön und ganz schlimm. Manchmal poste ich höchst erfreut irgendwas und denk mir eine Stunde später: Wie peinlich, du elender Selbstdarsteller. Und wenn ich in einer geselligen Runde mein Smartphone zücke, finde ich es voll okay, schließlich schaue ich etwas wahnsinnig Wichtiges nach (neue Likes, ein frisch eingetrudelter Newsletter, das Wetter) – bei anderen toleriere ich es jedoch nur bedingt. Oder dieses Gefühl, einen wahnsinnig aufregenden Tag im Internet verbracht zu haben und später Schwierigkeiten zu haben, sich auch nur an drei Dinge zu erinnern, die man da gemacht hat. “Ambivalenz” ist also ein sehr gutes Wort in diesem Zusammenhang. Vielleicht ist es wichtig, bei allem Digitalem nicht zu vergessen, dass man nur im echten Leben schön Knutschen kann. Zumindest vorerst. Wer weiß, was sich Google als nächstes einfallen lässt!

0000Peter Wittkamp, “Poste Deine Darmspiegelung”, Knaur, 2015, 9,99 EURO

 

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